Der angeschlagene Agrar- und Energiekonzern BayWa treibt seine Restrukturierung voran und veräußert Unternehmensteile. Wie heute bekannt wurde, übernimmt der österreichische Energieversorger EVN die BayWa Mobility Charging GmbH (BMC) zu 100 Prozent.
Die Tochtergesellschaft war bislang Teil der BayWa Mobility Solutions, die sich derzeit in einem Restrukturierungsverfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) befindet.
Restrukturierung führt zu Veräußerung von Ladepunkten
Der Verkauf umfasst das deutsche Schnellladenetz der Gruppe. Aktuell betreibt das Unternehmen 30 Standorte mit insgesamt 170 Ladepunkten, die vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen.
Diese High-Power-Charging-Stationen (HPC) erreichen Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt. Für die kommenden Jahre ist bereits ein deutlicher Ausbau vorgesehen: Bis 2027 soll das Netz unter der neuen Führung auf 54 Standorte mit 306 Ladepunkten anwachsen.
Für den Käufer EVN stellt die Übernahme den Einstieg in den deutschen Lademarkt dar. Stefan Szyszkowitz, Vorstand der EVN, bezeichnete die Elektromobilität als zentralen Baustein der Unternehmensstrategie. Der Zukauf stärke die Position in einem der wichtigsten europäischen Märkte.
EVN betreibt in Österreich bereits mehr als 3.800 öffentliche Ladepunkte und plant bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 100 Millionen Euro in diesen Sektor. Ein Kaufpreis für die deutsche Tochtergesellschaft der BayWa wurde nicht veröffentlicht.
Marktreaktion und Abgrenzung zum Baumarktgeschäft
An der Börse wird die Nachricht mit deutlichen Kursabschlägen quittiert. Die Aktie der BayWa notiert heute bei 8,52 € und verliert damit -10 %. Seit Jahresanfang summiert sich der Rückgang des Papiers damit auf insgesamt -49 %.
Die Anleger reagieren empfindlich auf die fortschreitende Verkleinerung des Konzernportfolios im Zuge der Sanierungsbemühungen, während das Marktumfeld für Elektromobilität in Deutschland durch sinkende Absatzzahlen belastet bleibt.
Parallel zu den Konzernnachrichten sorgten Medienberichte über Filialschließungen im Einzelhandel für Verunsicherung. So droht einem Standort in Mering das Aus, nachdem dort bereits Kündigungen ausgesprochen wurden. Für Investoren der BayWa ist hierbei jedoch eine strikte Unterscheidung wichtig: Die betroffenen Bau- und Gartenmärkte gehören nicht zur börsennotierten Aktiengesellschaft.
Die BayWa hatte dieses Geschäftsfeld bereits vor Jahren an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe verkauft. Die Märkte nutzen den Namen lediglich im Rahmen einer Lizenzvereinbarung. Die operativen Probleme und Insolvenzen in diesem Bereich betreffen somit ein eigenständiges Familienunternehmen und keine Konzernmaßnahmen der BayWa.
Fokus auf Kernbereiche inmitten der Branchenkrise
Die Veräußerung der Mobilitätssparte ordnet sich in ein schwieriges Marktumfeld für deutsche Unternehmen ein. Während der Einzelhandel im Juli den stärksten realen Umsatzeinbruch seit fünf Jahren verzeichnete, kämpfen auch große Industriekonzerne wie Volkswagen mit massiven Sparzwängen.
In diesem Kontext versucht die BayWa, durch den Verkauf von Randaktivitäten ihre finanzielle Basis zu stabilisieren und die Forderungen der Gläubiger im Rahmen des Sanierungsprozesses zu bedienen.
Die weitere Entwicklung des Konzerns hängt nun maßgeblich davon ab, inwieweit die laufende Restrukturierung die hohen Schuldenlasten senken kann. Da das Sanierungskonzept bereits vor über einem Monat als Grundlage fixiert wurde, gilt der aktuelle Verkauf von BMC als ein operativer Schritt in der Umsetzung dieses Fahrplans.
Das Unternehmen fokussiert sich damit zusehends auf seine traditionellen Kernfelder, während kapitalintensive Wachstumsprojekte in der Infrastruktur abgegeben werden.
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