Donald Trump attackiert Chevron und Exxon in ungewöhnlich scharfem Ton – ausgerechnet wegen der besten Zahlen seit Jahren. Der US-Präsident wirft beiden Ölkonzernen vor, während des Iran-Konflikts „zu viel Geld“ verdient zu haben, und fordert von Chevron-Chef Mike Wirth in einem Fox-Interview eine sofortige Senkung der Benzinpreise. Die Aktie reagierte am Montag mit einem Rückgang von 1,71 Prozent auf einen Schlusskurs von 167,78 Euro – ein Kontrast zu den Geschäftszahlen, die Chevron am selben Tag präsentiert hatte.
Gewinn vervierfacht, Dividende steigt
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Chevron einen Umsatz von 70,06 Milliarden Dollar, ein Plus von rund 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Nettoeinkommen kletterte auf 12,07 Milliarden Dollar und übertraf damit den Vorjahreswert um rund das Vierfache. Der Gewinn je Aktie lag bei 6,06 Dollar und schlug den Analystenkonsens von 5,55 Dollar deutlich. Das Upstream-Geschäft verdreifachte seinen Gewinn auf 8,2 Milliarden Dollar, das Downstream-Segment sprang von 737 Millionen auf 4,9 Milliarden Dollar. Chevron fördert inzwischen 4,07 Millionen Barreläquivalente pro Tag, in den USA allein einen Rekordwert von 2,08 Millionen Barreläquivalenten. Die Dividende steigt auf 1,78 Dollar je Aktie, zahlbar am 10. September.
Der Konzern erreichte zudem sein Sparziel aus der Hess-Übernahme von 1,5 Milliarden Dollar sechs Monate früher als geplant. Aktienrückkäufe von 3 Milliarden Dollar, Dividendenzahlungen von 3,5 Milliarden Dollar und ein Schuldenabbau von 0,4 Milliarden Dollar rundeten das Quartal ab. Als Anerkennung zahlte Chevron seinen Mitarbeitern einen Sonderbonus in Höhe eines halben Monatsgehalts. CEO Mike Wirth lobte die Kostensenkungen und die Hess-Synergien und bezeichnete die Ergebnisse als „außergewöhnlich für ein solches Jahr“.
Analysten heben Kursziele an
Die starken Zahlen ließen mehrere Analysehäuser ihre Kursziele anheben. Bernstein erhöhte sein Kursziel von 204 auf 209 Dollar bei der Einstufung „Market Perform“. Goldman Sachs bestätigte „Buy“ bei 216 Dollar, Bank of America „Buy“ bei 227 Dollar und Morgan Stanley „Overweight“ bei 210 Dollar. Im Durchschnitt liegt das Kursziel der Analysten bei 207,26 Dollar, verteilt auf 18 Kauf-, sechs Halte- und eine Verkaufsempfehlung. Trotz dieser positiven Einschätzungen bleibt die Aktie unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 187,32 Euro, das sie im März markierte – aktuell beträgt der Abstand dazu 10,43 Prozent.
Politisch bleibt die Lage für Chevron heikel. Trump verweist in seiner Kritik auf den durchschnittlichen US-Benzinpreis von 4,10 Dollar pro Gallone, ein Anstieg von rund 40 Prozent seit Beginn des Iran-Konflikts. Gleichzeitig fielen die Ölpreise zuletzt deutlich, nachdem Trump Signale für Verhandlungen mit Iran gesendet hatte – Brent verlor rund fünf Prozent. Die US-Energiebehörde EIA erwartet für das dritte Quartal einen Rückgang der Benzinpreise um etwa 41 Cent je Gallone auf unter 3,80 Dollar, im vierten Quartal auf rund 3,40 Dollar.
Ausblick bleibt von Politik überschattet
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Operativ liefert Chevron das stärkste Quartal seit Jahren, während der Konzern gleichzeitig unter politischem Druck steht und mit dem Irak über Exportrouten für das Ölfeld West Qurna 2 verhandelt, um die Straße von Hormus zu umgehen. Charttechnisch notiert die Aktie derzeit rund 5,8 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 158,52 Euro, was auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend hindeutet. Ob die politische Kritik an Chevron über verbale Attacken hinausgeht, dürfte für die weitere Kursentwicklung mindestens so entscheidend sein wie die operativen Erfolge des Konzerns.
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