Milliardenrisiken erhöhen den Handlungsdruck
Panamas Wirtschaftssektor verlangt verbindliche Leitplanken für die Zukunft des Kupferprojekts Cobre Panamá. Handelskammerpräsident Aurelio Barría forderte am Sonntag eine genaue Prüfung der behördlichen Empfehlungen für einen geordneten Minenschluss.
Zugleich pochte der Verband auf umfassende Transparenz über rechtliche Rahmenbedingungen, steuerliche Regelungen und künftige Umweltauflagen, bevor die Regierung formelle Verhandlungen mit First Quantum Minerals aufnimmt.
Der wirtschaftliche Druck auf die Regierung in Panama-Stadt wiegt schwer. Nach Angaben des panamaischen Handels- und Industrieministeriums MICI entgehen dem Land durch den Förderstopp erhebliche Deviseneinnahmen.
Ein Schließen der Mine ohne Vereinbarung würde nach Kommissionsschätzungen bis zu 3,4 Milliarden US-Dollar kosten. Hinzu kommen erhebliche Risiken durch offene Schiedsverfahren, bei denen Forderungen von mindestens 27 Milliarden US-Dollar im Raum stehen.
Die Stilllegung hinterließ spürbare Verwerfungen in der gesamten Binnenkonjunktur. Zahlreiche lokale Lieferanten verloren wichtige Absatzmärkte, während Tausende Arbeitsplätze direkt und indirekt wegfielen. Das Projekt galt vor dem Stillstand als eine tragende Säule der heimischen Wirtschaft.
Operativer Betrieb als Bedingung für das Minenende
Das Vorhaben besitzt auch für den Rohstoffkonzern überragendes Gewicht. Im Jahr 2023 produzierte die Mine 330,9 Kilotonnen Kupfer. Das entsprach rund 47 Prozent des gesamten Fördervolumens von First Quantum Minerals. Seit der Oberste Gerichtshof den Minenvertrag für verfassungswidrig erklärte, ruht der frische Abbau an dem Standort vollständig.
Hinsichtlich der Cobre-Panamá-Schließung und der monatelangen Hängepartie empfahl eine Regierungskommission vor gut einer Woche, Verhandlungen über einen befristeten Weiterbetrieb aufzunehmen, um den schrittweisen Rückbau selbst zu finanzieren.
Staatspräsident Mulino knüpft etwaige Gespräche an strikte Bedingungen. Die Kriterien gelten als nicht verhandelbar, darunter die uneingeschränkte Wahrung des Gerichtsurteils sowie die Zusicherung, dass dem panamaischen Staat keinerlei Kosten entstehen dürfen.
Die Analysten von J.P. Morgan betonen, dass ein geordneter Rückzug ohne zwischenzeitliche Wiederaufnahme des Abbaus kaum realisierbar ist. Das Bankhaus veranschlagt für diesen Schließungsprozess einen Zeitraum von rund 25 Jahren. Sollten Verhandlungen scheitern, könnte sich ein Neustart nach Einschätzung der Experten bis weit in das Jahr 2027 verzögern.
Für den Bergbaukonzern steht bei den anstehenden Gesprächen viel auf dem Spiel. Eine vertragliche Einigung böte dem Unternehmen die Chance, den Standort kontrolliert zu bewirtschaften und die drückenden Rechtsrisiken aufzulösen, anstatt langwierige internationale Streitverfahren auszufechten.
Verhaltene Beruhigung am Aktienmarkt
An den Handelsplätzen reagierten die Anleger verhalten optimistisch auf die Signale aus Panama-Stadt. Gestern stieg die Aktie von First Quantum Minerals um 3,6 Prozent auf einen Schlusskurs von 25,39 Euro.
Präsident Mulino prüft die Empfehlungen der Kommission, reiste jedoch zu Wochenbeginn nach Asien. Ohne seine formelle Freigabe für offizielle Verhandlungen bleibt die Zukunft von Cobre Panamá vorerst in der Schwebe.
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