Der Goldpreis hält sich am Donnerstag knapp über der Marke von 4.600 US-Dollar je Feinunze und bewegt sich damit seitwärts, während Anleger auf die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag in Jackson Hole warten. Der aktuelle Kurs liegt bei 4.592,56 US-Dollar, nach 4.597,78 US-Dollar am Vortag – ein moderates Minus von 0,1 Prozent, das die Nervosität vor dem geldpolitischen Auftritt widerspiegelt.
Die Erwartungen an Warshs Auftritt sind hoch. Der Markt sucht nach Hinweisen zur künftigen Zinspolitik, nachdem sich zuletzt ein fester US-Dollar und eine hartnäckige Inflation dem Aufwärtstrend des Goldpreises entgegenstellten.
Analysten diskutieren, ob Warsh das traditionelle Punktdiagramm der Fed abschaffen und die Forward Guidance reduzieren könnte – ein Schritt, der die Planbarkeit künftiger Zinsentscheidungen erheblich verändern würde.
Die Kerninflation liegt weiterhin über dem Zielwert der Notenbank, während die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von Marktteilnehmern zuletzt auf rund 40 Prozent taxiert wurde.
Physische Nachfrage bleibt robust
Trotz der Unsicherheit über den Fed-Kurs zeigt sich die physische Nachfrage nach Gold ungebrochen. Exchange Traded Funds verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von mehr als 28 Tonnen – ein deutliches Signal dafür, dass institutionelle Investoren trotz der Rekordstände beim Edelmetall nicht aussteigen. Auf Monatssicht steht bei Gold ein Plus von 14 Prozent, was den fundamentalen Rückhalt für die aktuelle Preiszone unterstreicht.
Parallel zur Fed-Debatte sorgt eine geldpolitische Maßnahme aus dem US-Finanzministerium für zusätzliche Unterstützung: Finanzminister Scott Bessent hatte zuvor angekündigt, das Volumen der Anleiherückkäufe zu verdoppeln, was tendenziell dollarschwächend wirkt und Gold als Anlagealternative attraktiver macht. Diese fiskalische Komponente überlagert sich mit der geldpolitischen Unsicherheit und erklärt, warum der Goldpreis trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer in der laufenden Woche insgesamt ein Plus von 1,6 Prozent verbucht.
Charttechnik bleibt bullisch
Auf technischer Ebene bleibt das Bild für Gold intakt. Der Goldpreis notiert weiterhin oberhalb seiner gleitenden Tagesdurchschnitte, was Händler als bullisches Signal werten. Der Relative-Stärke-Index von 67,8 signalisiert zwar eine gewisse Überkauftheit, liegt aber noch unterhalb der klassischen Schwelle von 70, ab der Korrekturrisiken typischerweise zunehmen.
Für die kommenden Handelstage dürfte die Rede von Warsh am Freitag richtungsweisend sein. Sollte der Fed-Chef stärker hawkische Töne anschlagen und eine restriktivere Geldpolitik in Aussicht stellen, könnte dies kurzfristig Gegenwind für den Goldpreis bedeuten.
Bleibt die Tonlage jedoch vage oder signalisiert Warsh Zurückhaltung bei künftigen Zinsschritten, dürfte dies dem Edelmetall weiteren Rückenwind verschaffen – zumal die strukturelle Nachfrage über ETF-Zuflüsse und die fiskalische Dollarschwäche bereits jetzt einen soliden Boden bilden.
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