Gold: 27 Prozent unter Januarhoch

Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Goldpreis aufgrund steigender Inflationserwartungen und hoher Zinsen. Zentralbanken stützen die Nachfrage.

Auf einen Blick:
  • Gold setzt Schwächephase fort
  • Inflation und Zinserhöhungen belasten
  • Zentralbanken kaufen Rekordmengen
  • 4.000-Dollar-Marke als wichtige Stütze

Eigentlich müsste Gold glänzen. Militärschläge zwischen den USA und dem Iran, Spannungen an der Straße von Hormuz, ein brüchiger Waffenstillstand — das sind klassische Zutaten für eine Flucht in sichere Häfen. Stattdessen notiert das Edelmetall am Montagmorgen bei rund 4.055 bis 4.068 US-Dollar pro Feinunze und setzt seine Schwächephase fort.

Der Grund liegt in einem Widerspruch: Die Eskalation am Golf schürt Inflationsängste. Und höhere Inflation bedeutet höhere Zinsen — das Gift für Gold.

Warum der sichere Hafen gerade nicht schützt

Steigende Ölpreise infolge der Hormuz-Spannungen erhöhen den Inflationsdruck. Fed-Chef Kevin Warsh hat bereits signalisiert, dass er an einem restriktiven Kurs festhält. Die US-Notenbank hob Mitte Juni ihre Kerninflationsprognosen an. Zinssenkungen rücken damit in weite Ferne.

Gold wirft keine Zinsen ab. Je attraktiver Staatsanleihen werden, desto teurer wird das Halten von Gold. Kein Wunder, dass spekulative Anleger Positionen abbauen.

Die am Freitag veröffentlichten PCE-Inflationsdaten entsprachen weitgehend den Erwartungen — brachten aber keine Entlastung. Der RSI liegt bei 37,3, das Edelmetall ist technisch angeschlagen. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 5,5 Prozent, gegenüber dem Januarhoch von 5.626,80 US-Dollar sogar 27 Prozent.

Zentralbanken kaufen — und stützen

Das Fundament bröckelt nicht vollständig. Laut World Gold Council wollen rund 45 Prozent der befragten Zentralbanken ihre Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten aufstocken — ein Rekordwert. Im ersten Quartal 2026 kauften sie bereits 244 Tonnen.

Diese physische Nachfrage federt den Verkaufsdruck ab. Staatliche Käufer nutzen die niedrigeren Kurse zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven. Die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar wurde in den vergangenen Handelstagen mehrfach getestet — bislang hält sie.

Was diese Woche zählt

Zwei Datenpunkte bestimmen den weiteren Verlauf: der US-Arbeitsmarktbericht und der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Beide gelten als Indikatoren für die nächste Fed-Entscheidung.

Parallel läuft die Diplomatie. Beide Konfliktparteien sollen vereinbart haben, Angriffe vor den Friedensgesprächen in Doha auszusetzen. Hält die Feuerpause, könnte der Inflationsdruck am Ölmarkt nachlassen — und Gold zumindest einen Teil seines Gegenwinds verlieren. Bricht sie, bleibt die 4.000-Dollar-Marke der einzige verlässliche Anker.

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