Alphabet sichert die Stromversorgung für seine rasant wachsenden Rechenzentren langfristig ab. Der Technologiekonzern hat heute eine weitreichende Vereinbarung mit Constellation Energy über bis zu 3.590 Megawatt Leistung im US-amerikanischen PJM-Stromnetz bekannt gegeben.
Im Kern steht ein 20-jähriger Stromabnahmevertrag über 890 Megawatt an zusätzlicher Kernkraftkapazität. Die Alphabet-Aktie reagierte im heutigen Handel kaum und notiert bei 309,00 Euro mit einem leichten Plus von 0,05 Prozent.
Reaktor-Upgrades und 20-jährige Lieferverträge
Um die vereinbarte Leistung bereitzustellen, modernisiert Constellation insgesamt elf bestehende Kernreaktoren in den Bundesstaaten Illinois, Pennsylvania und New Jersey. Für diese physischen und digitalen Upgrades an sechs Kraftwerksstandorten plant der Energieversorger Investitionen von mehr als 4,3 Milliarden US-Dollar.
Die erste zusätzliche Einspeisung aus den Modernisierungen wird für das Jahr 2028 erwartet, während der vollständige Abschluss der Maßnahmen bis Ende 2032 vorgesehen ist. Durch das Vorhaben sollen nach Unternehmensangaben rund 4.400 Arbeitsplätze gesichert und etwa 7.200 Stellen in der Bauphase geschaffen werden.
Ergänzt wird der Kontrakt durch eine separate, auf 15 Jahre angelegte Vereinbarung über weitere 2.700 Megawatt aus dem bestehenden Kraftwerkspark von Constellation. Zudem wird der Energieversorger Googles Modell Gemini Enterprise in den eigenen Betrieb integrieren.
Bereits zuvor hatte Alphabet Partnerschaften mit NextEra zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reaktors Duane Arnold in Iowa sowie mit Southern geschlossen, um den steigenden Energiebedarf seiner Rechenzentren zu decken.
Wachsender Energiehunger durch das Cloud-Geschäft
Der Schritt unterstreicht die massiven operativen Anforderungen, die der Boom bei künstlicher Intelligenz mit sich bringt. Allein im Jahr 2025 kletterte Googles Strombedarf gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent. Für das Cloud-Geschäft, das im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 24,8 Milliarden US-Dollar und ein operatives Ergebnis von 8,8 Milliarden US-Dollar erzielte, wird die gesicherte Stromzufuhr zu einem entscheidenden Engpassfaktor.
Der Auftragsbestand in der Cloud-Sparte belief sich zuletzt auf rund 514 Milliarden US-Dollar. Um diesen Bestand in den kommenden Jahren abzuarbeiten, müssen die Kapazitäten deutlich wachsen. Gleichzeitig erfordert der Ausbau hohe finanzielle Mittel: Die Sachinvestitionen der führenden Cloud-Anbieter zogen zuletzt kräftig an, was die kurzfristigen Barmittelzuflüsse belastet.
Anleger blicken auf Kosten und Modellentwicklung
An den Märkten wird Alphabets aggressive Infrastruktur-Offensive aufmerksam verfolgt. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 16 Prozent, steht aber vor der Herausforderung, die immensen Vorleistungen dauerhaft in profitables Wachstum zu überführen.
Parallel zum Ausbau der Stromquellen treibt der Konzern die Modellentwicklung voran: Ende September stellte Google das Modell Gemini 4 Argon vor, das vorerst ausgewählten Partnern für Cyberabwehraufgaben zur Verfügung steht.
Zugleich sieht sich das Unternehmen mit Klagen von Anlegern konfrontiert, die Alphabet irreführende Angaben im Zusammenhang mit früheren Verzögerungen bei Gemini 3.5 Pro vorwerfen.
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