Nach einer Phase massiver Kursverluste und einer drastischen Korrektur der Jahresziele richtet sich der Blick bei Energiekontor nun auf die kommenden Tage. Mitte September erwartet das Unternehmen wichtige Signale aus Großbritannien.
Im Rahmen der sogenannten NESO-Grid-Reform erhofft sich der Bremer Projektentwickler konkrete Netzanschlussangebote für seine britische Projektpipeline. Diese Termine sind für die zeitliche Planung der künftigen Ertragsströme entscheidend, nachdem das Unternehmen zuletzt herbe Rückschläge bei seinen schottischen Windparkprojekten hinnehmen musste.
Drastische Prognosesenkung belastet die Bilanz
Die Stimmung der Anleger wurde im vergangenen Monat durch eine Pflichtmitteilung massiv eingetrübt. Energiekontor musste die Prognose für das Ergebnis vor Steuern (EBT) für das Gesamtjahr 2026 drastisch nach unten korrigieren. Statt der ursprünglich erwarteten 40 bis 60 Millionen Euro rechnet der Vorstand nun lediglich mit einem EBT zwischen 5 und 10 Millionen Euro.
Hauptgrund für diese Entwicklung ist ein laufendes Rechtsverfahren gegen eine Genehmigung des Netzbetreibers Scottish Power Transmission. Infolgedessen verschieben sich die geplanten Netzanschlusstermine für drei schottische Windparkprojekte von 2029 auf das Jahr 2031.
Diese operativen Verzögerungen spiegeln sich deutlich in den Zahlen für das erste Halbjahr 2026 wider. Zwar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,4 Prozent auf 99,9 Millionen Euro, doch unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 5,3 Millionen Euro hängen.
Im Vorjahr hatte Energiekontor noch einen Gewinn von 24,1 Millionen Euro ausgewiesen. Das Ergebnis je Aktie drehte entsprechend von plus 1,72 Euro auf minus 0,38 Euro.
Analysten reagieren skeptisch auf Ergebniseinbruch
Der Kapitalmarkt reagierte mit deutlicher Zurückhaltung auf die Hiobsbotschaften. Die Aktie, die am Freitag bei 25,10 Euro schloss, hat seit Jahresanfang bereits 30 Prozent an Wert verloren. Besonders schmerzhaft ist der Blick auf das 52-Wochen-Hoch vom Mai, von dem das Papier inzwischen 50 Prozent entfernt notiert.
Angesichts dieser Dynamik hatten Experten bereits vor gut drei Wochen ihre Einschätzungen angepasst. Die Analysten der DZ Bank stuften den Wert von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und senkten den fairen Wert von 59 Euro auf 27 Euro. Zeitgleich kündigte Warburg Research an, die bisherige Kaufempfehlung und das Kursziel von 77 Euro auf den Prüfstand zu stellen.
Pipeline und Projekterfolge als Hoffnungsschimmer
Trotz der aktuellen Krise treibt Energiekontor das operative Geschäft weiter voran. In Schottland konnte das Unternehmen zuletzt die Inbetriebnahme des Windparks „Pines Burn“ vermelden. Zudem gelang der Verkauf von zwei Windparkprojekten an die Stadt Elsdorf in Nordrhein-Westfalen. Ende Juni befanden sich insgesamt 20 Projekte mit einer Leistung von 609 Megawatt im Bau, wovon ein erheblicher Teil für den Eigenbestand vorgesehen ist.
Die langfristige Perspektive stützt sich auf eine prall gefüllte Pipeline. Medienberichten zufolge beläuft sich die gesicherte Projektpipeline ohne US-Rechte auf rund 11,3 Gigawatt. Davon befinden sich etwa 3,0 Gigawatt bereits in fortgeschrittenen Phasen.
Ob diese langfristigen Potenziale die kurzfristigen Belastungen durch die Netzanschlussproblematik in Großbritannien kompensieren können, werden die für Mitte September erwarteten Bestätigungen der geänderten Termine zeigen müssen.
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