Almonty Industries zieht sich von der Toronto Stock Exchange zurück. Der Wolframproduzent begründet den Schritt mit einer simplen Rechnung: Der Großteil des Handelsvolumens läuft längst über die Nasdaq. Eine Zustimmung der Aktionäre braucht es nicht, das Delisting läuft als reiner Verwaltungsakt zum 31. Juli 2026.
Das Timing könnte kaum unglücklicher sein. Die Aktie notiert aktuell bei 19,66 CAD und damit 41,05 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD aus Mitte April. Allein in den vergangenen 30 Tagen hat das Papier fast ein Viertel seines Werts verloren.
Die entscheidende Frage: Wiegt der Liefervertrag schwerer als der Verkaufsdruck?
Kann operativer Fortschritt einen technischen Abwärtstrend aufhalten? Genau das ist der Kernkonflikt bei Almonty. Das Unternehmen hat kürzlich seinen 21-Jahres-Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders verlängert – eine Planungssicherheit, die in der Bergbaubranche selten ist. Gleichzeitig drückt die Ankündigung des TSX-Rückzugs auf den Kurs, wie es bei Delistings von Großbörsen häufig passiert.
Der Markt muss also abwägen: langfristige Vertragssicherheit gegen kurzfristigen technischen Ausverkauf.
Bull-Szenario: Wolfram-Vertrag mit Milliarden-Potenzial
Für die Bullen zählt die langfristige Story. Trotz der jüngsten Korrektur steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer 62,88 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar 216,08 Prozent.
Der verlängerte Abnahmevertrag mit GTP hat es in sich. Das kontrahierte Volumen steigt um 40 Prozent, die Preise wurden um rund 6,3 Prozent nach oben angepasst. Almonty rechnet mit mindestens 30 Millionen US-Dollar zusätzlichem Jahresumsatz aus dem Deal. Bei aktuellen Spotpreisen könnten die annualisierten Erlöse aus dem Vertrag sogar in Richtung 500 Millionen US-Dollar pro Jahr reichen.
Technisch kommt Rückenwind hinzu: Der 14-Tage-RSI steht bei 39,7 und nähert sich einer Zone, die manche Chartanalysten als überverkauft einstufen. Die Bündelung des Handels auf der Nasdaq könnte zudem größere institutionelle Investoren anziehen, die eine einzige liquide US-Notierung gegenüber der Dual-Listing-Struktur bevorzugen.
Bär-Szenario: Der Trend zeigt klar nach unten
Die Risikoseite ist ebenso konkret. Almonty notiert derzeit 20,13 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 24,61 CAD – ein deutliches Signal für einen bärischen Trend auf kurze bis mittlere Sicht. Die annualisierte Volatilität von 86,06 Prozent markiert ein Risikoprofil, das konservative Privatanleger eher abschreckt.
Selbst gute Nachrichten verpuffen aktuell schnell. Nach der Meldung zum verlängerten Abnahmevertrag legte die Aktie am 14. Juli zunächst um 5,7 Prozent zu. Der Effekt hielt nicht lange an: In den vergangenen sieben Tagen hat das Papier 15,91 Prozent verloren, parallel zur Delisting-Ankündigung.
Sollte die Aktie ihren 200-Tage-Durchschnitt von 18,96 CAD nicht halten – aktuell nur 3,68 Prozent unter dem Freitagsschluss –, droht eine tiefere Korrektur. Als nächste Haltemarke stünde dann das 52-Wochen-Tief von 4,36 CAD im Raum.
Ausblick: Der 200-Tage-Schnitt als Nadelöhr
Solange die 18,96 CAD als Unterstützung halten, lässt sich die aktuelle Schwäche noch als Verschnaufpause nach der massiven Rally des Frühjahrs lesen. Kippt diese Marke, dürfte der Chart weiteren Abwärtsdruck signalisieren.
Der nächste konkrete Termin steht fest: der 31. Juli 2026, an dem das Delisting von der TSX wirksam wird. Entscheidend wird sein, ob in den Tagen danach das Handelsvolumen an der Nasdaq spürbar zulegt – nur dann verläuft der geplante Liquiditätstransfer wie vom Management erhofft. Eine Stabilisierung oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts wäre die Voraussetzung dafür, dass die bullische These wieder Oberwasser gewinnt.
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