Technischer Fortschritt trifft auf leere Kassen. Während Evraz im Bergbau Effizienzrekorde feiert, gehen Aktionäre bei der Gewinnbeteiligung vorerst leer aus. Der Konzern hat die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 offiziell gestrichen.
Fokus auf Liquidität
Die Entscheidung reiht sich in einen breiten Branchentrend ein. In der russischen Schwerindustrie hat die Sicherung von Liquidität derzeit oberste Priorität. Große Wettbewerber wie Norilsk Nickel oder Severstal wählten zuletzt bereits einen identischen Weg.
Das Management will Schulden abbauen und Kapital für schwierige Phasen reservieren. Ein abkühlendes wirtschaftliches Umfeld lässt wenig Spielraum für Ausschüttungen. Vorrang hat die finanzielle Stabilität der Gruppe.
Effizienz als Überlebensstrategie
Um die sinkenden Margen abzufangen, treibt Evraz technische Innovationen voran. Im Anreicherungswerk Abagurskaya zeigten Tests mit neuen „Sharmax“-Mahlkugeln deutliche Einsparungen. Diese bestehen aus einer speziellen hochkohlenstoffhaltigen Stahllegierung.
Der Verbrauch dieser Mahlkörper sank um 27 Prozent. Parallel dazu verbrauchte die Anlage acht Prozent weniger Energie. Die gesamte Produktivität der Fabrik kletterte im gleichen Schritt um 6,35 Prozent.
Der wirtschaftliche Vorteil dieser Umstellung liegt bei über 50 Millionen Rubel pro Jahr. Evraz produziert jährlich bereits über 350.000 Tonnen dieser Mahlkugeln selbst. Damit reduziert der Konzern seine Abhängigkeit von externen Lieferanten im Bergbausektor.
Krisenstimmung im Stahlsektor
Die operativen Erfolge sind bitter nötig. Die russische Stahlbranche bereitet sich auf einen deutlichen Nachfragerückgang vor. Experten erwarten für das kommende Jahr ein Minus zwischen sieben und neun Prozent.
Der Aktienmarkt spiegelt diese Sorgen bereits wider. Der MOEX Russia Index rutschte kürzlich auf ein Drei-Jahres-Tief. Vor allem Bergbau- und Energietitel belasteten das Barometer schwer.
Andere Branchengrößen reagieren bereits mit radikalen Kürzungen. Severstal plant, sein Investitionsbudget für das Jahr 2027 im Vergleich zu 2026 um fast ein Viertel zu senken. Der Kostendruck auf die gesamte Industrie bleibt in den kommenden Monaten massiv.
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