BKW hat sich vom neuen 12-Monats-Tief erholt, das die Aktie am Donnerstag markiert hatte. Auslöser für die Gegenbewegung waren nicht Quartalszahlen, sondern eine Reihe strategischer Ankündigungen aus dem Energiegeschäft, die das Unternehmen in dieser Woche vorgestellt hat.
Deutliche Preissenkung für 2027 angekündigt
Der Energiekonzern kündigte eine spürbare Senkung der Strompreise in der Grundversorgung für das Jahr 2027 an. Ein Rückgang der Energietarife um rund 29 Prozent gleicht dabei den Anstieg der Netznutzungstarife von 5,9 Prozent mehr als aus. Für einen Standardhaushalt ergibt sich daraus eine Entlastung von rund 7,6 Prozent.
Die Ankündigung folgt auf das Inkrafttreten neuer regulatorischer Rahmenbedingungen für dynamische Netznutzungstarife in der Schweiz zu Beginn des Monats, die von der ElCom festgelegt wurden und die Basis für die aktuellen Produktinnovationen bilden.
Parallel dazu präsentierte BKW den neuen dynamischen Tarif „Sonne scheint“, der ab 2027 eingeführt werden soll. Kunden mit Smart Metern erhalten damit Rabatte auf ihren Strombezug an sonnigen Nachmittagen – ein Anreiz, um Photovoltaik-Überschüsse besser im Netz zu nutzen. Beide Maßnahmen zeigen, wie BKW sein Grundversorgungsgeschäft an die wachsende Bedeutung dezentraler Solarerzeugung anpasst.
Batteriespeicher und Netzausbau als weitere Bausteine
Im Speichergeschäft meldete sich BKW über einen Umweg zu Wort: Im Zuge eines neuen Projektabschlusses zwischen Zelestra und Centrica Energy wurde bekannt, dass BKW bereits im Rahmen einer im September 2025 geschlossenen Tolling-Vereinbarung die Kapazitäten des 300-Megawattstunden-Batteriespeichers in Hilgermissen in Niedersachsen vollständig vermarktet hat. Der Speicher zählt damit zu den größeren Bausteinen im Flexibilitätsportfolio des Unternehmens.
Zudem meldeten BKW und der Netzbetreiber Swissgrid gemeinsam einen Meilenstein beim Ausbau der Netzinfrastruktur zur Integration erneuerbarer Energien. Der Netzausbau ist eine Voraussetzung dafür, dass Modelle wie der dynamische Solartarif überhaupt in der Breite funktionieren können – ohne ausreichende Netzkapazität liefen Anreize zur Lastverschiebung ins Leere.
Kurs bleibt unter Druck, Anleger blicken auf Jahresverlauf
Trotz der Nachrichtenflut bleibt die Kursentwicklung angespannt. Die Aktie notiert aktuell bei 139,60 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 138,90 Euro, das erst am Donnerstag erreicht wurde.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 198,20 Euro, notiert am 23. Oktober vergangenen Jahres, beträgt weiterhin 30 Prozent. Seit Jahresanfang steht ein Kursverlust von 23 Prozent zu Buche.
Die jüngsten Ankündigungen zu Tarifen und Speicherkapazitäten ändern an diesem Bild kurzfristig wenig, liefern aber Hinweise auf die strategische Ausrichtung des Konzerns: BKW setzt zunehmend auf flexible, dezentrale Energieprodukte und auf die Vermarktung von Speicherkapazitäten als Ergänzung zum klassischen Versorgungsgeschäft.
Ob sich diese Weichenstellungen in der Kursentwicklung niederschlagen, dürfte sich erst zeigen, wenn belastbare Geschäftszahlen zu den neuen Geschäftsfeldern vorliegen.
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