Der Rhein macht BASF zu schaffen. Wegen anhaltenden Niedrigwassers musste der Chemiekonzern Mitte August erste Anlagen am Stammsitz in Ludwigshafen drosseln und Lieferungen kürzen.
Der Fluss ist für BASF eine zentrale Transportader – über ihn kommen Rohstoffe an, über ihn gehen Produkte hinaus. Sinkt der Pegel zu weit, wird der Schiffsverkehr eingeschränkt, und der Konzern muss auf andere, teurere Transportwege ausweichen oder die Produktion selbst zurückfahren.
Für Anleger ist das kein neues Phänomen, aber ein wiederkehrendes Risiko, das die Kostenstruktur am größten Werksstandort belastet. Ludwigshafen ist das Herzstück des BASF-Verbundsystems, in dem Anlagen eng miteinander verzahnt sind – Engpässe an einer Stelle wirken sich schnell auf nachgelagerte Produktionsschritte aus.
Expansion in Asien als Gegengewicht
Während in Ludwigshafen gedrosselt wird, expandiert BASF anderswo. Am 18. August eröffnete der Konzern in Mumbai ein neues Performance Lab für Windeln und Superabsorber.
Das Labor soll die Entwicklung von Hygieneprodukten für den indischen und asiatischen Markt vorantreiben – ein Schritt, der die strategische Ausrichtung auf wachstumsstarke Regionen außerhalb Europas unterstreicht, während der europäische Kernstandort mit strukturellen Standortfragen ringt.
Diese Gegenläufigkeit – Rückzug bei Kapazitäten in Deutschland auf der einen Seite, Aufbau neuer Kompetenzzentren in Asien auf der anderen – prägt seit Monaten das Bild des Konzerns.
BASF baut sein Portfolio um: Das Coatings-Geschäft ging bereits vor gut einem Monat an Carlyle, für das Silikatgeschäft liegt seit Mai eine Verkaufsvereinbarung mit PQ Corporation vor, deren Abschluss für die zweite Jahreshälfte erwartet wird.
Zugleich bereitet der Konzern nach Berichten des Handelsblatts einen Börsengang der Agrarchemie-Sparte für 2027 vor, für den Finanzkreise eine Bewertung zwischen 20 und 30 Milliarden Euro veranschlagen.
Kurs bleibt in der Nähe des Jahreshochs
An der Börse zeigt sich der Konzern von den operativen Reibungsverlusten am Rhein bislang unbeeindruckt. Die Aktie schloss am Freitag bei 53,33 Euro und notiert damit nur noch 3,1 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, das am 14. April erreicht wurde.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 20 Prozent zu Buche – ein Kursverlauf, der die laufenden Portfolioumbauten und das laufende Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro offenbar honoriert.
Der Rückkauf, den der Vorstand Ende Juli beschlossen hatte und der bis Ende April 2027 laufen soll, flankiert die Kapitalrückführung an die Aktionäre neben der für 2025 auf 2,25 Euro je Aktie stabil gehaltenen Dividende.
Zusammen mit den Erlösen aus dem Coatings-Verkauf, aus dem BASF einen Zahlungsmittelzufluss von rund 5,8 Milliarden Euro vor Steuern erzielte, verschafft sich der Konzern finanziellen Spielraum, um Standortrisiken wie das Niedrigwasser am Rhein abzufedern und gleichzeitig in neue Wachstumsfelder wie das Mumbai-Labor zu investieren.
Für die Investoren bleibt die Rechnung ambivalent: Kurzfristige Produktionsausfälle in Ludwigshafen kosten Marge, während der Konzernumbau – Verkäufe, Rückkäufe, ein möglicher Agrar-Börsengang – die langfristige Bewertung stützen soll. Wie stark das Rhein-Niedrigwasser die Ergebnisse im laufenden Quartal tatsächlich belastet, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
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