Zwei ruhige Nächte reichen aus, um Ölhändlern neue Zuversicht zu geben – auch wenn die eigentliche Gefahrenzone weiterhin gesperrt bleibt. Brent Crude gab zuletzt auf 91,68 Dollar nach, ein Minus von 3,88 Prozent. Der Rückgang spiegelt die Hoffnung auf einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen Iran und den USA wider, doch die Lage an der Straße von Hormus zeigt: Entwarnung ist verfrüht.
Waffenruhe mit Fragezeichen
Nach zwei Wochen nächtlicher US-Angriffe hat Washington die Offensive überraschend ausgesetzt. Weder Iran noch die USA griffen in den vergangenen zwei Nächten an. Ein hochrangiger iranischer Vertreter bestätigte, Teheran werde seine eigenen Angriffe einstellen, solange auch die USA pausieren – halte sich aber bereit, im Falle neuer US-Schläge breit zurückzuschlagen. Die Stimmung in Teheran bleibt jedoch skeptisch: Man wertet die Pause eher als taktisches Manöver denn als echten Kurswechsel.
Genau diese Unsicherheit erklärt, warum der Preisrückgang zwar Erleichterung signalisiert, aber keine Entwarnung. Die entscheidenden Streitpunkte zwischen beiden Seiten sind weiterhin ungelöst.
Hormus bleibt das eigentliche Nadelöhr
Während die Waffen schweigen, hat der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nach eigenen Angaben weiter eingeschränkt. Iranische Revolutionsgarden sollen sechs Handelsschiffe an der Durchfahrt gehindert haben. Nach Angaben iranischer Nachrichtenagenturen überwacht die Marine ein Seegebiet von rund 240.000 Quadratkilometern – etwa zwei Drittel der Fläche Deutschlands. Versuche des US-Militärs, Schiffe umzuleiten, würden mit Warnschüssen beantwortet, betroffene Schiffe mussten demnach umkehren.
Der iranische Außenamtssprecher wies Berichte über Einschränkungen zwar zurück und verwies auf Gespräche mit Oman. Parallel dazu meldeten iranische Medien jedoch eine Explosion an Bord eines Öltankers in der Meerenge, ausgelöst durch eine Seemine, nachdem das Schiff offenbar von der vorgeschriebenen Route abgewichen war. Genauere Angaben zu dem Vorfall blieben aus.
Hinzu kommt ein zweiter Krisenherd: Die mit Iran verbündeten Houthi-Rebellen im Jemen hatten in der vergangenen Woche eine Blockade gegen saudische Ölexporte im Roten Meer verhängt und griffen dort erstmals seit Jahren Ölanlagen an. Diese Eskalation hatte Brent zuvor über die Marke von 100 Dollar getrieben – der höchste Stand seit Mai.
Für die kommenden Tage bleibt die Straße von Hormus der entscheidende Gradmesser. Solange dort Schiffe zur Umkehr gezwungen werden, dürfte jede Entspannung an der Waffenfront nur bedingt Wirkung auf den Ölpreis entfalten.
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