Gold: 27 Prozent der Notenbankreserven

Gold fällt auf Monatssicht um acht Prozent, während Notenbanken ihre Reserven auf historisches Niveau aufstocken.

Auf einen Blick:
  • Goldpreis verliert acht Prozent im Monat
  • Fed signalisiert mögliche weitere Zinserhöhung
  • Zentralbanken kaufen 244 Tonnen Gold
  • Goldanteil an Reserven steigt auf 27 Prozent

Zentralbanken decken sich massiv mit Gold ein. Ein starker Dollar und die US-Notenbank drücken den Preis trotzdem tief ins Minus. Das Edelmetall steckt in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.172,90 US-Dollar. Auf Monatssicht verlor Gold damit knapp acht Prozent.

Fed-Politik und Geopolitik belasten

Der entscheidende Bremsklotz liegt in Washington. Die US-Notenbank hält den Leitzins unverändert. Das Signal unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh war allerdings eindeutig. Die Fed rechnet nun mit höheren Zinsen zum Jahresende. Neun der 18 Ausschussmitglieder erwarten mindestens eine weitere Erhöhung.

Hinzu kommt eine Entspannung im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete in Versailles ein Abkommen mit dem Iran. Die Vereinbarung sichert die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Das dämpft Sorgen vor einem Ölpreisschock. Die Folge: Die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen sinkt.

Zentralbanken horten das Edelmetall

Auf der Käuferseite zeigt sich ein völlig anderes Bild. Notenbanken erwarben im ersten Quartal netto 244 Tonnen Gold. Das übertrifft den Fünfjahresdurchschnitt deutlich. Laut dem World Gold Council wollen 45 Prozent der Institute ihre Reserven weiter aufstocken. Das ist ein historischer Rekordwert.

Besonders auffällig ist eine fundamentale Verschiebung. Gold macht nun 27 Prozent der globalen Notenbankreserven aus. Ein Jahr zuvor waren es erst 20 Prozent. Der Anteil an US-Staatsanleihen fiel parallel dazu auf 22 Prozent.

Das passierte zuletzt im Jahr 1996. Ausländische Institutionen halten laut der Europäischen Zentralbank wieder mehr Gold als US-Papiere. Immer mehr Staaten lagern ihre Bestände obendrein im eigenen Land. Sie ziehen das Edelmetall von traditionellen Verwahrern wie der Bank of England ab.

Indien bremst, Analysten bleiben optimistisch

Ein weiterer Dämpfer kommt aus Indien. Das Land hob die Einfuhrzölle auf Gold massiv an. Die Regierung will so den Druck auf die heimische Währung verringern. Experten erwarten dadurch einen spürbaren Rückgang der indischen Nachfrage. Bei einem globalen Jahresbedarf von über 4.000 Tonnen fällt das jedoch kaum ins Gewicht.

Technisch ist das Bild aktuell angeschlagen. Der Goldpreis durchbrach zuletzt die 200-Tage-Linie nach unten. Nun rückt die Unterstützungszone um 4.060 US-Dollar in den Fokus.

Mittelfristig sehen große Adressen enormes Potenzial. J.P. Morgan prognostiziert einen Anstieg auf 6.000 US-Dollar bis Jahresende. Kurzfristig entscheiden jedoch die anstehenden US-Inflationsdaten am Donnerstag über die Richtung. Ein heißer PCE-Bericht würde die restriktive Fed bestätigen und Gold weiter unter Druck setzen.

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