Der niederösterreichische Energieversorger Evn stellt die Weichen für die kommenden Jahre auf planmäßiges Wachstum und höhere Ausschüttungen an die Anteilseigner. Auf einer Investorenveranstaltung präsentierte der Konzern seine mittelfristigen Finanzziele bis zum Ende des Jahrzehnts.
Parallel dazu hob das Management die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 an. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei einem Kurs von 28,85 Euro.
Netzausbau und Erneuerbare im Investitionsfokus
Bis zum Jahr 2030 plant das Unternehmen jährliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Schwerpunkte dieser Mittelverwendung sind die Stromnetze, erneuerbare Energien, Großbatteriespeicher sowie die Trinkwasserversorgung und Ladeinfrastruktur. Rund 80 Prozent des gesamten Investitionsvolumens sollen direkt in Niederösterreich verbleiben.
Die hohe Investitionstätigkeit spiegelt sich bereits in den operativen Fortschritten wider. Allein in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 flossen mehr als 0,5 Milliarden Euro in Sachanlagen und Netzinfrastruktur. Ziel des Managements bleibt dabei eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von durchschnittlich über sechs Prozent.
Angehobene Gewinnprognose und sinkende Verschuldung
Die operative Entwicklung verschafft dem Versorger mit einem Börsenwert von 5,12 Milliarden Euro finanziellen Spielraum. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 kletterte das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 4,9 Prozent auf 748,5 Millionen Euro. Das Konzernergebnis stieg im selben Zeitraum um 20,8 Prozent auf 525,1 Millionen Euro, begünstigt auch durch Einmaleffekte.
Infolge dieses Geschäftsverlaufs passte der Vorstand die Jahresprognose nach oben an. Für das Gesamtjahr 2025/26 rechnet EVN nun mit einem Konzernergebnis in der Spanne von 470 bis 490 Millionen Euro, nachdem zuvor 430 bis 480 Millionen Euro avisiert worden waren.
Die Bonität stützt sich zudem auf den laufenden Schuldenabbau. Bis zum 30. Juni 2026 sank die Nettoverschuldung auf 942,2 Millionen Euro, verglichen mit 1,156 Milliarden Euro zum Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres. Moody’s bewertet den Konzern unverändert mit der Einstufung A1, während Scope ein Rating von A+ vergibt.
Dividendenpläne treffen auf politische Kritik
Bis zum Geschäftsjahr 2029/30 strebt EVN ein Ergebnis aus dem laufenden Geschäft von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro an. Die Aktionäre sollen an dieser Entwicklung direkt teilhaben.
Nach einer Ausschüttung von 0,90 Euro je Aktie für 2024/25 sieht die Dividendenpolitik vor, diesen Wert als jährliche Mindestmarke beizubehalten. Bis 2029/30 soll der Betrag schrittweise auf mindestens 1,10 Euro je Aktie steigen, bei einer Ziel-Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent.
Die angekündigte Erhöhung sorgt jedoch für politische Kontroversen im Heimatmarkt. Das Land Niederösterreich hält eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an dem Energieunternehmen. Die SPÖ-Energiesprecherin Kerstin Suchan-Mayr forderte gestern Preisnachlässe bei Strom und Gas für Endkunden anstelle höherer Ausschüttungen.
EVN argumentiert hingegen, dass verlässliche Dividenden und wirtschaftliche Solidität die Voraussetzung seien, um die anstehenden Milliardeninvestitionen in die Versorgungssicherheit langfristig stabil zu finanzieren.
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