Das gestrige Plus von 3,2% ist für mich bei Fluence Energy noch kein überzeugendes Signal für eine Neubewertung. Medienberichten zufolge stützte der Vattenfall-Auftrag die Aktie rund um seine Bekanntgabe. Der Vertrag ist ein operativer Erfolg. Er beantwortet aber nicht automatisch die Fragen nach Bewertung und rechtlichen Risiken. Genau diese Unterscheidung sollte die Einordnung bestimmen.
Auftragserfolg ist nicht gleich Ergebnisbeitrag
Der am Mittwoch bekannt gegebene Vertrag umfasst die Lieferung eines Batteriespeichers in Brunsbüttel sowie langfristige Serviceleistungen. Die Anlage soll eine Leistung von 254 MW und eine Kapazität von mehr als 1.000 MWh haben. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2028 vorgesehen.
Für die Beurteilung spricht das zunächst für Fluence: Vattenfall hat sich auf eine Zusammenarbeit festgelegt, die über die reine Lieferung hinausgeht. Der langfristige Service gehört ausdrücklich dazu. Aus Anlegersicht ist das mehr als eine unverbindliche Projektankündigung.
Trotzdem wäre es voreilig, daraus bereits einen entsprechenden Gewinnbeitrag abzuleiten. Ich gewichte den Auftrag deshalb als Beleg für einen konkreten Geschäftserfolg, nicht als Nachweis einer besseren Ertragslage. Die geplante Inbetriebnahme liegt zudem in der Zukunft. Zwischen Vertragsabschluss und Betrieb sollte die Bewertung unterscheiden.
Die Bewertungsfrage bleibt eigenständig
Dass ein Auftragserfolg und eine vorsichtigere Bewertung gleichzeitig möglich sind, zeigt die Analystenaktion vom Mittwoch. Medienberichten zufolge senkte Morgan Stanley das Kursziel von 15 $ auf 9 $. Die Einstufung blieb neutral. Als Begründung nannte das Haus höhere Zinsen und sinkende Bewertungsmultiplikatoren innerhalb seiner Abdeckung erneuerbarer Energien und Stromausrüstung.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Diese Begründung richtet sich auf das Bewertungsumfeld und ist nicht als negatives Urteil über den einzelnen Vattenfall-Vertrag zu lesen. Umgekehrt kann ein einzelner Auftrag solche Bewertungsbelastungen nicht einfach aufheben.
Susquehanna reduzierte am Mittwoch ebenfalls das Kursziel, von 23 $ auf 13 $. Das Haus behielt seine positive Einstufung bei. Medienberichten zufolge gehörte die Anpassung zur Überarbeitung der Schätzungen und Kursziele für alternative Energien vor den anstehenden Quartalsberichten.
Für mich ergibt sich daraus kein einheitlich negatives Urteil. Wohl aber mahnen die niedrigeren Ziele zur Zurückhaltung bei der Interpretation einer freundlichen Tagesbewegung. Eine positive Einstufung und deutlich reduzierte Erwartungen können nebeneinanderstehen.
Rechtliches Risiko nicht mit Vorverurteilung verwechseln
Daneben steht die am 28. September im südlichen Gerichtsbezirk von New York eingereichte Wertpapier-Sammelklage gegen Fluence und bestimmte Führungskräfte. Die Klageschrift wirft ihnen Verstöße gegen Wertpapiergesetze vor.
Diese Vorwürfe sind keine festgestellten Rechtsverstöße. Sie deshalb auszublenden wäre ebenso falsch, wie aus der Einreichung bereits eine Haftung abzuleiten. Für die Anlagebeurteilung ist das ein eigener Risikopunkt, den ein neuer Auftrag nicht erledigt.
Unterm Strich verdient der Vattenfall-Vertrag Anerkennung, aber keinen Vertrauensvorschuss für sämtliche anderen Fragen. Meine Einordnung bleibt zurückhaltend: Der operative Erfolg spricht für Fluence. Für eine umfassend bessere Bewertung reicht er allein nicht.
Fluence Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Fluence Energy-Analyse vom 16. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten Fluence Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Fluence Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
