Almonty Industries hat gerade den Sprung vom Minenentwickler zum Produzenten geschafft. Die Aktie reagiert trotzdem mit einem Rückzug von ihren Rekordständen. Ein klassisches Muster: Erst die gute Nachricht, dann die Gewinnmitnahmen.
Am Freitag schloss das Papier bei 23,14 kanadischen Dollar. Auslöser des Rücksetzers war paradoxerweise eine Erfolgsmeldung: Die Wolfram-Aufbereitungsanlage am Sangdong-Standort in Südkorea verarbeitet jetzt erstmals Erz zu verkaufsfähigem Konzentrat.
Kursrückgang trotz starker Jahresbilanz
Die längerfristige Kursentwicklung bleibt beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 92 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 210 Prozent. Aktuell notiert die Aktie aber rund 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
Über der 200-Tage-Linie hält sich das Papier trotz des Rücksetzers komfortabel. Der Kursrutsch folgt auf eine ganze Serie positiver Unternehmensmeldungen. Am 1. Juli hatte Almonty verkündet, dass die neu in Betrieb genommene Anlage begonnen hat, gelagertes Roherz zu Wolframkonzentrat zu verarbeiten. Sangdong wechselt damit endgültig von der Entwicklungs- in die Produktionsphase.
Analysten bleiben zuversichtlich
Die Stimmung unter Analysten hat sich durch die Kursschwäche nicht eingetrübt. Die aktuellste Einstufung lautet „Kaufen“, das Kursziel liegt bei 25,00 kanadischen Dollar. Selbst nach dem jüngsten Rückgang vom Allzeithoch würde das noch Spielraum nach oben bedeuten.
Marktbeobachter ziehen zunehmend Vergleiche zu größeren, verteidigungsnahen Industriewerten. Der Grund: Moderne Waffensysteme funktionieren ohne Wolfram schlicht nicht. Dieser strategische Bezug stützt das Anlegerinteresse an Almonty, auch wenn der Kurs kurzfristig schwankt.
Geopolitik spricht weiter für Almonty
Der strukturelle Rückenwind für westliche Wolfram-Lieferketten bleibt bestehen. China kontrolliert etwa 80 Prozent der weltweiten Wolfram-Produktion. Jüngste Exportbeschränkungen gegen Abnehmer in den USA und Japan haben die Suche nach alternativen Quellen zusätzlich beschleunigt.
Die G7-Staaten haben sich ein klares Ziel gesetzt: Bis 2030 soll die Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten unter 60 Prozent sinken. Sangdong rückt damit in eine strategisch bedeutsame Position. Hinzu kommt: Die Wolframpreise haben sich während der kritischen Anlaufphase stabil gehalten. Das spricht für ein günstiges Preisumfeld, sobald Almonty sein Konzentrat verkauft.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor
Mit dem Übergang zum Produzenten ist die operative Ausführung jetzt entscheidend. Analysten warnen: Der Hochlauf der Anlage, die Kostenkontrolle und mögliche weitere Verwässerung durch Kapitalmaßnahmen bleiben zentrale Risiken – nach einem sehr langen und starken Kurslauf.
Simply Wall St bringt die Situation auf den Punkt. Die Kommissionierungsphase entscheidet, ob die Anlage zuverlässig läuft, ob sich das Lager im Wert von rund 68 Millionen US-Dollar in tatsächliche Verkäufe umwandeln lässt und ob die operativen Verluste, die bislang auf der Bilanz lasteten, kleiner werden.
Der aktuelle Rückgang wirkt wie klassisches „Sell the News“-Verhalten und nicht wie eine Verschlechterung der Investmentthese. Das Kursziel der Analysten liegt weiter über dem aktuellen Niveau. Ob die Aktie ihren mehrjährigen Aufwärtstrend fortsetzt oder die jüngsten Gewinne erst noch verdaut, dürfte sich in den kommenden Wochen des Anlagenhochlaufs entscheiden.
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