Ölpreis und DAX unter Druck
Über dem Ölmarkt liegt weiterhin der Schatten des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Ein Barrel Brent kostet wieder mehr als 97 Dollar. Der DAX hatte am gestrigen Handelstag, der wegen des Labor Day in den USA ruhiger verlief, zunächst die Marke von 26.000 Punkten zurückerobert, gab am Ende aber 0,15 % auf 26.006 Punkte ab und blieb damit knapp über der psychologisch wichtigen Schwelle. Am Freitag drehte der Index bereits an der 21-Tage-Linie ab, einem kurzfristigen technischen Trendindikator. Am heutigen Morgen zeigt sich im Chart erneut etwas Druck, vor allem getrieben durch die Entwicklung der Ölpreise.
Positiv fiel gestern die Entwicklung der Halbleitertitel auf. Im Sog starker Kursgewinne bei Samsung und SK Hynix in Südkorea sprang Infineon mit einem Plus von rund 3 % an die DAX-Spitze, unterstützt durch eine positive Studie von Warburg Research. Auch Elmos, Aixtron, Süss MicroTec und Siltronic zogen mit.
Im weiteren Wochenverlauf richtet sich der Blick auf zwei Termine: Am Donnerstag entscheidet die EZB über eine mögliche Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 2,5 %, was derzeit dem Marktkonsens entspricht. Nach den starken US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag geht inzwischen eine Mehrheit der Analysten davon aus, dass auch die FED in der kommenden Woche die Zinsen anheben wird. Die Inflationsdaten am kommenden Freitag könnten dafür die entscheidende Vorlage liefern. Höhere Zinsen machen festverzinsliche Papiere attraktiver und belasten damit die Bewertungen von Aktien.
Wenn die Käufer fehlen: Aktienrückkäufe vor der Pause
Ein zentrales Thema an den Märkten ist derzeit die Frage, was passiert, wenn eine der verlässlichsten Nachfragequellen für einige Wochen leiser wird: die Aktienrückkäufe der Unternehmen. Kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück und vernichtet sie, verteilt sich der Gewinn auf weniger verbleibende Papiere – jede Aktie repräsentiert damit einen größeren Anteil am Unternehmen. Weil diese Käufe unabhängig von der Tagesstimmung erfolgen, wirken sie häufig wie ein konstanter Puffer unterhalb der Kurse.
Der Broker Citadel Securities hat berechnet, dass bis Ende August mehr als 1,1 Billionen Dollar an angekündigten Rückkaufprogrammen in wieder geöffneten Handelsfenstern an den Markt zurückgekehrt sind – eine Summe, die die amerikanische Sommererholung mitgetragen hat. Bemerkenswert: 67 % der größten in diesem Jahr genehmigten Programme stammten nicht aus dem Technologiesektor.
Vor der Vorlage von Quartalszahlen gelten für Unternehmen sogenannte Blackout-Perioden, in denen sie wegen ihres Informationsvorsprungs keine eigenen Aktien kaufen dürfen. Laut Citadel beschleunigen sich diese Sperrfristen ab etwa dem 12. September deutlich. Im Vorfeld der Zahlen zum dritten Quartal wird damit eine der größten Quellen struktureller Nachfrage Woche für Woche kleiner. Unternehmen werden während der Blackout-Perioden nicht automatisch zu Verkäufern, sie stellen lediglich zusätzliche Käufe ein – das Sicherheitsnetz wird jedoch dünner.
Gleichzeitig schwächelt saisonal ein zweiter wichtiger Käufer: der Privatanleger. Citadel stellte fest, dass die durchschnittlichen Netto-Käufe von Privatanlegern an schwachen S&P-500-Tagen im September historisch nur etwa halb so hoch ausfallen wie im Rest des Jahres. Hinzu kommen systematische Investoren, die regelbasiert und oft volatilitätsgesteuert agieren. Nach dem Ausverkauf im Juli haben diese Adressen ihre Positionen bereits schrittweise wieder aufgebaut – ein Großteil ihrer Kaufkraft ist damit bereits eingesetzt und steht bei der nächsten Marktschwäche nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung.
Der Vermögensverwalter Neuberger Berman hat ermittelt, dass Unternehmen im S&P 500 in den zwölf Monaten bis Juni dieses Jahres einen Rekordwert von gut einer Billion Dollar an eigenen Aktien zurückgekauft haben. Dabei verschiebt sich die Zusammensetzung der Käufer: Der marginale Käufer amerikanischer Aktien ist heute zyklischer und kreditempfindlicher als früher. Während Rückkäufe von Technologiekonzernen aus gewaltigem freien Cashflow als verlässlich gelten, hängen Rückkäufe etwa von Banken stärker an Faktoren wie Quartalsergebnissen, Kreditausfällen oder Kapitalanforderungen, die schneller kippen können. Keiner dieser Faktoren allein garantiert eine Korrektur – in der Summe bedeutet die Entwicklung jedoch, dass bei einer unangenehmen Überraschung von der Makroseite in den kommenden Wochen weniger automatische Käufer bereitstehen, um Verkäufe abzufedern.
BMW: Günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr
Auch ein deutscher Klassiker steht im Fokus: BMW. Die in Europa gehandelte Aktie hat in diesem Jahr rund 35 % verloren und notiert bei etwa 62 Euro – ein Bewertungsniveau, das es seit zehn Jahren nicht mehr gegeben hat. Auslöser des Kursrückgangs ist die Schwäche im chinesischen Automarkt. BMW hatte im Juni eine Gewinnwarnung ausgesprochen, ausgelöst durch die Schwäche der chinesischen Autoverkäufe. Die operative Marge im Automobilgeschäft dürfte in diesem Jahr auf nur ein bis drei Prozent fallen, der Gewinn je Aktie soll um rund 40 % einbrechen.
Dem steht eine robuste Bilanz gegenüber. Das Kernautomobilgeschäft sitzt auf einem hohen Netto-Bargeldbestand, was einem deutlichen Cash-Anteil je Aktie entspricht. Rechnet man Finanzanlagen und die Finanzsparte hinzu, ergibt sich ein Substanzwert von rund 100 Euro je Aktie. Aktuell wird BMW deutlich unter dem historischen Durchschnitt beim erwarteten Gewinn und deutlich unter Buchwert gehandelt.
Der Konzern arbeitet an Kosteneinsparungen, und die kostenintensive Investitionsphase für die neue Elektroplattform „Neue Klasse“ gilt als überschritten. Schon heute kauft BMW in signifikantem Umfang eigene Aktien zurück. Auf dem Kapitalmarkttag Ende September könnten weitere Neuigkeiten folgen, etwa eine Anhebung der Ausschüttungsquote auf 40 bis 50 %.
Polen: Aufstieg zum entwickelten Markt
Der Blick richtet sich zudem nach Osteuropa: Der Indexanbieter S&P Dow Jones Indizes hat Polen von einem Schwellenland zu einer entwickelten Volkswirtschaft hochgestuft. Damit wandern polnische Aktien künftig in Indizes, die als weniger riskant gelten. Die tatsächliche Umstellung greift zwar erst im September 2027, doch bereits in den kommenden Monaten dürfte mehr Investorengeld nach Polen fließen.
Der bekannteste Weg, in den Markt zu investieren, führt über den iShares MSCI Poland. Dieser ETF hat in den vergangenen drei Jahren die Wertentwicklung des amerikanischen S&P 500 mehr als verdoppelt. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für den polnischen Markt liegt derzeit bei 11,7 – das entspricht 57 % der Bewertung des S&P 500.
Die Fundamentaldaten gelten als stark, gestützt durch zwei Sonderfaktoren: den möglichen Wiederaufbau der Ukraine und die anlaufenden EU-Gelder aus dem Wiederaufbaufonds. Als interessante Branchen gelten die Videospieleindustrie mit Unternehmen wie CD Projekt Red und Playway sowie die Warschauer Börse selbst. Wer breit auf den polnischen Markt setzen möchte, kann dies über eine ETF-Lösung wie den unter der WKN A1H5UP gehandelten Fonds tun. Da es sich um eine Wette auf eine einzelne Volkswirtschaft handelt, wird ein Engagement in Polen eher als Beimischung und nicht als Kerninvestment eingeordnet.
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