Der Goldpreis schiebt sich auf sein höchstes Niveau seit zwei Monaten. Am Dienstag kletterte die Feinunze über die Marke von 4.400 US-Dollar und schloss bei 4.443,70 Dollar. Treiber sind schwache US-Arbeitsmarktdaten, ein ungelöster Nahost-Konflikt und anhaltende Käufe asiatischer Notenbanken.
Schwacher Arbeitsmarkt bremst die Fed
Der Auslöser der jüngsten Bewegung liegt in Washington. Die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft sanken im Juli überraschend. Gleichzeitig wuchsen die Löhne langsamer als erwartet.
Diese Kombination lässt Anleger auf eine Zinspause bei der Fed-Sitzung im September setzen, statt auf eine Erhöhung. Sinkende Zinserwartungen mindern die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Gold. Das erklärt einen guten Teil der aktuellen Kaufwelle.
Auf Monatssicht zeigt sich das im Kurs: Der Goldpreis legte in den vergangenen 30 Tagen um 10,86 Prozent zu. Die Rally ist damit kein Strohfeuer eines einzelnen Handelstages.
Nahost-Unsicherheit hält die Risikoprämie hoch
Ein zweiter Faktor bleibt ungelöst: die Lage im Nahen Osten. Investoren warten weiterhin auf eine mögliche Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus.
Sinkende Energiepreise wirkten zuletzt dämpfend auf das Zinsrisiko für Goldbesitzer. Sie fielen unter ihre jüngsten Höchststände, weil Signale aus Washington auf eine mögliche Iran-Einigung hindeuteten. Damit sank auch das Risiko, dass hohe Energiekosten die Inflation und damit die Zinsen weiter treiben.
China kauft weiter
Der dritte Pfeiler der Rally kommt aus Asien. Chinesische institutionelle Anleger bauen ihre Goldbestände seit Wochen aus, um sich gegen Schwankungen an Technologiemärkten abzusichern. Goldgedeckte Indexfonds in China verzeichnen ihre längste Zuflussserie seit Monaten.
Auch Notenbanken in Asien kaufen weiter zu. Diese strukturelle Nachfrage unterscheidet sich von kurzfristigen Wetten auf Fed-Entscheidungen — sie wirkt eher wie ein Unterbau, auf dem die Rally aufbaut.
Ein Blick auf die Charttechnik zeigt allerdings, dass der Anstieg Tempo aufgenommen hat. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 68 und signalisiert eine beginnende Überhitzung. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar aus Ende Januar fehlen dem Preis dennoch gut 20 Prozent.
Diese Woche entscheidet die Richtung
Die kommenden Tage bringen die nächsten Datenpunkte. Für diese Woche stehen mehrere US-Konjunkturdaten an:
- US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli
- Erzeugerpreisindex (PPI) für Juli
- Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung
- Vorläufige Inflationserwartungen der University of Michigan für August
Fallen die Inflationsdaten schwächer aus als erwartet, dürfte das die Zinssenkungswetten weiter stützen — und damit den Goldpreis. Fallen sie hingegen zu hoch aus, könnte die Fed ihre Zurückhaltung überdenken. Genau das macht die Woche für Goldanleger zur Nervenprobe.
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