Bitcoin und Gold bewegen sich derzeit so eng im Gleichlauf wie nie zuvor. Der 90-Tage-Korrelationskoeffizient beider Anlagen erreichte ein Allzeithoch, der 30-Tage-Wert kletterte auf 0,8 — den höchsten Stand des Jahres.
Für ein Asset von der Größe Bitcoins ist das eine bemerkenswerte Verschiebung, denn über weite Strecken des Jahres 2026 lief die Korrelation eher in die andere Richtung: Bitcoin fiel mit Aktien und Gold, profitierte aber selten von deren Anstiegen.
Getrieben wird die Entwicklung von der sogenannten Debasement-These. Die Grundannahme: Der Dollar und andere staatlich gedeckte Vermögenswerte verlieren an Wert, Anleger suchen Schutz in harten Assets.
Ausgelöst wurde die jüngste Welle durch die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent Mitte August, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln — von 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation.
Die Folge waren sinkende Realrenditen und ein schwächerer Dollar, was zinslose Wertspeicher wie Gold und Bitcoin attraktiver macht. Tether-CEO Paolo Ardoino brachte die Logik Ende August auf den Punkt: Bitcoin plus Gold als Absicherung gegen den Untergang.
Historisches Muster als Frühindikator
Ähnliche Korrelationsspitzen gab es bereits im vierten Quartal 2020 und im vierten Quartal 2022 — beide Male folgte eine kräftige Rally, sobald sich Bitcoin wieder von Gold entkoppelte. 2020 stieg Bitcoin um 172 Prozent, nachdem die Korrelation von 0,6 zurückgegangen war. 2022 folgte nach einem Anstieg von 0 auf 0,5 eine Rally von fast 350 Prozent binnen 14 Monaten.
Sollte sich das Muster wiederholen, wäre die Entkopplung von Gold das eigentliche Signal für den nächsten Bullenmarkt — nicht die aktuelle Gleichlauf-Phase selbst.
Der Fear-and-Greed-Index, der die Marktstimmung misst, steht derzeit bei 68 und damit im „gierigen“ Bereich, nach einem Jahrestief von 5. Die Spanne von 69 Punkten zwischen Tief und Hoch reicht damit an sechster Stelle der vergangenen neun Jahre — 2019 markierte mit einer Spanne von 90 Punkten den Extremwert. Trotz der scharfen Stimmungswende fehlt es dem Markt bislang an der Volatilität, die für einen Topbildung typisch wäre.
Fed-Rhetorik bremst die Euphorie
Ganz ungetrübt verlief die Woche nicht. Fed-Chef Kevin Warsh dämpfte die Stimmung mit seiner Rede in Jackson Hole am 28. August, als er erklärte, die zugrunde liegende Inflation habe sich nicht spürbar gebessert. Vor allem der Goldpreis gab daraufhin nach.
Bitcoin bewegt sich derzeit um die 78.000 Dollar und kämpft weiter um einen nachhaltigen Ausbruch über die 80.000-Dollar-Marke — das Wochenhoch von 81.257 Dollar vom 26. August blieb bislang der einzige Ausreißer.
Bei den Spot-ETFs endete zudem eine neuntägige Zuflussserie: Nach rund 3 Milliarden Dollar an addierten Zuflüssen verzeichneten US-Bitcoin-ETFs einen Tagesabfluss von 201,9 Millionen Dollar, während Ethereum-, XRP- und Solana-Produkte zusammen 145 Millionen Dollar einsammelten. Ob es sich um eine kurzfristige Rotation oder eine echte Verschiebung institutionellen Kapitals handelt, lässt sich an einem einzelnen Tag nicht ablesen.
Die kommende Woche liefert die nächsten Testpunkte: Am 3. September stehen die ADP-Beschäftigungsdaten an, am 5. September die offiziellen Nonfarm Payrolls. Beide Werte wirken direkt auf die September-Zinserwartungen, die nach Warshs Auftritt bei über 57 Prozent liegen — und damit auf die Frage, ob die Debasement-These und die enge Bindung an Gold weiter tragen.
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