Kritische Rohstoffe: Von Alaska bis Nebraska sorgen fünf Aktien für Bewegung

Symbolbild, KI-generiert

Almonty steigert die Produktion, während Arafura, Graphite One, Apex und Standard Lithium mit Projekten, Studien und Genehmigungen vorankommen.

Auf einen Blick:
  • Almonty fährt Sangdong-Produktion weiter hoch
  • Arafura bereitet Nolans-Baustart vor
  • Apex meldet starke REO-Bohrergebnisse
  • Franklin-Studie weist fünf Milliarden US-Dollar aus

Ein Gouverneur lobt ein Graphit-Vorkommen als nationale Sicherheitsressource, ein Bohrloch in Nebraska liefert eine der stärksten Seltene-Erden-Konzentrationen der jüngeren Zeit, und in Texas zeigt eine Machbarkeitsstudie, wie groß das nordamerikanische Lithium-Potenzial tatsächlich ist. Der Sektor kritische Rohstoffe erlebt diese Woche gleich mehrere Nachrichten, die unterschiedliche Reifegrade der Branche sichtbar machen. Während Almonty längst produziert, kämpfen andere noch um Genehmigungen oder erste Ressourcenschätzungen.

Almonty: Sangdong nimmt Fahrt auf, Analysten bleiben bullish

Die Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea füllt sich mit Personal. Almonty hat dort in diesem Jahr 51 neue Mitarbeiter eingestellt, die Belegschaft liegt Ende August bei 133 Beschäftigten. Bis Jahresende sollen rund 70 weitere Stellen hinzukommen.

Die Entwicklung ist bemerkenswert: 2023 zählte die Belegschaft noch 39 Köpfe, 2024 waren es 65, im vergangenen Jahr 82. Der Personalaufbau begleitet den Übergang von der Minenentwicklung zur echten Produktion — die Aufbereitungsanlage in Sangdong hat inzwischen den Durchsatzbetrieb aufgenommen, nach 32 Jahren Stillstand fließt dort wieder Umsatz.

Am Kapitalmarkt kommt das gut an. Die Aktie notiert aktuell bei 16,63 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen um 39 Prozent zugelegt, auf Jahressicht steht ein Plus von 109 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 20,61 Euro fehlen noch rund 19 Prozent, der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt satte 27 Prozent nach oben — ein Zeichen für den anhaltenden Aufwärtstrend.

Jefferies hat die Coverage mit einer Kaufempfehlung gestartet und verweist auf die „langfristige Hebelwirkung“ für westliche Wolfram-Lieferketten, die durch Reshoring-Bemühungen entsteht. DA Davidson zog nach einem Treffen mit CEO Lewis Black das Kursziel von 25 auf 33 US-Dollar hoch. Der Analystenkonsens liegt bei „Strong Buy“ mit einem Durchschnittskursziel, das rund 46 Prozent über dem aktuellen Niveau liegt.

Arafura Rare Earths: Baustart bei Nolans rückt näher

Bei Arafura wird es konkret. Die Standortvorbereitung für Nolans — inklusive Camp, Wasser- und Stromversorgung — ist abgeschlossen, der Baustart könnte bereits in diesem Monat erfolgen, vorausgesetzt Finanzierung und Genehmigungen greifen fristgerecht.

Kommerziell hat sich einiges bewegt: Eine verbindliche Absichtserklärung sichert die Lieferung von bis zu 500 Tonnen Magnetvorprodukten jährlich — darunter NdPr, Dysprosium und Terbium — an eine indisch unterstützte Zweckgesellschaft, mit einer Laufzeit von mindestens fünf Jahren und indexgebundener Preisgestaltung.

Die australische Regierung untermauert das Projekt zusätzlich über ihren milliardenschweren Critical Minerals Strategic Reserve und hat sich verpflichtet, ebenfalls bis zu 500 Tonnen NdPr-Oxid pro Jahr abzunehmen. Nolans soll später knapp 4.870 Tonnen Seltene Erden jährlich liefern, davon 4.440 Tonnen NdPr — etwa vier Prozent des weltweiten Angebots.

Trotz dieser Fortschritte bleibt die Aktie unter Druck: Heute rutschte der Kurs um 7 Prozent auf 0,1240 Euro, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 18 Prozent. Die Analystenmeinungen gehen auseinander — ein Tracker sieht „Buy“ mit über 64 Prozent Kurspotenzial, ein anderer stuft lediglich auf „Hold“.

Graphite One: Politischer Rückenwind aus Alaska

Für Graphite One kam die Woche mit einem gewichtigen Fürsprecher. Alaskas Gouverneur Mike Dunleavy bezeichnete das Graphite-Creek-Projekt als potenziell bedeutende heimische Graphitquelle, während die USA versuchen, ihre Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren. Neue Schätzungen deuten laut Dunleavy darauf hin, dass allein dieses Vorkommen den gesamten US-Bedarf für ein Jahrhundert decken könnte.

Graphite Creek gilt als größtes bekanntes Graphit-Vorkommen der USA — ein Land, das derzeit zu 100 Prozent auf Importe von Naturgraphit angewiesen ist. CEO Anthony Huston bringt die Strategie auf den Punkt: Das Unternehmen baue eine vollständig integrierte US-Lieferkette auf, verankert in Alaska und ergänzt durch eine Verarbeitungsanlage in Ohio.

Der eigentliche Prüfstein steht noch aus. Bis zum 29. September erwartet das Projekt eine zentrale Genehmigungsentscheidung im Rahmen des FAST-41-Verfahrens, geführt vom U.S. Army Corps of Engineers. Der Kurs bewegt sich aktuell bei 0,6290 Euro, nach einem Jahresverlust von 50 Prozent — die Aktie bleibt ein Micro-Cap mit einer Marktkapitalisierung im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, typisch für ein Projekt, das noch keinen Umsatz generiert und stark von der ausstehenden Genehmigung abhängt.

Apex Critical Metals: Neue Bohrergebnisse bestätigen Trinity Zone

In Nebraska liefert Apex Critical Metals eines der stärksten Ergebnisse seiner bisherigen Explorationsgeschichte. Das Bohrloch RIFT26-019 im Rift-Seltene-Erden-Projekt zeigte 2,12 Prozent Seltene-Erden-Oxide (REO) über 197,5 Meter, mit einem Kernabschnitt von 4,60 Prozent REO über 5,1 Meter.

CEO Sean Charland wertet das Ergebnis als Bestätigung der westlichen Fortsetzung der oberen Trinity Zone und betont die Kontinuität der hochgradigen Mineralisierung — eines der stärksten Grad-mal-Breite-Intervalle bislang. Bereits im August hatten frühere Proben mit Werten wie 4,48 Prozent REO über acht Meter und 5,27 Prozent REO über gut zehn Meter die Zone nach Westen und Süden erweitert.

Charland verweist auf erhebliche Fortschritte im vergangenen Jahr, eine erste Mineralressourcenschätzung wird für das erste Quartal 2027 angepeilt. Als reiner Explorer ohne Ressourcenschätzung bewegt sich Apex auf einer früheren Stufe als die übrigen vier Werte im Sektor — der Wert hängt fast vollständig vom weiteren Bohrerfolg ab.

Standard Lithium: Franklin-Studie zeigt milliardenschweres Potenzial

Die Partnerschaft zwischen Standard Lithium und dem norwegischen Energiekonzern Equinor hat für ein zweites Texas-Projekt eine positive vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie vorgelegt. Das Franklin-Projekt kommt auf einen unlevered Nettobarwert nach Steuern von 5 Milliarden US-Dollar, eine interne Verzinsung von 24 Prozent und eine Amortisationszeit von 3,1 Jahren — kalkuliert mit einem Lithiumcarbonat-Preis von 22.400 US-Dollar pro Tonne.

Franklin profitiert direkt von den Erfahrungen aus dem Flaggschiff-Projekt South West Arkansas, dessen technische und kostenseitige Erkenntnisse sich wegen ähnlicher Sole-Zusammensetzung übertragen lassen. Zusammen mit der für Arkansas geplanten Kapazität von 45.000 Tonnen ergibt sich für beide Projekte ein kombiniertes Produktionsziel von rund 70.000 Tonnen Lithiumcarbonat.

Der Kurs bewegt sich derzeit bei 2,09 Euro, nach einem Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5,49 Euro ist die Aktie weit entfernt, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 48 Prozent. Jefferies-Analyst Laurence Alexander startete die Coverage mit „Hold“ und einem Kursziel von 2,90 US-Dollar und verweist auf „langfristige Optionalität“ bei heimischen Batterie-Lieferketten. Andere Quellen zeichnen ein optimistischeres Bild mit einem „Strong Buy“-Konsens und einem Zwölfmonatsziel nahe 5,26 US-Dollar.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Unternehmen stehen an sehr unterschiedlichen Punkten ihrer Entwicklung:

  • Almonty ist der klare Produktionsführer und wandelt Lagerbestände bereits in Umsatz um
  • Arafura steht kurz vor dem Baustart und verfügt über die breiteste staatliche Unterstützung — Australien, Deutschland und Indien sind über Abnahme- und Finanzierungsverträge eingebunden
  • Standard Lithium nimmt eine Mittelposition ein: noch nicht in Produktion, aber mit einem Schwergewicht wie Equinor im Rücken und nun zwei Projekten in der Pipeline
  • Graphite One und Apex Critical Metals bleiben früher-phasige Werte — abhängig von einer ausstehenden Genehmigung beziehungsweise weiteren Bohrergebnissen für eine erste Ressourcenschätzung

Ein roter Faden zieht sich durch fast alle fünf Geschichten: staatliches Engagement als Kurstreiber. Ob über Australiens Rohstoff-Reserve, Alaskas politische Rückendeckung für Graphite Creek oder US-Förderprogramme für Lithium-Projekte — Regierungen mischen sich zunehmend direkt in die Finanzierung kritischer Rohstoffprojekte ein.

Vier Wochen, vier mögliche Wendepunkte

Der Blick nach vorn zeigt gleich mehrere Termine mit Kurspotenzial in beide Richtungen. Graphite Ones FAST-41-Entscheidung fällt bis zum 29. September und könnte die Aktie deutlich bewegen. Arafuras angepeilter Baustart bei Nolans hängt an letzten Finanzierungsmeilensteinen — jede Verzögerung oder Bestätigung dürfte sich unmittelbar im Kurs niederschlagen.

Bei Apex Critical Metals stehen weitere Bohrergebnisse aus, die finale Ressourcenschätzung ist erst für Anfang 2027 terminiert. Standard Lithium und Equinor arbeiten parallel auf eine finale Investitionsentscheidung für South West Arkansas hin, während das neu bewertete Franklin-Projekt der Partnerschaft ein zweites Wachstumsstandbein verschafft. Und bei Almonty bleibt der operative Hochlauf in Sangdong der zentrale Beobachtungspunkt — die Wolfram-Mine hat den schwierigsten Teil des Weges, den Sprung von der Entwicklung zur Vollproduktion, bereits hinter sich gebracht.

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