Chinas Lieferstopp treibt MP Materials und Almonty an

Symbolbild, KI-generiert

Chinesische Lieferprobleme stärken MP Materials und Almonty, während Genehmigungen, Bohrdaten und Analystenurteile weitere Rohstoffwerte bewegen.

Auf einen Blick:
  • Chinesische Lieferverweigerung stärkt Produzenten
  • Almonty profitiert vom Wolframpreisanstieg
  • Apex meldet hochgradige Bohrergebnisse
  • Graphite One erwartet Genehmigungsentscheidung

Ein Bericht sorgte am Freitag für Nervosität auf den Rohstoffmärkten: Chinesische Lieferanten weigern sich offenbar, trotz gültiger Exportlizenzen Material an US-Kunden zu verschicken. Der Zeitpunkt ist heikel, denn ein geplanter Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping in Washington rückt näher. Für den Sektor Seltene Erden und kritische Rohstoffe bedeutet das: Versorgungssicherheit ist plötzlich das beherrschende Thema, und die Reaktionen darauf könnten unterschiedlicher kaum ausfallen.

Während MP Materials und Almonty von der Angst vor Lieferengpässen profitieren, kämpfen Explorer wie Graphite One und Apex Critical Metals mit ganz eigenen Fragestellungen. Standard Lithium wiederum zeigt, dass nicht jede Rohstoffgeschichte von der Wall Street gefeiert wird.

MP Materials: Nachfrageschub durch Exportverweigerung

Die Nachricht über zurückgehaltene chinesische Lieferungen ließ US-Aktien aus dem Rare-Earth-Segment am Freitag im vorbörslichen Handel steigen. Hintergrund ist, dass einige chinesische Anbieter seit Anfang August Lieferungen verweigern – aus Sorge vor Repressalien aus Peking und der Möglichkeit, dass Material am Ende bei sanktionierten Abnehmern landen könnte.

MP Materials schloss am Freitag bei 46,95 Euro, ein Plus von 1,5 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,2 Prozent zu Buche, während sich der Titel auf 30-Tage-Sicht um 12 Prozent verbessert hat. Der Kurs bewegt sich damit rund 49 Prozent unterhalb des 52-Wochen-Hochs von 91,20 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres markiert wurde.

Getragen wird die Erholung von handfesten Geschäftszahlen. Das zweite Quartal brachte einen Umsatzsprung von 89 Prozent, befeuert durch einen mehrstelligen Millionen-Deal für Gadolinium mit einem US-Rüstungs- und Luftfahrtkunden. Die Erlöse übertrafen mit 108,49 Millionen Dollar die Konsensschätzung von 95,95 Millionen Dollar deutlich.

Die Analystenreaktionen fielen gemischt, aber überwiegend konstruktiv aus. Morgan Stanley hob das Kursziel auf 71,50 Dollar an und bestätigte die Übergewichten-Einstufung, während Deutsche Bank ihr Ziel vor den Quartalszahlen auf 61 Dollar senkte und Barclays auf 65 Dollar zurücknahm. Parallel dazu beschäftigt eine Klage gegen den Konkurrenten USA Rare Earth das Unternehmen – MP Materials wirft dem Rivalen vor, über einen früheren Mitarbeiter proprietäre Technologie entwendet zu haben, und fordert fünf Millionen Dollar Schadenersatz.

Almonty: Wolfram-Engpass macht Analysten fast einstimmig bullish

Kaum ein Titel im Sektor profitiert derzeit so klar von einer historischen Neubewertung wie Almonty. Die Wolframpreise sind zwischen Januar 2025 und April 2026 um 622 Prozent gestiegen – mehr als das Dreifache jeder anderen von der Internationalen Energieagentur erfassten kritischen Rohstoffkategorie. China kontrolliert rund 80 Prozent des globalen Wolframmarktes, und genau diese Konzentration verschärft die Nervosität an den Märkten.

Almonty schloss am Freitag bei 15,17 Euro, nach einem Tagesminus von 1,2 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 31 Prozent, seit Jahresbeginn sind es beeindruckende 91 Prozent. Der Titel notiert derzeit rund 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 20,61 Euro, hat sich seit dem Tief bei 3,50 Euro im September vergangenen Jahres aber mehr als vervierfacht.

Operativ hält das Unternehmen Schritt mit der Preisstory. Der Offtake-Vertrag für das Sangdong-Wolframprojekt wurde Mitte Juli auf ein jährliches Umsatzvolumen von 490 Millionen US-Dollar aufgestockt, während gleichzeitig eine freiwillige Delistung von ASX und TSX die Listing-Struktur vereinfachen soll. Jefferies-Analyst Laurence Alexander kürte Almonty zum Top-Pick mit Kaufempfehlung, D.A. Davidson hob das Kursziel auf 33 Dollar an. Der von S&P Global erfasste Analystenkonsens liegt bei „Strong Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 25,94 Dollar – rund 46 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Auch die Zahlen überzeugten: Der Gewinn je Aktie lag im zweiten Quartal bei 0,45 Dollar und übertraf die Erwartung von 0,10 Dollar um das Dreieinhalbfache, nach einem Verlust im Vorjahresquartal. Kritischere Stimmen verweisen dennoch auf die inzwischen hohe Bewertung im Branchenvergleich sowie das Risiko weiterer Exportbeschränkungen.

Apex Critical Metals: Bohrergebnisse befeuern Seltene-Erden-Fantasie

Als früher Explorer verkörpert Apex Critical Metals die gleiche Knappheitsstory wie MP Materials und Almonty – allerdings mit deutlich höherem Risikoprofil. Neue Analyseergebnisse aus dem Rift Rare Earth Project im Elk Creek Carbonatite Complex in Nebraska zeigten hochgradige Abschnitte innerhalb einer über 148 Meter reichenden Zone mit mehr als 2,00 Prozent Seltenerdoxid-Gehalt und erweiterten damit die sogenannte Trinity Zone.

Der Titel schloss am Freitag bei 1,00 Euro, ein Tagesplus von 3,6 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Zuwachs auf 6,6 Prozent, über 30 Tage sind es 25 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 32 Prozent zu Buche – der Titel notiert weiterhin rund 68 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,09 Euro.

Finanziell hat sich das Unternehmen zuletzt Luft verschafft: Ein Basisprospekt erlaubt die Ausgabe von Wertpapieren im Volumen von bis zu 100 Millionen kanadischen Dollar über einen Zeitraum von 25 Monaten. Die laufende Bohrkampagne umfasst mittlerweile 32 Bohrlöcher mit einer Gesamtlänge von rund 21.000 Metern, Management peilt eine erste Mineralressourcenschätzung für das erste Quartal 2027 an. Wie bei jedem Frühphasen-Explorer gilt: Bislang wurden keine Ressourcen oder Reserven ausgewiesen, alle gemeldeten Abschnitte beziehen sich auf Bohrkernlängen, nicht auf bestätigte wahre Mächtigkeiten.

Graphite One: Genehmigungsentscheid als Nagelprobe

Graphite One steuert auf einen Wendepunkt zu, der direkt an eine Entscheidung der US-Regierung geknüpft ist. Das Graphite-Creek-Projekt durchläuft weiterhin das beschleunigte FAST-41-Genehmigungsverfahren, mit einer für den 29. September angesetzten Entscheidung der US Army Corps of Engineers.

Der Kurs zeigte sich zuletzt schwach: Am Freitag ging es um 4,5 Prozent auf 0,59 Euro nach unten, auf Wochensicht bedeutet das ein Minus von 5,5 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein deutlicher Rückgang von 53 Prozent zu Buche, der Titel notiert rund 63 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro aus dem Januar.

Auf der Finanzierungsseite tut sich dagegen einiges. Die US-Exportkreditbehörde EXIM hat ihre Finanzierungszusage für Graphite Creek auf 670 Millionen Dollar aufgestockt und ein separates Vorhaben für eine Anlage für hochentwickelte Materialien in Ohio mit 1,4 Milliarden Dollar bei einer Laufzeit von 15 Jahren versehen. Parallel dazu diversifiziert das Unternehmen seine Ressourcenbasis: Unabhängige Tests am Granat-Material aus Graphite Creek zeigten, dass 85 Prozent der enthaltenen Seltenerdelemente magnet- oder schwermetalltauglich sind. Eine kleinere Privatplatzierung mit den Partnern Doyon Limited und Aleut über fünf Millionen US-Dollar rundet die Finanzierungsbemühungen ab.

Standard Lithium: Jefferies bremst die Euphorie

Nicht jede Rohstoffgeschichte wird derzeit gefeiert – Standard Lithium liefert dafür das deutlichste Beispiel. Jefferies nahm die Coverage vor wenigen Tagen mit einer Halten-Einstufung und einem Kursziel von 2,90 Dollar auf, während der breitere Analystenkonsens weiterhin bei „Strong Buy“ liegt, mit Kurszielen zwischen 4,70 und 5,76 Dollar.

Der Titel schloss am Freitag bei 2,08 Euro, nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht verlor die Aktie 5,4 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 48 Prozent zu Buche – der Kurs bewegt sich damit nahe seinem 52-Wochen-Tief.

Jefferies stellt dabei klar, dass die Skepsis nicht dem Projekt selbst gilt. Die Analysten verweisen auf die Smackover-DLE-Plattform, die Unterstützung durch das US-Energieministerium, die Partnerschaft mit Equinor und einen bindenden Abnahmevertrag mit Trafigura als Bausteine einer langfristig attraktiven Story. Entscheidend seien aber die kommerzielle Skalierung, die endgültige Finanzierung und die Lithiumpreise bis zur geplanten ersten Produktion 2029. Eine endgültige Investitionsentscheidung wird bis Jahresende erwartet.

Sektordynamik: Produzenten, Entwickler und Explorer im Vergleich

Die fünf Titel besetzen inzwischen klar unterscheidbare Positionen auf der Risikoleiter des Sektors:

  • MP Materials und Almonty – etablierte Produzenten mit Cashflow, staatlicher Rückendeckung und direkter Hebelwirkung auf die aktuellen China-Schlagzeilen
  • Standard Lithium – finanziell gut abgesichert, aber noch Jahre von der ersten Produktion entfernt; Jefferies‘ Halten-Rating zeigt, dass „entrisiert“ nicht „risikofrei“ bedeutet
  • Graphite One – hängt kurzfristig an einer einzelnen Genehmigungsentscheidung Ende September
  • Apex Critical Metals – früher Explorer, dessen Bewertung von Bohrergebnissen statt von Bauentscheidungen getrieben wird

Während die Produzenten unmittelbar auf Handelsspannungen reagieren, bleiben die Entwickler stärker von Finanzierungsstimmung und Einzelmeldungen abhängig.

Ausblick: Diese Termine entscheiden über die nächste Kursbewegung

Mehrere Termine könnten die aktuelle Ordnung im Sektor in den kommenden Wochen durcheinanderwirbeln. Graphite Ones Genehmigungsentscheid Ende September zählt zu den klarsten binären Risiken der Gruppe. Apex Critical Metals dürfte mit weiteren Analyseergebnissen aus Nebraska Schlagzeilen machen, bevor die erste Ressourcenschätzung für Anfang 2027 ansteht.

Bei Standard Lithium bleibt die Investitionsentscheidung zum Southwest-Arkansas-Projekt der entscheidende Meilenstein, der die Lücke zwischen Jefferies‘ Vorsicht und dem optimistischeren Straßenkonsens schließen könnte. Für MP Materials und Almonty hängt vieles davon ab, ob sich die Exportfriktion mit China vor dem möglichen Treffen zwischen Xi und Trump entspannt oder verschärft – eine Klärung in die eine oder andere Richtung dürfte auf den gesamten Sektor kritischer Rohstoffe ausstrahlen.

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