Ein Festlegungsentwurf der Bundesnetzagentur hat der E.ON-Aktie am Freitag den größten Kurseinbruch seit Wochen beschert. Die Behörde schlägt für die fünfte Regulierungsperiode der Gasnetze von 2028 bis 2032 einen Eigenkapitalzinssatz von 3,76 Prozent vor. Das liegt deutlich unter den Markterwartungen, die zwischen 4,5 und 5,5 Prozent lagen. Anleger reagierten prompt: Die Aktie schloss am Freitag bei 17,58 Euro, ein Minus von 4,5 Prozent im Tagesverlauf.
Für E.ON ist die Höhe des WACC keine Nebensache. Als Netzbetreiber hängt die Rendite maßgeblich von diesem regulatorisch festgelegten Zinssatz ab. Fällt er niedriger aus als erwartet, sinkt die Ertragsperspektive im Netzgeschäft für die kommenden Jahre spürbar – unabhängig davon, wie gut das operative Geschäft aktuell läuft.
Solide Halbjahreszahlen, aber überschattet
Genau das war eigentlich der Fall. Am Mittwoch hatte E.ON seinen Zwischenbericht zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt. Das bereinigte Konzern-EBITDA stieg um 1 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, der bereinigte Konzernüberschuss legte um 5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu.
Das Management bestätigte die Jahresprognose 2026 mit einem bereinigten EBITDA von 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro und einem bereinigten Konzernüberschuss von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro.
Bei den Investitionen zeigte sich eine Delle: Wetterbedingte Verzögerungen sorgten dafür, dass im ersten Halbjahr 3,0 Milliarden Euro investiert wurden statt der 3,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Am Ziel, im Gesamtjahr rund 8,7 Milliarden Euro zu investieren, hielt das Unternehmen jedoch fest. Diese eigentlich unauffälligen Zahlen gerieten durch den Regulierungsentwurf zwei Tage später vollständig in den Hintergrund.
Analysten reagieren unterschiedlich auf den Zinsentwurf
Die Reaktionen der Analysehäuser auf den WACC-Entwurf fielen am Freitag gemischt aus. Jefferies-Analyst Ahmed Farman bestätigte zwar die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 22,70 Euro, warnte jedoch, dass der Entwurf eine niedrigere tatsächliche Eigenkapitalrendite im Stromgeschäft von E.ON impliziere, als bislang in den Bewertungsmodellen unterstellt wurde.
Barclays-Analyst Peter Crampton hob sein Kursziel dagegen von 19,00 auf 20,00 Euro an, beließ die Einstufung aber bei „Equal Weight“. Begründet wurde die Anhebung mit der soliden operativen Entwicklung und der Einbeziehung des übernommenen britischen Energieanbieters OVO in das Bewertungsmodell.
Kurstechnisches Bild bleibt angeschlagen
Der Ausverkauf hat Spuren in der Kursstruktur hinterlassen. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 18,64 Euro notiert die Aktie mittlerweile 5,7 Prozent darunter, ein Zeichen dafür, dass sich die kurzfristige Schwäche verfestigt. Zum 52-Wochen-Hoch von 20,44 Euro, erreicht im März, fehlen inzwischen 14 Prozent.
Die nächste Gelegenheit für den Markt, das Bild neu zu bewerten, bietet sich mit der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal, die für den 11. November angekündigt ist. Bis dahin dürfte der endgültige Festlegungsbeschluss der Bundesnetzagentur zur Gasnetz-Regulierungsperiode im Fokus der Anleger bleiben, da er die Ertragsbasis von E.ON über mehrere Jahre hinweg prägen wird.
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