Wer wissen will, wie sich der KI-Boom in Beton, Stahl und Bilanzen übersetzt, kommt an Bloom Energy kaum vorbei. Der kalifornische Brennstoffzellen-Hersteller liefert seit Monaten den Beweis, dass Rechenzentren Strom brauchen – viel Strom, und zwar schnell. Doch die Geschichte hat eine zweite Seite: Je größer die Wachstumsstory, desto lauter die Fragen nach ihrer Substanz. Genau an diesem Punkt steht die Aktie heute.
Der Rekordumsatz und die Wette auf Rechenzentren
Am 28. Juli meldete Bloom Energy einen Quartalsumsatz von 1,065 Milliarden Dollar – ein Plus von 165,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erstmals überhaupt die Marke von einer Milliarde Dollar in einem einzelnen Quartal. Das Unternehmen zog seine Jahresprognose kräftig nach oben: Der Umsatz soll 2026 nun zwischen 3,9 und 4,2 Milliarden Dollar liegen, die bereinigte operative Gewinnspanne auf 800 bis 900 Millionen Dollar steigen. Die non-GAAP-Bruttomarge kletterte im zweiten Quartal auf 34,3 Prozent, getragen von einer Produktmarge von 37,2 Prozent. Nach einer Recherche des Portals The Motley Fool wuchs zudem der Auftragsbestand weiter, wobei allein der servicebezogene Anteil auf rund 14 Milliarden Dollar geschätzt wird – ein Einnahmestrom, der eher an eine Rente erinnert als an klassisches Projektgeschäft.
Der eigentliche Treiber bleibt aber die Partnerschaft mit Brookfield. Ende Juni erweiterte der Investor sein Engagement in der gemeinsamen KI-Infrastruktur-Initiative auf 25 Milliarden Dollar – eine Verfünffachung der ursprünglichen Zusage von 5 Milliarden Dollar. Wenn Rechenzentren nicht auf das überlastete Stromnetz warten wollen, sind Brennstoffzellen plötzlich keine Nische mehr, sondern Infrastruktur.
Skepsis wächst: Scandium und Sammelklagen
Genau hier setzt der Gegenwind an. Anfang Juli veröffentlichte Hunterbrook Media eine Recherche, die dem Unternehmen vorwarf, trotz gegenteiliger Aussagen des Managements auf chinesisches Scandium angewiesen zu sein – die Aktie verlor an jenem Tag 5,7 Prozent. Die Sache blieb nicht folgenlos: Die Kanzlei Levi & Korsinsky erinnerte gestern an die Frist zum 28. September für eine Sammelklage, die Bloom Energy vorwirft, fälschlich behauptet zu haben, die Lieferkette habe keine wesentliche China-Exponierung. Eine zweite Klage, verbreitet über PR Newswire, geht noch weiter und behauptet, das Unternehmen habe Scandium über Zwischenhändler bezogen, die wiederum aus China beliefert wurden – im Widerspruch zu öffentlichen Zusicherungen.
Parallel dazu trennten sich Insider von Anteilen. Ein mit einem Direktor verbundenes Investmentvehikel verkaufte Anfang August 15.000 Aktien im Rahmen eines automatisierten Handelsplans, Aufsichtsratsmitglied John T. Chambers meldete den geplanten Verkauf von 15.000 Aktien im Wert von rund 3,08 Millionen Dollar. Beides folgt formalen Regeln und ist für sich genommen kein Alarmsignal – in Kombination mit den Klagen wirft es dennoch die Frage auf, wie belastbar die Wachstumsstory tatsächlich ist, wenn man genauer hinschaut.
Analysten uneins zwischen 176 und 314 Dollar
Die Reaktion der Wall Street nach den Quartalszahlen fiel gespalten aus. JPMorgan senkte sein Kursziel zwar leicht auf 314 von 346 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Overweight – die grundsätzlich positive Haltung blieb also erhalten. Barclays dagegen erhöhte sein Ziel deutlich auf 276 von 254 Dollar, stufte die Aktie jedoch nur mit Equal Weight ein, was eher nach vorsichtiger Anerkennung als nach Überzeugung klingt. Dazwischen bewegten sich Morgan Stanley mit 310 Dollar und UBS mit 300 Dollar, während Wells Fargo die Coverage mit gerade 176 Dollar und Equal Weight aufnahm – die größte Spanne markiert damit einen Graben zwischen Optimisten und Skeptikern.
An der Börse in Deutschland notiert das Papier heute bei 208,50 Euro und legt um 2,71 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Hoch trennen die Aktie noch 32,41 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie viel Euphorie bereits wieder aus dem Kurs gewichen ist, seit die China-Vorwürfe die Debatte prägen. Zwischen Milliardenaufträgen und Milliardenklagen entscheidet sich hier gerade, ob Bloom Energy zum Symbol der KI-Energiewende wird – oder zur Warnung, wie schnell Lieferketten-Fragen eine Wachstumsstory einholen können.
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