Bei Centrus Energy verschärft sich der Druck auf die Bewertung. Am Freitag senkten zwei Analysehäuser ihre Kursziele, ohne ihre neutralen Einstufungen zu ändern. Damit stehen vorsichtigere Erwartungen am Kapitalmarkt neben der Unternehmensprognose, dass die Übernahme von Westerman bereits im ersten Jahr den bereinigten Gewinn je Aktie erhöhen soll.
Niedrigere Ziele trotz unveränderter Einstufungen
Medienberichten zufolge reduzierte UBS-Analyst Jon Windham am Freitag sein Kursziel von 185 $ auf 120 $. Die Einstufung beließ er bei „Halten“. Die Korrektur betrifft damit den erwarteten Kurswert, nicht die grundsätzliche Anlageempfehlung.
Auch die zweite Herabsetzung brachte keinen Wechsel der Empfehlung. Das ist für die Einordnung wichtig: Niedrigere Kursziele sind nicht automatisch Verkaufsempfehlungen. Sie signalisieren hier aber geringere Erwartungen an das Kurspotenzial.
Barclays senkte am Freitag das Ziel von 207 $ auf 150 $ und bestätigte „Equal-Weight“, also eine marktneutrale Gewichtung. Centrus beendete den Handelstag bei 91,60 €; die Häufung der Zielsenkungen lässt sich allerdings nicht als alleinige Ursache der Kursschwäche belegen.
Bereits am Dienstag hatten Medienberichte auf Profitabilitätssorgen und ein überarbeitetes Ergebnismodell verwiesen. Am Donnerstag folgte eine weitere Zielsenkung wegen höherer Zinsen und schwächerer Stimmung für Wachstumsanlagen mit langfristigem Ertragshorizont. Die Fundamentaldaten für Kernbrennstoffe wurden dabei weiterhin positiv beurteilt.
Westerman soll den Gewinnbeitrag stärken
Den vorsichtigeren Bewertungen steht eine konkrete Investition gegenüber. Centrus teilte am 19. Oktober den vollzogenen Erwerb von Westerman Holdings mit. Verkäufer war Ventura Trust als Treuhänder des Westerman Employee Stock Ownership Trust.
Der Kaufpreis beträgt rund 116 Millionen $. Davon entfallen etwa 95 Millionen $ auf Barmittel und 21 Millionen $ auf Eigenkapital.
Westerman fertigt Zentrifugengehäuse und weitere Komponenten für Centrus. Mit dem Zukauf holt das Unternehmen damit einen Zulieferer ins Haus. Zusätzlich kommen Fertigungsumsätze aus dem Industriegeschäft sowie dem Öl- und Gassektor hinzu.
Centrus erwartet, dass die Transaktion schon im ersten Jahr nach Abschluss positiv zum bereinigten Gewinn je Aktie beiträgt. Das ist eine Prognose, kein bereits ausgewiesener Ergebnisbeitrag.
Anlegerkonferenz als nächster Prüfpunkt
Die angekündigte Anlegerkonferenz am 5. November um 8:30 Uhr ET bietet den nächsten Termin für Erläuterungen des Unternehmens. Für Anleger ist dabei vor allem das Verhältnis zwischen erwarteter Ergebnisverbesserung und den vorsichtigeren Bewertungsannahmen relevant.
Die jüngsten Analystenaktionen stellen die erwarteten Vorteile des Zukaufs nicht ausdrücklich infrage. Sie zeigen aber, dass ein positiver Übernahmeausblick allein die Bedenken zu Profitabilität, Zinsen und Bewertung bislang nicht ausräumt. Genau daran muss sich die weitere Kommunikation von Centrus messen lassen.
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