Die Eskalation zwischen den USA und Iran treibt den Ölpreis weiter nach oben — und zieht mittlerweile ganze Volkswirtschaften in Mitleidenschaft. Nachdem Präsident Donald Trump Irans Vorschlag zur Beilegung des inzwischen sieben Monate andauernden Konflikts und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zurückgewiesen hat, zog Brent Crude um 1,3 Prozent an. Kurz zuvor hatte der Preis bereits die Marke von 100 Dollar je Barrel überschritten, in der Spitze wurden fast 110 Dollar erreicht.
Anleger in Lateinamerika reagieren nervös. Der MSCI-Index für lateinamerikanische Währungen fiel auf ein Zweimonatstief, der zugehörige Aktienindex rutschte auf den niedrigsten Stand seit über einem Monat. Hinzu kommt Gegenwind von der Zinsseite: Nach der jüngsten Zinserhöhung der Federal Reserve bleiben die US-Anleiherenditen erhöht, weitere Zinsschritte werden erwartet. Höhere Renditen locken Kapital in Dollar-Anlagen — zulasten der Schwellenländer.
Regierungen greifen zu Subventionen
Der Preisschub hat längst die Fiskalpolitik erreicht. Die Zahl der Länder mit Kraftstoffsubventionen hat sich seit Anfang Mai auf 38 mehr als verdoppelt. Insgesamt 57 Regierungen haben mittlerweile Energiesteuern gesenkt, 94 Staaten bieten inzwischen irgendeine Form von Verbraucherunterstützung an.
Konkrete Beispiele häufen sich: Frankreich verlängerte am Freitag eine eigentlich auslaufende Förderung für Vielfahrer. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte „sehr bald“ Vorschläge zur Entlastung von Autofahrern an.
In den USA erreichten die Dieselpreise am Freitag knapp 6,45 Dollar je Gallone — ein Anstieg von 70 Prozent seit den Angriffen auf Iran Ende Februar. Trump brachte eine Aussetzung der Bundessteuer auf Benzin ins Gespräch, benötigt dafür aber die Zustimmung des Kongresses.
Die Kehrseite dieser Interventionen zeigt sich an den Anleihemärkten. Die US-Staatsanleihen-Renditen erreichten in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit 2007, befeuert von steigender Inflation und restriktiverer Notenbankpolitik. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte bereits vor dem „deutlichen Anstieg“ der Staatsanleihenrenditen und mahnte Mitgliedstaaten zu einer vorsichtigen Fiskalpolitik.
Der Ölpreis bleibt damit an der Schnittstelle zweier Krisen: einem ungelösten Nahost-Konflikt ohne Anzeichen einer Deeskalation und einer Geldpolitik, die Regierungen gleichzeitig zwingt, ihre Subventionsausgaben zu rechtfertigen. Wie lange sich beide Belastungen gegenseitig verstärken, hängt maßgeblich davon ab, ob sich an der Situation rund um die Straße von Hormus in den kommenden Wochen etwas bewegt.
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