Das Gold-Silber-Verhältnis fiel diese Woche unter die Marke von 70 — ein Signal, das Silberanleger seit Monaten herbeigesehnt hatten. Während Gold bei rund 4.067 Dollar je Unze auf der Stelle tritt, steuert Silber auf die 59-Dollar-Marke zu. Für die fünf großen Minenwerte des Sektors bedeutet diese Verschiebung höchst unterschiedliche Wochen: Barrick investiert frisches Kapital in Exploration, Newmont kämpft mit charttechnischem Gegenwind, First Majestic entrümpelt sein Portfolio, Pan American bekommt widersprüchliche Analystensignale und Hecla schwankt zwischen Silberrally und Zielkürzung.
Barrick Mining: Frisches Kapital für den Golden Triangle
Barrick hat sich in eine Kupfer-Gold-Wette im Golden Triangle in British Columbia eingekauft. Für rund 20,9 Millionen kanadische Dollar zeichnet der Konzern Einheiten von Kingfisher Metals und hält danach knapp zehn Prozent der Aktien auf nicht verwässerter Basis. Ein technisches Komitee soll die Zusammenarbeit begleiten, zusätzlich stellt Barrick technische Unterstützung für die kommenden Bohrsaisons am Highway-37-Projekt bereit. Der Abschluss wird noch für diesen Monat erwartet.
Die Analystenstimmung hat sich zuletzt eingetrübt. JPMorgan senkte sein Kursziel auf 50 Dollar, Barclays auf 39 Dollar und Scotiabank auf 57 Dollar. Trotzdem bleibt das Konsens-Bild mit „Moderate Buy“ und einem Durchschnittsziel von etwa 53,85 Dollar konstruktiv.
Operativ liefert Barrick, was die Kürzungen relativiert. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 stieg um 67 Prozent auf 5,22 Milliarden Dollar, der Nettogewinn kletterte auf 1,60 Milliarden Dollar. Die Goldproduktion von 719.000 Unzen übertraf die eigene Prognose deutlich, während der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu drei Milliarden Dollar genehmigte. Die Aktie selbst zeigt sich davon zuletzt beeindruckt: Nach einem Kursplus von 4,06 Prozent am Dienstag notiert Barrick bei 51,06 kanadischen Dollar, bleibt damit aber gut zehn Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und rund 31 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 74 Dollar.
Newmont Mining: Charttechnischer Nachzügler vor der Berichtssaison
Newmont hat sich zum Sorgenkind des Sektors entwickelt. Die Aktie rutschte im vergangenen Monat unter ihren gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, ein „Death Cross“ Anfang Juli verstärkte das bärische Bild. Verantwortlich sind vor allem geopolitische Unsicherheit und sinkende Produktionsprognosen: Für 2026 rechnet der Konzern mit rund 5,26 Millionen Unzen Gold, deutlich weniger als im Vorjahr, während die All-in-Sustaining-Kosten von 1.358 auf 1.680 Dollar pro Unze steigen sollen.
Trotz der charttechnischen Schäden bleiben mehrere Banken konstruktiv. J.P. Morgan hält an „Buy“ fest, Macquarie bekräftigte seine Einschätzung Anfang Juli. Jefferies senkte sein Kursziel zwar auf 146 Dollar, UBS auf 120 Dollar — beide belassen jedoch positive Ratings. Der Kurs selbst zeigte gestern mit einem Plus von 3,65 Prozent auf 81,02 Euro erste Erholungstendenzen, nachdem die Aktie binnen 30 Tagen rund neun Prozent verloren hatte. Die Zahlen zum zweiten Quartal, die heute nach US-Börsenschluss erwartet werden, dürften zeigen, ob die Margenverengung tatsächlich so stark ausfällt wie befürchtet.
First Majestic Silver: Entrümpelung des mexikanischen Portfolios
First Majestic trennt sich systematisch von stillgelegten Anlagen. Die ehemals produzierende San-Martin-Silbermine geht für 90 Millionen Dollar an Flextronics, gestaffelt über mehrere Jahresraten bis zu einer Abschlusszahlung von 35 Millionen Dollar im Jahr 2032. Der Deal folgt demselben Muster wie der Del-Toro-Ausstieg im Juni, bei dem das Unternehmen 30 Millionen Dollar in bar und Aktien erhielt.
Parallel investiert First Majestic in seine Kernanlagen: An der Santa-Elena-Mine in Sonora wurden umfangreiche Bohrungen an den Zielen Santo Niño und Navidad abgeschlossen. Die Kosten zogen dabei kräftig an — die All-in-Sustaining-Kosten stiegen im Jahresvergleich um 55 Prozent, bedingt durch Wechselkurseffekte. H.C. Wainwright reagierte trotzdem positiv und erhöhte das Kursziel auf 30,75 Dollar bei „Buy“-Rating, mit Verweis auf die erwartete Margenausweitung. Der Aktienkurs sprang gestern um 6,41 Prozent auf 14,78 Euro, bleibt aber mit knapp 49 Prozent Abstand zum 52-Wochen-Hoch noch weit von alten Höchstständen entfernt.
Pan American Silver: Zwischen Zielkürzung und Hochstufung
Bei Pan American driften die Analystenmeinungen auseinander wie selten zuvor. Jefferies senkte das Kursziel auf 53 Dollar und verwies auf den seit dem ersten Quartal gefallenen Goldpreis, behielt aber „Buy“ bei. TD Securities dagegen stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hob das Ziel auf 72 Dollar an. In der Summe ergibt das ein Konsens-Rating von „Strong Buy“.
Die Fundamentaldaten stützen den optimistischeren Blick. Der Umsatz stieg 2025 um mehr als ein Viertel auf 3,62 Milliarden Dollar, der Gewinn schoss auf 978 Millionen Dollar hoch. Das erste Quartal 2026 brachte einen Rekord-Free-Cashflow sowie einen neuen Ausschüttungsrahmen mit einem Ziel von bis zu einer Milliarde Dollar für Dividenden und Rückkäufe. Großprojekte wie die Erweiterungen von La Colorada und Timmins werden komplett aus eigenen Mitteln finanziert. Der Kurs zog gestern um 5,30 Prozent auf 38,94 Euro an, notiert damit aber immer noch gut 36 Prozent unter dem März-Hoch. Die Zahlen zum zweiten Quartal folgen Mitte August.
Hecla Mining: Silberrally trifft auf goldgetriebene Zielkürzung
Bei Hecla prallen zwei gegenläufige Entwicklungen aufeinander. Ein optimistischer Silberpreisausblick trieb die Aktie kräftig an, während Scotiabank das Kursziel von 25 auf 21 Dollar senkte — mit Verweis auf schwächere Goldpreiserwartungen für 2026 und 2027 bei gleichzeitig stärkerem Silberausblick. Das „Sector Perform“-Rating blieb dabei unverändert.
Strategisch testet der Konzern gerade neues Terrain: Die Greens-Creek-Einheit unterzeichnete eine unverbindliche Absichtserklärung mit NVRO Metals zur Verarbeitung von rund 35.000 Tonnen Tailings in einem geplanten australischen Verarbeitungszentrum. Die erste Marktreaktion fiel verhalten aus — die Aktie gab vorbörslich zunächst nach, bevor sie sich wieder erholte. Finanziell steht Hecla solide da, mit rund 194 Millionen Dollar operativem Cashflow im letzten Quartal und einem Kassenbestand von etwa 587 Millionen Dollar. Gestern legte die Aktie um 7,15 Prozent auf 13,42 Euro zu, nachdem sie seit Jahresbeginn bereits mehr als 20 Prozent verloren hatte.
Sektordynamik im Überblick
Der Sektor zerfällt derzeit in zwei klar erkennbare Lager:
- Gold-Schwergewichte unter Druck: Barrick und Newmont ringen mit Produktionsrückgängen, steigenden Kosten und einer Welle von Kurszielsenkungen
- Silber-Werte im Aufwind: First Majestic, Pan American und Hecla profitieren von der schärferen Erholung des Metalls gegenüber Gold
- Gold-Silber-Verhältnis fiel unter 70 — ein Indikator für die relative Stärke von Silber in den vergangenen Handelstagen
- Strategische Divergenz: Barrick expandiert in die Exploration, First Majestic verschlankt sein Portfolio, Pan American wächst organisch, Hecla testet neue Wertschöpfung aus Minenabfall
- Silber-Angebotsdefizit: Für 2026 wird laut Marktbeobachtern ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen erwartet
Ausblick: Berichtssaison als nächster Prüfstein
Die kommenden Wochen liefern reichlich Gelegenheit für Neubewertungen. Newmonts Quartalsbericht steht unmittelbar an, Barrick folgt Anfang August. Beide Konzerne stehen unter Beobachtung wegen der schwächeren Produktion in diesem Jahr — jede positive Überraschung bei Kosten oder Output könnte die jüngsten Kursverluste rasch relativieren.
Für die silberfokussierten Namen bleibt entscheidend, ob die aktuelle Erholung über den kurzfristigen Impuls hinaus trägt. Ein strukturelles Angebotsdefizit spricht dafür, ein weiterhin straffer Fed-Kurs dagegen. Pan Americans Zahlen im August und der für das vierte Quartal geplante Abschluss des San-Martin-Verkaufs bei First Majestic werden zeigen, wie belastbar die Bilanzen der Silberproduzenten tatsächlich sind.
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