Galp Energia und Moeve haben ihre Gespräche über die Zusammenlegung ihrer Raffinerie- und Vertriebsgeschäfte heute ohne Einigung beendet. Damit entfällt die geplante gemeinsame Plattform auf der Iberischen Halbinsel. Auch überraschend starke Quartalsergebnisse und eine höhere Jahresprognose können die Enttäuschung an der Börse nicht ausgleichen.
Die Aktie verliert heute -8,2% und notiert bei 21,07 €. Der deutliche Abschlag zeigt, dass der gescheiterte Zusammenschluss die positiven operativen Nachrichten zunächst überlagert.
Raffinerien und Tankstellen bleiben bei Galp
Die Verhandlungen mit den Moeve-Anteilseignern Mubadala und Carlyle folgten auf eine unverbindliche Vereinbarung vom 8. Januar. Laut Galp fehlte am Ende die notwendige kommerzielle Übereinstimmung. Moeve erklärte, es seien keine endgültigen Bedingungen gefunden worden, die den strategischen und finanziellen Anforderungen beider Seiten entsprachen.
Reuters zufolge sollte eine gemeinsame Industrieplattform Galps Raffinerie Sines mit den Moeve-Anlagen in Huelva und Algeciras verbinden. Vorgesehen waren rund 700.000 Barrel tägliche Rohöl-Verarbeitungskapazität. Moeve hätte voraussichtlich die Mehrheit gehalten, Galp einen Anteil von über 20 %.
Daneben war ein gleichmäßig aufgeteiltes Gemeinschaftsunternehmen für das Tankstellengeschäft vorgesehen. Durch den Abbruch bleiben Galps Raffinerie-, Chemie- und Tankstellenaktivitäten vollständig im Unternehmen. Die angestrebte Bündelung mit Moeve kommt nicht zustande.
Galp betont, dass der Ausgang weder den laufenden Betrieb noch die eigenständigen Wertschöpfungsaussichten des Downstream-Portfolios beeinträchtige. Auch Strategie und Prioritäten der Kapitalallokation blieben unverändert. Für Anleger verschiebt sich der Bewertungsmaßstab damit wieder auf die Ertragskraft der bestehenden Geschäfte.
Starker bereinigter Gewinn, schwächeres ausgewiesenes Ergebnis
Im dritten Quartal 2026 stieg Galps bereinigter Nettogewinn um 68 % auf 682 Mio. €. Reuters führt den Anstieg auf Rekord-Raffineriemargen und höhere Ölpreise zurück.
Zusätzlich half die höhere Förderung. Laut Upstream stützte der weitere Hochlauf der Bacalhau-FPSO das Produktionswachstum. Observador berichtet zudem, dass die Raffinerie Sines nahe ihrer maximalen Kapazität arbeitete. Die Ergebnisverbesserung beruhte somit sowohl auf günstigeren Marktbedingungen als auch auf höheren Produktionsmengen.
Das bereinigte operative Ergebnis RCA-EBITDA legte um 67 % auf 1,522 Mrd. € zu. Damit übertraf Galp den Analystenkonsens von 1,474 Mrd. €.
Die bereinigten Kennzahlen zeichnen allerdings nicht das vollständige Ergebnisbild. Sonderbelastungen drückten den ausgewiesenen Gewinn deutlich. Die Unterscheidung ist wichtig: Das starke laufende Geschäft ging nicht mit einem entsprechend höheren Gewinn nach Rechnungslegung einher.
Der ausgewiesene Nettogewinn sank um 24 % auf 201 Mio. €. Dabei belasteten Sonderaufwendungen von 453 Mio. € das Ergebnis.
Höhere Jahresziele setzen stärkere Marktbedingungen voraus
Galp reagiert auf die operative Entwicklung mit einer angehobenen Prognose. Der Konzern erwartet für 2026 nun ein RCA-EBITDA von rund 5 Mrd. € statt zuvor rund 4 Mrd. €.
Die höhere Erwartung beruht auch auf angepassten Annahmen für Ölpreise und Raffineriemargen. Sie ist damit nicht ausschließlich Ausdruck eigener Produktionsfortschritte. Für die Einordnung der neuen Ziele bleibt das Marktumfeld ein wesentlicher Faktor.
Beim operativen Cashflow stellt Galp rund 3,9 Mrd. € statt zuvor rund 3 Mrd. € in Aussicht. Die geplanten organischen Investitionen bleiben mit rund 1 Mrd. € unverändert.
Das gescheiterte Moeve-Projekt verändert somit vor allem die Perspektive auf die künftige Geschäftsstruktur. Die operative Prognose hebt Galp gleichzeitig an. Entscheidend für die weitere Bewertung ist deshalb die Trennung beider Entwicklungen: Die gemeinsame Plattform entfällt, während das bestehende Geschäft derzeit deutlich höhere bereinigte Erträge liefert.
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