Cameco hat am Dienstag mit seinen Quartalszahlen für Enttäuschung gesorgt. Trotz historisch hoher Uranpreise blieb der Gewinn hinter den Erwartungen zurück, und die Anleger reagierten prompt: An der Toronto Stock Exchange fiel die Aktie um 4,02 Prozent auf 120,98 kanadische Dollar. Im deutschen Handel notiert das Papier zuletzt bei 79,62 Euro, ein Plus von 2,10 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 77,98 Euro – auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 6,59 Prozent zu Buche.
Produktion leidet unter Brückeneinsturz, Cigar Lake läuft wieder
Der Gewinnrückgang hat einen konkreten operativen Hintergrund: Die attributable Produktion im ersten Halbjahr 2026 lag bei 10,1 Millionen Pfund U3O8 und damit fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Ursache war ein Brückeneinsturz im Mai, der den Betrieb zeitweise beeinträchtigte. Immerhin konnte Cameco die Förderung am Schlüsselstandort Cigar Lake im Juli wieder aufnehmen. Am Jahresziel von 17,5 bis 18 Millionen Pfund U3O8 für 2026 hält das Unternehmen unverändert fest.
Der Kontrast zur Marktlage macht die Zahlen umso auffälliger. Der Uran-Spotpreis kletterte im ersten Halbjahr um 25 Prozent auf 86,83 US-Dollar pro Pfund. Auch der kasachische Wettbewerber Kazatomprom profitierte davon und steigerte seine Produktion im gleichen Zeitraum um 9 Prozent auf 13,29 Tausend Tonnen Uran, drosselte aber gleichzeitig seine Verkaufsmenge und senkte die geplante Nennkapazität. Für Cameco bedeutet das branchenweite Preisumfeld: Selbst ein operatives Rückschlagsjahr fällt in einem Markt mit derart hohen Notierungen weniger dramatisch aus, als es die Produktionszahlen allein vermuten lassen.
Analysten sehen weiterhin deutliches Potenzial
Trotz des enttäuschenden Ergebnisses bleibt die Kurszielspanne der Analysten ambitioniert. Das durchschnittliche Kursziel von 179,65 kanadischen Dollar liegt rund 48,5 Prozent über dem aktuellen Niveau an der Toronto Stock Exchange. Getragen wird dieser Optimismus von der strukturellen Nachfragesituation in den USA: Der jährliche Uranbedarf liegt dort laut Angaben der US-Energiebehörde bei 50 Millionen Pfund, während die heimische Produktion 2025 lediglich 2,1 Millionen Pfund erreichte. Mehr als 95 Prozent des Bedarfs müssen importiert werden. Zehn neue Westinghouse-Reaktoren könnten allein in den ersten zehn Betriebsjahren bis zu 75 Millionen Pfund U3O8 zusätzlich verschlingen – eine Versorgungslücke, die Cameco als etablierter Produzent zu schließen versucht.
Westinghouse strebt an die Börse, Board-Wechsel bei Cameco
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte am Dienstag die Nachricht, dass Westinghouse Electric, an dem Cameco beteiligt ist, vertraulich einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC angemeldet hat. Laut Mining Journal stehen Aktienzahl und Preisspanne noch nicht fest. Ein erfolgreicher Börsengang von Westinghouse könnte die Rolle des Reaktorbauers innerhalb der Cameco-Gruppe stärker sichtbar machen, gerade angesichts der geplanten neuen US-Reaktorflotte.
Parallel dazu gab Cameco einen personellen Wechsel im Aufsichtsgremium bekannt: Dominique Minière verlässt nach rund drei Jahren den Board. Er hatte den Vorsitz des Safety, Health and Environment Committee innegehabt.
Institutionelle Investoren bauen Positionen aus
Auf der Investorenseite zeigt sich unterdessen reges Interesse an der Aktie. Norges Bank stieg im ersten Quartal mit einer neuen Position im Wert von rund 443 Millionen US-Dollar ein, während Janus Henderson seinen Bestand um mehr als das Doppelte auf 155.427 Aktien aufstockte. Auch Marshall Wace erhöhte sein Engagement deutlich. Institutionelle Anleger halten inzwischen mehr als 70 Prozent der ausstehenden Aktien – ein Zeichen dafür, dass große Adressen trotz der schwächeren Quartalszahlen langfristig auf die strukturelle Uran-Story setzen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: Kurzfristig belasten operative Störungen und ein verfehlter Gewinn die Stimmung, während der Preisrahmen am Uranmarkt und die geplante Reaktorexpansion in den USA das langfristige Argument für Cameco stützen. Die erhöhte Volatilität von knapp 40 Prozent auf Monatssicht dürfte die Aktie kurzfristig weiter schwankungsanfällig halten.
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