DAX: Zwischen Angst und Gleichmut

Der DAX zeigt sich trotz geopolitischer Spannungen und erwarteter EZB-Zinserhöhung erstaunlich stabil. Experten rätseln über die Gelassenheit der Anleger.

Auf einen Blick:
  • DAX notiert stabil bei 24.200 Punkten
  • EZB plant erste Zinserhöhung seit 2023
  • Nahost-Konflikt löst keine Panikverkäufe aus
  • Charttechnisch im Niemandsland unter 24.764 Punkten

Der DAX hält sich, obwohl das Umfeld alles andere als beruhigend ist. Krieg im Nahen Osten, steigende Ölpreise, ein drohender EZB-Zinsschritt — und der Index notiert nahezu unverändert um die 24.200 Punkte. Kein Wunder, dass Beobachter rätseln, warum die Nerven der Marktteilnehmer so stabil bleiben.

EZB hebt erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen an

Der größte Tagesordnungspunkt ist die EZB-Ratssitzung. Experten erwarten eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent — die erste Änderung seit einem Jahr und die erste Erhöhung überhaupt seit September 2023. Ausgelöst hat den Kurswechsel vor allem der starke Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Konflikts. Der Iran hat die Straße von Hormus für gesperrt erklärt, was die Ölpreise antreibt und Inflationsbefürchtungen neu entfacht.

Citigroup rechnet damit, dass weniger der heutige Schritt als vielmehr die Signale für die weiteren Monate im Fokus stehen werden. Die US-Bank hält an ihrer Erwartung fest, dass im Juli eine zweite Erhöhung folgen könnte.

Nahost-Eskalation — aber kaum Panikverkäufe

Militärisch eskaliert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Washington bestätigte Angriffe auf iranische Militärziele, Teheran reagierte mit Vergeltungsschlägen gegen US-Stützpunkte und Verbündete in der Region. Marktbeobachter wie Thomas Altmann von QC Partners glauben dennoch nicht an eine dauerhafte Ausweitung. Die Begründung: Trump wolle sich zum Start der Fußball-WM als Friedenspräsident präsentieren.

Das spiegelt sich auch in der Stimmung institutioneller Investoren wider. Der Deutsche Börse Sentiment-Index stieg im Wochenvergleich um 20 Punkte auf minus 11 — vor allem weil ehemalige Pessimisten Gewinne aus Short-Positionen mitnahmen und auf Long drehten. Gleichzeitig aber — und das ist der entscheidende Haken — konnte der DAX trotz dieser Rückkäufe keinen Boden gutmachen. Ein nennenswerter Puffer an der Unterseite hat sich damit verringert.

Technisch im Niemandsland

Charttechnisch liegt der Index nach einer Korrektur von knapp drei Wochen — vom lokalen Hoch bei 25.445 Punkten bis auf ein Tief bei 24.038 Punkten — am unteren Bollinger-Band. Die erste nennenswerte Hürde nach oben liegt beim 20-Tage-Durchschnitt bei 24.764 Punkten. Wird diese Marke nachhaltig überwunden, könnte eine Kurslücke bei 25.058 Punkten geschlossen werden.

Vom Allzeithoch bei 25.507 Punkten aus dem Januar ist der DAX derzeit gut 5 Prozent entfernt. Solange geopolitische und geldpolitische Unsicherheiten das Bild bestimmen, bleibt der Weg nach oben kurz und steinig. Das nächste klare Signal liefert heute die EZB-Pressekonferenz — vor allem die Aussagen zur künftigen Zinsentwicklung dürften entscheidender sein als der Schritt selbst.

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