Steigende Ölpreise, ein nervöser Gesamtmarkt und ein deutscher Rekordkonzern, der trotz starker Zahlen charttechnisch nicht vom Fleck kommt – der Markt liefert derzeit reichlich Gesprächsstoff. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Rückblick auf den Handel
Der DAX zeigte sich zuletzt robust und schloss nahezu unverändert. Damit verteidigte der deutsche Leitindex eine psychologisch wichtige Marke. Deutlich schwächer präsentierten sich die US-Börsen nach der feiertagsbedingten Pause: Der Dow Jones verlor rund 1,1 Prozent, der S&P 500 gab ebenfalls nach, auch die Nasdaq musste Verluste hinnehmen.
Auslöser für die Talfahrt in den USA war der steigende Ölpreis samt der Sorge, dass die Inflation dadurch länger hoch bleibt oder erneut angeheizt wird. Hinzu kommen ein offen ausgebrochener Handelsstreit mit Kanada sowie Anleiherenditen nahe 4,8 Prozent, die für Zurückhaltung im Markt sorgen.
Ein Lichtblick unter den Einzelwerten war Qualcomm: Nach der Ankündigung einer neuen Partnerschaft mit Amazon im Rechenzentrumsgeschäft legte die Aktie deutlich zu – ein weiteres Zeichen dafür, dass Anleger die Infrastruktur-Story rund um Künstliche Intelligenz weiter honorieren.
Ausblick auf die Woche
Zwei Termine stehen im Fokus: Morgen entscheidet die EZB über die Zinsen, wobei der Markt allgemein mit einer Anhebung um 25 Basispunkte rechnet. Besondere Aufmerksamkeit dürfte die anschließende Pressekonferenz von EZB-Chefin Christine Lagarde auf sich ziehen – Anleger werden genau darauf achten, ob es Hinweise auf eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr gibt.
Am Donnerstag folgen die US-Verbraucherpreise für August, die als letzte wichtige Vorlage vor der Sitzung der US-Notenbank am 15. und 16. September gelten. Nach dem starken Arbeitsmarktbericht der vergangenen Woche rechnet inzwischen eine knappe Mehrheit am Markt mit einer Zinsanhebung – die Wahrscheinlichkeit liegt derzeit bei rund 60 Prozent. Fallen die Preisdaten heiß aus, dürfte das die Debatte weiter befeuern.
Ölpreis auf dem Weg Richtung 100 Dollar
Die Nordseesorte Brent näherte sich am Morgen der Marke von 100 Dollar und notierte deutlich über 99 Dollar, die US-Sorte WTI lag etwas darunter. Grund ist die Eskalation im Nahen Osten: Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hat sich über das Wochenende verschärft. Nach amerikanischen Angaben zerstörte das US-Militär fünf iranische Tanker, nachdem zuvor versucht worden war, ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen zu treffen. Der Iran feuerte seinerseits Raketen ab und warnte Schiffe im Persischen Golf. Besonders beunruhigend für die Märkte sind Berichte über Explosionen in der Nähe der Insel Chark, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölausfuhr abgewickelt werden.
Ein hoher Ölpreis wirkt wie eine zusätzliche Steuer auf die gesamte Wirtschaft: Er verteuert Benzin und Diesel und schlägt sich am Ende in den Supermarktpreisen nieder. Das treibt die Inflation an und erschwert es den Notenbanken, die Zinsen zu senken. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage aus China, wo Raffinerien in den vergangenen Monaten vor allem ihre Lagerbestände abgebaut hatten. Tritt dieser große Abnehmer nun wieder stärker am Markt auf, verknappt das zusätzlich das Angebot. Die Marke von 100 Dollar muss dabei nicht das Ende der Entwicklung sein.
Gesamtmarkt: Wie viel Kraft steckt noch drin?
Der S&P 500 bewegt sich seit Anfang Juni kaum von der Stelle. Dabei hat sich die Führung im Markt verschoben: Technologiewerte sind etwas in den Hintergrund gerückt, während Gesundheit, Finanzwerte und Energie die Führung übernommen haben. Das gilt als Signal dafür, dass sich der Konjunkturzyklus von einer frühen in eine mittlere Phase bewegt und das KI-Thema zunehmend von den Ausrüstern auf die Anwender übergeht.
Auf der positiven Seite stehen die Unternehmensgewinne: Die Schätzungen für das Gewinnwachstum in diesem Jahr liegen bei 30 Prozent und mehr. Dem stehen jedoch Belastungsfaktoren wie der Ölpreis, hohe Anleiherenditen und die anstehenden US-Zwischenwahlen im November gegenüber. Manche Marktbeobachter rechnen deshalb eher mit einer Seitwärtsbewegung für den Rest des Jahres.
Bemerkenswert ist der Stand des Volatilitätsindex VIX, der sich derzeit an seinem historisch geprägten unteren Rand bewegt. Dieser Wert kann sich durch neue Impulse – positive wie negative – schnell verändern, da der VIX lediglich die erwartete Schwankungsbreite abbildet.
Siemens Energy: Rekordzahlen treffen auf Kursschwäche
Im Zentrum des heutigen Marktberichts steht Siemens Energy. Der DAX-Konzern hat im dritten Quartal starke Zahlen vorgelegt: Der Umsatz erreichte den höchsten Quartalswert der Firmengeschichte, mit einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang lag bei knapp 18 Milliarden Euro, der Auftragsbestand kletterte auf 162 Milliarden Euro – mehr als das Dreifache eines Jahresumsatzes. Der Gewinn vor Sondereffekten hat sich auf 1,6 Milliarden Euro mehr als verdreifacht, die Marge stieg auf 14,2 Prozent.
Für Rückenwind sorgte vor allem die Windkraft-Tochter Gamesa, die wieder ein positives Ergebnis erzielte. Getrieben wird Siemens Energy derzeit von zwei Bereichen: Zum einen Gas Services, angetrieben von der Nachfrage aus den USA nach Gasturbinen für Rechenzentren sowie von Kraftwerksprojekten im Nahen Osten und in Asien. Zum anderen Grid Technologies, die Netztechniksparte, deren Marge zuletzt bei fast 20 Prozent lag. Beide Bereiche profitieren vom Megatrend der Elektrifizierung.
Der freie Cashflow vor Steuern lag in den ersten neun Monaten bei rund 7,2 Milliarden Euro, für das Gesamtjahr strebt das Unternehmen etwa 8 Milliarden Euro an. Damit sollen der Ausbau der Produktion sowie ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 6 Milliarden Euro finanziert werden.
Warum die Aktie trotzdem nicht vorankommt
Trotz der starken operativen Entwicklung befindet sich die Aktie in einem Abwärtstrend, unterstützt in einem tieferen Kursbereich. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die guten Nachrichten bereits zu einem großen Teil im Kurs eingepreist waren.
Zwei strategische Weichenstellungen könnten künftig für Bewegung sorgen: Zum einen der Übergang zu einer eigenen Marke namens „Omterra“, der die Identität des Unternehmens stärken soll. Zum anderen die geplante Verselbstständigung der Sparte „Transformation of Industry“, die das Industriegeschäft mit Dampfturbinen, Kompressoren und Elektrolyseuren umfasst und entkonsolidiert werden soll. Hier könnten stille Reserven sichtbar werden.
Ob die Marke von 200 Euro fällt, hängt von der Abspaltung, der weiteren Wende bei Gamesa sowie der Margenentwicklung ab – mittelfristig gilt das als denkbar, zumal die jüngsten Quartalszahlen bereits über dem bisherigen Unternehmenspfad liegen.
Unterm Strich gilt: Siemens Energy positioniert sich mit vollem Auftragsbuch und gefüllter Kasse an einer zentralen Stelle im Energiesystem. Die Aktie wird derzeit als Halteposition eingeordnet, neue Käufe könnten erst bei einem charttechnischen Ausbruch nach oben eine Rolle spielen.
DAX-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue DAX-Analyse vom 11. September liefert die Antwort:
Die neusten DAX-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für DAX-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
