Der Iran-Krieg hält den Ölmarkt im Griff, und davon profitiert ein Konzern wie Chevron zunächst einmal. Brent notiert klar über der Marke von 100 Dollar. Ein Ende der Preisrally ist nicht in Sicht, wie neue Einschätzungen zeigen.
Diplomatie kommt nicht voran
Die Positionen zwischen Washington und Teheran liegen weit auseinander. Die USA wollen früh über das iranische Atomprogramm sprechen. Teheran stellt dagegen die Wiederöffnung der Straße von Hormus und die Sicherheit des Schiffsverkehrs nach vorn.
BMI-Chefökonom Cedric Chehab rechnet deshalb erst bis Ende des ersten Quartals 2027 mit einem möglichen Abkommen. Bis dahin dürfte Brent über 100 Dollar je Barrel bleiben. Goldman Sachs fällt weniger hoch aus: Die Bank hob ihre Brent-Prognose für Dezember auf 90 Dollar an, zuvor waren es 85 Dollar. Sie sieht einen Risikoaufschlag von gut 20 Dollar je Barrel.
Die Lage vor Ort bleibt angespannt. Zum Wochenstart legte Brent auf rund 105 Dollar zu, nachdem die Huthis ihre Angriffe auf Saudi-Arabien ausgeweitet hatten und zwei Tanker attackiert worden waren. Beim Flughafen von Riad starben 13 Menschen. US-Präsident Donald Trump erwägt, sich an saudischen Schlägen gegen die Huthis zu beteiligen.
Wirths Warnung vor dünnen Puffern
Chevron-Chef Mike Wirth warnte zuletzt vor schrumpfenden Puffern bei Öl und Kraftstoffen. Das passt ins Bild: Diesel kostet in den USA rund 70 Prozent mehr als vor Kriegsbeginn. Kurz vor den Midterms am 3. November versucht die Regierung, zusätzliches Angebot an den Markt zu bringen, etwa über koordinierte Freigaben aus den Notreserven.
Deutschland will bis zu 15 Millionen Barrel beisteuern, die Internationale Energieagentur beschleunigt weitere Freigaben. Allerdings werden die Reserven damit dünner. Je länger ein Abkommen ausbleibt, desto schwerer lässt sich der Preisdruck allein mit Entnahmen dämpfen.
Operativ bleibt Chevron zudem ein Thema im Golf von Mexiko. Nach dem Hurrikan Isaias arbeitet der Konzern gemeinsam mit Shell und BP daran, Personal zurückzubringen und die Produktion auf den Plattformen wieder hochzufahren.
Ausblick
Die Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine, die Trump verkündet hat, sorgte zeitweise für nachgebende Preise. Der Gegenwind aus dem Nahen Osten überwiegt aber bislang. Für Chevron bleibt der Termin am 3. November ein Fixpunkt: Bis zu den Midterms dürfte der politische Druck auf zusätzliche Angebotsmaßnahmen weiter wachsen.
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