Der Euro ist am Montagmorgen im asiatischen Handel auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten gefallen. Gleichzeitig kostet Brent-Rohöl weiterhin mehr als 100 Dollar je Fass, und zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren deutlich oberhalb der Marke von 5 Prozent. In dieses gemengte Umfeld startet eine Woche, in der mit dem Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung am Mittwoch sowie dem inoffiziellen Startschuss der Berichtssaison zum dritten Quartal am Freitag wichtige Weichenstellungen anstehen.
DAX erholt sich zum Wochenschluss
Für den DAX ging die vergangene Woche trotz zwischenzeitlicher Schwäche versöhnlich zu Ende. Am Donnerstag war der Index erstmals seit Juli unter die Marke von 25.000 Punkten gefallen, bevor er am Freitag mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 25.231 Punkte drehte. Unterm Strich musste der DAX in der vergangenen Woche dennoch 0,7 Prozent abgeben. Auslöser der Freitags-Erholung war eine schwache Arbeitsmarktzahl aus den USA: Im September wurden nur 29.000 neue Stellen geschaffen, Ökonomen hatten mit rund 90.000 gerechnet. Anleger werteten dies als Signal, dass die US-Notenbank ihre Zinspolitik möglicherweise langsamer strafft als bisher erwartet. Die Fed hatte den Leitzins Mitte September auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent angehoben. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung bei der nächsten Sitzung Ende Oktober ist deutlich gesunken.
An der Wall Street fiel die Wochenbilanz gemischt aus: Der Dow Jones verlor 1,3 Prozent, der S&P 500 knapp 0,3 Prozent. Der technologielastige Nasdaq legte dagegen um ein halbes Prozent zu, der Nasdaq 100 beendete den Freitag sogar auf einem neuen Rekordhoch. Die Börse bleibt damit gespalten: Technologiewerte tragen den Markt, während der Rest unter den hohen Anleiherenditen leidet. Die Landesbank Baden-Württemberg verweist in diesem Zusammenhang auf eine historische Faustregel: Steigende Anleiherenditen waren für den S&P 500 meist verkraftbar, solange die zehnjährige US-Rendite unter 5 Prozent blieb. Oberhalb dieser Schwelle hat sich der Markt historisch zwar gehalten, aber nur noch unterdurchschnittlich entwickelt.
Woche mit Signalwirkung: Fed-Protokoll, Konjunkturdaten und Investorentage
Am Mittwochabend wird das Protokoll der September-Sitzung der Fed veröffentlicht und dürfte genau gelesen werden. Die damalige Zinserhöhung fiel einstimmig aus; interessant wird, wie viele Mitglieder des Gremiums weitere Schritte im Blick hatten. Am Markt wird derzeit mit weiteren Zinserhöhungen bis Juli kommenden Jahres gerechnet – das Protokoll könnte diese Erwartung bestätigen oder infrage stellen.
Auf der Konjunkturagenda steht heute Nachmittag der ISM-Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor an, erwartet werden 55 Punkte und damit etwas weniger als im August. Am Freitag folgt das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan mit einer Prognose von 47,7 Punkten, was einen Rückgang gegenüber dem Vormonat bedeuten würde. Die Stimmung der US-Verbraucher ist bereits gedrückt: Das Barometer des Conference Boards war in der Vorwoche auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren gefallen. Aufschluss über die tatsächliche Kaufkraft könnte die zweitägige Rabattaktion liefern, die Amazon für seine Prime-Kunden ab morgen startet. Vom Ölmarkt kam am Wochenende keine Entlastung: Die sieben Kernländer der OPEC Plus beließen ihre Förderziele für November unverändert, zumal die Golfstaaten wegen gestörter Exportwege ohnehin weniger fördern.
Unternehmensseitig ist viel los: Die Deutsche Telekom stellt heute ihre KI-Strategie vor, morgen folgt der Investorentag von Marvell Technology – die Aktie des Chip-Entwicklers hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht, entsprechend hoch liegen die Erwartungen. Am Mittwoch steht der Kapitalmarkttag von Porsche an, bei dem die Sanierung des Sportwagenbauers im Fokus stehen dürfte, parallel dazu eine Microsoft-Produktveranstaltung rund um KI auf dem PC. Am Donnerstag meldet TSMC Umsatzzahlen für September und die ersten neun Monate. Bei den Quartalszahlen stehen Constellation Brands (morgen), Levi Strauss (Mittwoch), PepsiCo (Donnerstag) und Delta Airlines (Freitag) im Kalender.
Berichtssaison startet mit hohen Erwartungen auf schmalem Fundament
Mit Delta Airlines beginnt inoffiziell die Berichtssaison zum dritten Quartal – und die Erwartungen sind hoch wie seit Jahren nicht. Der Datendienstleister FactSet erwartet für die Unternehmen im S&P 500 ein Gewinnplus von 29,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, das dritte Quartal in Folge mit mehr als 25 Prozent Gewinnwachstum. Bemerkenswert ist dabei der Weg dorthin: Normalerweise senken Analysten ihre Prognosen im Laufe eines Quartals um gut 2 Prozent, diesmal wurden die Schätzungen trotz teurer Energie und steigender Zinsen angehoben. 72 Konzerne haben vorab einen Gewinnausblick über den Markterwartungen gegeben – so viele wie nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006.
Der Optimismus verteilt sich allerdings nur auf wenige Branchen: 44 der 72 positiven Ausblicke stammen aus dem Technologiesektor. Angehoben wurden die Gewinnschätzungen seit Ende Juni nur in drei von elf Sektoren – Energie, Technologie und in kleinerem Umfang Finanzwerte. In den übrigen acht Sektoren ging es abwärts, am stärksten bei Grundstoffen, Basiskonsum und Gesundheit. Im Energiesektor treibt der im dritten Quartal um rund 30 Prozent gestiegene Ölpreis die Gewinne, die sich mehr als verdoppeln sollen, bei Raffinerien sogar vervielfachen dürften. In der Technologie sind es die Halbleiter, deren Gewinne um 130 Prozent zulegen sollen – rechnet man die Chip-Branche heraus, schrumpft das Gewinnwachstum des gesamten Sektors von 65 auf gut 24 Prozent. Ähnlich verhält es sich bei den Kommunikationsdiensten, wo zwei Unternehmen, darunter Meta, wegen extrem schwacher Vorjahreswerte den Großteil des Zuwachses erklären. Zyklischer Konsum, Basiskonsum und Finanzwerte kommen dagegen nur auf Zuwächse um 3 Prozent. Die US-Gewinnmaschine läuft damit derzeit vor allem auf zwei Zylindern: Künstliche Intelligenz und Öl.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 ist von gut 20 auf 19 gesunken und liegt damit minimal unter dem Zehnjahresschnitt – günstig ist der Markt damit nicht. Ein KGV von 19 entspricht einer Gewinnrendite von über 5 Prozent; da zehnjährige US-Staatsanleihen ebenfalls oberhalb von 5 Prozent rentieren, erhalten Anleger derzeit keinen Risikoaufschlag für Aktien gegenüber Anleihen. Der Markt setzt also auf kräftiges Gewinnwachstum. Wie anspruchsvoll diese Erwartungshaltung ist, zeigte das zweite Quartal: Die meisten Unternehmen übertrafen damals die Erwartungen, wurden aber im Schnitt nur mit einem Kursplus von 0,4 Prozent belohnt, während Enttäuschungen im Schnitt 2,5 Prozent Kursverlust nach sich zogen. Für das zweite Quartal 2027 rechnen Analysten wegen der dann höheren Vergleichsbasis nur noch mit gut 2 Prozent Gewinnwachstum. Einen ersten Vorgeschmack auf die laufende Berichtssaison könnte am Freitag Delta Airlines liefern – die Fluggesellschaft steht wegen hoher Treibstoffkosten unter Druck, Analysten haben die Gewinnschätzung in den vergangenen vier Wochen um rund 10 Prozent gekappt. Richtig los geht die Berichtssaison ab dem 13. Oktober mit den großen US-Banken.
Schwacher Euro: Drei Effekte für das Depot
Ein Detail aus dem FactSet-Bericht liefert die Überleitung zum Währungsthema: Die Konzerne im S&P 500 erzielen 42 Prozent ihrer Umsätze außerhalb der USA, im Technologiesektor sind es mehr als die Hälfte. Ein starker Dollar schmälert diese Auslandserlöse bei der Umrechnung. Die Euro-Schwäche speist sich vor allem aus dem Risikothema Frankreich: Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen erreichte am Freitag den höchsten Stand seit 2011. Neu ist, dass sich die Sorge auf weitere Länder ausbreitet – so soll sich die spanische Regierung auf vorgezogene Neuwahlen vorbereiten. Hedgefonds haben den Euro im größeren Stil verkauft. Die Strategen von JP Morgan gehen davon aus, dass der Euro die Bewegung am französischen Anleihemarkt noch nicht vollständig nachvollzogen hat, und sehen ihn vor allem gegenüber Schweizer Franken und Yen als anfällig an. Hinzu kommt Rückenwind für den Dollar von der Zinsseite, sodass der Markt derzeit auf eine weitere Euro-Abschwächung ausgerichtet ist.
Für Anleger im Euroraum hat diese Entwicklung drei Seiten: Erstens werden Dollar-Anlagen in Euro gerechnet mehr wert – ein ungesicherter ETF auf den S&P 500 oder den MSCI World profitiert bei steigenden Kursen doppelt, bei fallenden Kursen federt der Dollar einen Teil der Verluste ab. Zweitens verteuert sich die Energierechnung, da Öl und Gas in Dollar bezahlt werden – steigender Ölpreis und fallender Euro wirken gemeinsam als Hebel auf die Inflation im Euroraum und erhöhen den Druck auf die EZB. Drittens trifft es den DAX selbst: Nach dem Lehrbuch hilft ein schwacher Euro Exporteuren, doch aktuell fällt die Währung, weil Investoren Europa politisch und fiskalisch weniger zutrauen – internationale Anleger mit europäischen Aktien verlieren über den Wechselkurs, was die Kauflaune dämpft. Praktisch spricht die Lage dafür, die Währungsverteilung im Depot bewusster zu betrachten; wer fast ausschließlich Euro-Anlagen hält, trägt derzeit ein stärkeres Klumpenrisiko. Investitionen in Fremdwährungen wie Dollar oder Franken sowie in Dollar notierte Sachwerte könnten eine Überlegung wert sein – wobei Bewegungen am Währungsmarkt grundsätzlich nicht von Dauer sein müssen.
Rohstoffe als Absicherung gegen fallende Aktien
Angesichts der schwierigen Lage an den Aktienmärkten stellt sich die Frage nach Absicherungsmöglichkeiten, ohne den Markt ganz zu verlassen. Das klassische Rezept, Anleihen als Gegenposition zu Aktien zu halten, hat in diesem Jahr nicht funktioniert – Anleihen zeigten positive statt negative Korrelation zu Aktien. Seit 2022 gilt: Steigen die Renditen, fallen Aktienkurse und Anleihen gleichzeitig. Der Blick richtet sich deshalb verstärkt auf Rohstoffe.
Eine Modellrechnung auf Basis von Bloomberg-Daten zeigt: Hätte ein Anleger Anfang des Jahres die Hälfte seiner Anleihen gegen einen breiten Rohstoffkorb getauscht (Aufteilung 60 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen, 20 Prozent Rohstoffe), hätte dies aus Sicht eines US-Anlegers je nach Rohstoffindex 7 bis 11 Prozent mehr Rendite gebracht, bei geringeren Schwankungen. Rohstoffe schützen ein Aktiendepot vor allem dann, wenn die Preise wegen eines knappen Angebots steigen – aktuell etwa durch die Blockade der Straße von Hormus, die Öl und Gas verteuert und damit Inflation und Zinsen treibt, was wiederum Aktien und Anleihen gleichzeitig belastet. Steigen Rohstoffpreise dagegen wegen der Nachfrage, laufen sie eher im Gleichschritt mit den Aktienmärkten. Rohstoffe wirken also als Versicherung gegen Inflations- und Angebotsschocks, gegen eine Rezession helfen sie dagegen wenig.
Wichtig für Anleger: Rohstoff-ETFs bilden in der Regel Terminkontrakte ab, die vor Verfall gegen länger laufende Kontrakte getauscht werden müssen – das sogenannte Rollen. Ist der nächste Kontrakt günstiger als der auslaufende, entsteht ein Gewinn (Backwardation), ist er teurer, kostet das Rollen Geld (Contango) – ein Zustand, der in den vergangenen 20 Jahren die meiste Zeit vorherrschte.
Zwei ETFs von iShares werden in diesem Zusammenhang genannt, beide thesaurierend, auf Swap-Basis und in Dollar notiert ohne Währungsabsicherung: Der iShares Diversified Commodity Swap folgt dem Bloomberg Commodity Index und ist breit aufgestellt mit jeweils rund 30 Prozent Energie- und Agrarrohstoffen, knapp 19 Prozent Edelmetallen und 16 Prozent Industriemetallen. Das Fondsvolumen liegt bei knapp 2,2 Milliarden Euro, die Kosten bei 0,19 Prozent pro Jahr. Der iShares Bloomberg Roll Select Commodity Swap wählt für jeden Rohstoff gezielt den Kontrakt auf der Terminkurve, bei dem der Tausch am wenigsten kostet oder am meisten einbringt. Die Kosten liegen bei 0,28 Prozent pro Jahr, das Fondsvolumen bei knapp 1,7 Milliarden Euro.
Laut JustETF hat sich der Aufpreis bislang gelohnt: Seit Jahresbeginn liegt der Roll Select ETF in Euro gerechnet rund 44 Prozent im Plus, der Standard-ETF knapp 39 Prozent. Über fünf Jahre beträgt der Abstand 94 Prozent gegenüber 72 Prozent. Beide Fonds notieren derzeit unter ihrem Jahreshoch. Ein großer Teil der Gewinne hängt an der Krise am Golf – entspannt sich die Lage dort, könnten die Rollgewinne wieder verschwinden.
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