Während Gold-ETFs längst wieder auf altem Niveau stehen, hinkt Bitcoin bei der Kapitalrückkehr hinterher. Genau darin sehen Analysten von JPMorgan jetzt eine Chance statt ein Problem.
Short-Positionen als verstecktes Kaufpotenzial
Nach der Fed-Sitzung Ende Juli erlebten sowohl Bitcoin- als auch Gold-ETFs neue Zuflüsse. Anleger kehrten zum sogenannten Debasement Trade zurück — der Wette auf Sachwerte als Schutz vor einer schleichenden Entwertung klassischer Währungen. In der vergangenen Woche verlor diese Bewegung jedoch an Kraft, begünstigt durch steigende inflationsbereinigte Anleiherenditen und den gescheiterten Clarity Act im US-Senat.
Der Unterschied zwischen beiden Anlageklassen zeigt sich deutlich in den Zahlen: Gold-ETFs haben sämtliche Abflüsse seit Jahresbeginn wieder ausgeglichen, Bitcoin-ETFs erst etwa die Hälfte. Beim iShares Bitcoin Trust von BlackRock liegt das Short Interest weiterhin nahe dem Jahreshoch, während es beim SPDR Gold Shares ETF unter dem historischen Durchschnitt notiert.
Für JPMorgan ist genau diese defensive Positionierung der interessante Punkt. Sollten institutionelle Investoren ihre Absicherungsgeschäfte zurückfahren, müssten entsprechende Short-Positionen aufgelöst werden — ein Effekt, der dem Bitcoin-Kurs zusätzlichen Schub geben könnte, sobald sich die Nachrichtenlage für Kryptowerte verbessert.
Der Rest des Marktes bleibt zurück
Der Blick auf die vergangenen zwei Jahre unterstreicht, wie einsam Bitcoin an der Spitze steht. Während die Kryptowährung in diesem Zeitraum zulegte, verlor der mittelgroße Altcoin-Markt im Median rund drei Viertel seines Wertes. Ethereum bewegte sich weitgehend seitwärts — ein deutlicher Bruch mit dem klassischen „Altseason“-Muster, bei dem Kapital in der Rally-Reifephase von Bitcoin in kleinere Token abwandert.
Auch beim Risiko zeigt sich die Konzentration: Bitcoin trägt Futures-Positionen von nur rund zwei Prozent seiner Marktkapitalisierung, während spekulative Kleinstwerte wie PEPE auf fast 24 Prozent kommen. Die Spekulation hat sich also in den riskantesten Marktnischen gesammelt, während die vermeintlich sicherste Kryptowährung die Kursarbeit übernommen hat.
Bei den Spot-ETF-Zuflüssen bleibt das Bild ähnlich einseitig. Bitcoin-Fonds haben kumuliert rund 55,2 Milliarden Dollar eingesammelt, Ethereum-Produkte kommen auf etwa 13,1 Milliarden Dollar und verzeichneten zuletzt mehrere Tage mit Abflüssen. Solana-ETFs, noch jung am Markt, liegen bei knapp 29,7 Millionen Dollar.
Ob sich die Rotation zugunsten kleinerer Token nun dreht, bleibt offen. Kurzfristig hatten Solana und andere Werte bei einer jüngsten Erholung nach einer dovishen Fed-Prognose sogar stärker zugelegt als Bitcoin selbst — ein erster Hinweis auf mehr Marktbreite, nachdem diese über weite Strecken des vergangenen Jahres gefehlt hatte.
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