Der Hamburger Kupferkonzern Aurubis hat am Donnerstag starke Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorgelegt und blickt zuversichtlicher auf das laufende Gesamtjahr. Während die operativen Gewinne im Kerngeschäft massiv zulegten, sorgt eine zeitliche Verschiebung beim strategisch wichtigen Recyclingprojekt in den USA am heutigen Freitag für einen deutlichen Kursrückgang am Aktienmarkt.
Rekordverdächtiger Gewinnsprung im Kerngeschäft
In den Monaten April bis Juni verzeichnete Aurubis eine dynamische Entwicklung seiner Geschäfte. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 6,45 Milliarden Euro. Noch deutlicher fiel das Plus beim operativen Vorsteuerergebnis (EBT) aus, das mit 149 Millionen Euro rund 160 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals lag.
Dieser Zuwachs ist primär auf die Positionierung als Multimetall-Anbieter zurückzuführen. Medienberichten zufolge profitierte der Konzern insbesondere von hohen Erlösen im Bereich der Edelmetalle sowie bei Schwefelsäure. Aufgrund dieser Entwicklung präzisierte das Management die Prognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2025/26. Aurubis erwartet nun ein operatives Vorsteuerergebnis am oberen Ende der bereits zuvor angehobenen Spanne von 425 bis 525 Millionen Euro.
Projekt Richmond sorgt für mittelfristigen Dämpfer
Trotz der operativen Stärke im laufenden Jahr trüben Nachrichten aus den USA die längerfristige Stimmung. Das Recyclingwerk in Richmond, Georgia, dessen Produktion bereits seit September 2025 aktiv ist, erreicht seine volle Kapazität später als geplant. Aurubis gab bekannt, dass sich der Hochlauf bei wesentlichen Anlagen um jeweils etwa sechs Monate verlängern wird.
Die erste Phase des Projekts soll nun im Geschäftsjahr 2026/27 vollständig abgeschlossen sein, während die zweite Phase erst im darauffolgenden Jahr 2027/28 das Zielprofil erreichen wird. Als Grund für die Verzögerung nannte das Unternehmen Abweichungen im Recyclingmarkt, wobei sowohl die verfügbaren Qualitäten als auch die Mengen der Materialien nicht den ursprünglichen Plänen entsprachen. In der Folge verschiebt sich auch das mittelfristige Ergebnisprofil des Konzerns um ein volles Jahr nach hinten.
Analysten bewerten Verzögerung kritisch
Am Markt sorgte die Kombination aus starken laufenden Zahlen und den US-Verzögerungen für gemischte Reaktionen. Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank betonte am Donnerstag die operative Widerstandsfähigkeit von Aurubis. Er hob hervor, dass der Konzern weiterhin von seiner breiten Aufstellung profitiert, sah jedoch die kurzfristige Ergebnisfantasie durch das Erreichen des oberen Prognoserandes als begrenzt an.
Die US-Investmentbank UBS bestätigte am Donnerstag ihre Einstufung auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 160 Euro. Die Analysten bewerteten den verzögerten Anlauf in Richmond und die damit verbundenen niedrigeren mittelfristigen Ziele als leicht negative Erkenntnis aus dem Quartalsbericht. Auch andere Marktbeobachter äußerten sich enttäuscht über die zeitlichen Rückschläge beim Expansionskurs, wenngleich die aktuelle operative Entwicklung gelobt wurde.
An der Börse überwog am Freitag die Skepsis hinsichtlich der künftigen Wachstumsgeschwindigkeit. Die Aktie von Aurubis verliert heute 4,64 Prozent und notiert bei 172,60 Euro. Damit vergrößert sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch auf nunmehr 22,95 Prozent.
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