Zwei Konfliktherde bestimmen gerade das Geschäft von Chevron – und beide könnten den Ölpreis in unterschiedliche Richtungen treiben. Während neue Kampfhandlungen zwischen den USA und Iran die Sorge vor Lieferausfällen aus dem Nahen Osten anheizen, arbeitet Chevron parallel an einem milliardenschweren Comeback in Venezuela.
Nahost-Eskalation treibt Ölpreis
Nach dem ersten direkten Schlagabtausch zwischen den USA und Iran seit einem Monat drohte Präsident Trump am Montag mit weiteren Angriffen. Die Ölmärkte reagierten prompt: Brent-Rohöl kletterte in der Spitze auf ein Sechs-Tage-Hoch, WTI zog ebenfalls kräftig an.
Grund ist die Furcht vor iranischen Vergeltungsschlägen gegen Energieinfrastruktur am Golf und vor einer möglichen Blockade der Straße von Hormus, durch die früher rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung lief.
Die Zahl der täglich durch die Meerenge fahrenden Handelsschiffe war zuletzt auf nur noch fünf gesunken. Vermittlungsversuche von Katar und Oman, die Route wieder zu öffnen, blieben bislang ohne Ergebnis. Ein Tanker meldete am Dienstag sogar einen Beschuss durch drei Projektile beim Auslaufen aus der Straße – ohne Verletzte oder Umweltschäden.
Für Chevron ist das ambivalent: Höhere Ölpreise stützen die Erlöse aus dem Fördergeschäft, gleichzeitig steigt das operative Risiko in einer Region, in der Sicherheit für Lieferketten kaum noch garantiert werden kann.
Venezuela: Finale Verträge in Sichtweite
Während im Nahen Osten die Spannungen steigen, rückt in Venezuela ein anderes Kapitel für Chevron seiner Fertigstellung entgegen. Nach monatelangen Verhandlungen stehen Chevron, GE Vernova, die indische ONGC, Italiens Eni und die kolumbianische GeoPark kurz davor, finale Abkommen zur Ausweitung ihrer Energieprojekte im Land zu unterzeichnen – möglicherweise noch in dieser Woche.
Für Chevron dreht sich das Geschäft um zwei konkrete Vorhaben: Der Konzern will einen zusätzlichen Block im Orinoco-Gürtel sichern, um ein bestehendes Gemeinschaftsprojekt mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA auszubauen.
Parallel verhandelt Chevron über ein Gebiet in Monagas North, das als wichtige Quelle für Verdünnungsmittel für die Förderung von Schweröl dienen könnte. Ein Insider bezeichnete die geplanten Vereinbarungen als „von erheblicher Größenordnung“.
Diese Einzelabkommen laufen getrennt von dem in der Vorwoche verkündeten Großpakt zwischen Washington und Caracas, der den USA einen Zugriff auf 17 Ölfelder mit rund 64 Milliarden Barrel nachgewiesenen Reserven sichern soll – ein Fünftel der gesamten venezolanischen Ölreserven.
Die Felder im Orinoco-Gürtel und am Maracaibo-See sollen langfristig bis zu 1,5 Millionen Barrel pro Tag liefern und damit Venezuelas aktuelle Förderung von 1,25 Millionen Barrel mehr als verdoppeln.
Präsident Trump bestätigte zudem, dass auch ExxonMobil in Venezuela einsteigen will – ein bemerkenswerter Kurswechsel, nachdem der Rivale das Land vor rund zwei Jahrzehnten nach Verstaatlichungen verlassen hatte.
Für Chevron verdichten sich damit zwei Fronten zu einer Geschichte: geopolitisches Risiko im Nahen Osten trifft auf neue Wachstumschancen in Südamerika. Die US-Notreserve, nahe einem 44-Jahres-Tief, dürfte die Nachfrage nach zusätzlichen Barrel-Mengen aus Venezuela in den kommenden Monaten zusätzlich befeuern.
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