Manchmal erzählt eine Aktie zwei Geschichten gleichzeitig, und bei Almonty könnten sie kaum unterschiedlicher klingen. Auf der einen Seite verschwindet das Unternehmen gerade von gleich zwei Börsenplätzen.
Auf der anderen Seite meldet es Zahlen, die man in der Rohstoffbranche selten sieht. Wer beides nebeneinanderlegt, versteht, warum der Wolfram-Produzent gerade zum Lehrstück dafür wird, wie sich kritische Rohstoffe und globale Kapitalmärkte neu sortieren.
Zur Erinnerung an die technische Seite: Almontys TSX-Notierung endete nach Handelsschluss am 31. Juli, die Streichung von der australischen ASX folgte nach Handelsschluss am 1. September. Zwei Delistings innerhalb weniger Wochen – das klingt zunächst nach Rückzug.
Tatsächlich ist es eher eine Bereinigung: Ein Unternehmen, dessen operatives Zentrum sich zunehmend auf die USA und die dortige strategische Rohstoffpolitik ausrichtet, räumt offenbar dort auf, wo die Präsenz an mehreren Handelsplätzen nur noch Verwaltungsaufwand bedeutet.
Wenn die Umsatzkurve steiler wird als der Chart
Und während die Listen schrumpften, explodierte die operative Substanz. Für das zweite Quartal 2026 meldete Almonty laut InvestorNews einen Umsatzsprung von 498 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 43,0 Millionen kanadische Dollar. Das Ergebnis aus dem Bergbaubetrieb erreichte 26,1 Millionen kanadische Dollar, das bereinigte EBITDA stieg auf 17,6 Millionen kanadische Dollar.
Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 181,8 Millionen kanadische Dollar – davon allerdings 173,1 Millionen aus nicht zahlungswirksamen Gewinnen. Das relativiert die Schlagzeile etwas, ändert aber nichts am operativen Kern: Die Fortschritte am Projekt Sangdong tragen sichtbar Früchte.
Diese Zahlen sind kein Zufallstreffer, sondern fügen sich in ein größeres Narrativ. Wolfram gehört zu den Rohstoffen, die im geopolitischen Ringen um Lieferketten unabhängig von China plötzlich strategische Bedeutung gewinnen. Wer als Produzent außerhalb Chinas glaubwürdig liefern kann, wird zum gefragten Partner – nicht nur für Industriekunden, sondern offenbar auch für institutionelles Kapital.
Institutionen kaufen, während der Kurs schwankt
Genau das lässt sich an den Investorenbewegungen ablesen. Das Public Employees Retirement System of Ohio kaufte im zweiten Quartal 2026 rund 109.000 Aktien im Wert von etwa 1,81 Millionen US-Dollar.
Weitere institutionelle Adressen wie Van Eck Associates, Cooper Creek Partners und Encompass Capital Advisors bauten ihre Positionen aus oder stiegen neu ein. Das ist die Art von Kapital, die selten kurzfristig spekuliert – es passt zum Bild eines Unternehmens, das von einer Nischenrolle in eine strategisch relevante Position hineinwächst.
Am 2. September nahm zudem Jefferies die Coverage mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 26,25 US-Dollar auf – eine Einschätzung, die der Markt in den Tagen danach sichtbar goutierte. Am 8. September zogen die Aktien laut Marktbeobachtern um 10,3 Prozent an, begründet mit der verbesserten Stimmung rund um die Wolfram-Story, dem im August angekündigten Rückkaufprogramm, den operativen Ergebnissen und eben jener Analysteneinstufung.
Zwischen Euphorie und Realität
Doch der Kurs schwankt heftig. Nach dem 52-Wochen-Hoch von 20,61 Euro, erreicht im April, notiert die Aktie aktuell bei 14,42 Euro – ein Abstand von 30 Prozent zum Rekordstand.
Allein heute verlor das Papier 8,6 Prozent, nach 15,77 Euro am Vortag. Zugleich bleibt der Blick auf zwölf Monate beeindruckend: Seit dem Tief von 3,68 Euro im September vergangenen Jahres hat sich der Kurs fast vervierfacht.
Diese Gegensätze sind kein Widerspruch, sondern das eigentliche Bild: eine annualisierte Volatilität von 80 Prozent zeigt, wie nervös der Markt eine Aktie handelt, die fundamental Fahrt aufnimmt, aber eben auch schnell überhitzen kann.
Wer Almonty verstehen will, muss beide Seiten sehen – die Umsatzverfünffachung und die Kursausschläge, die Delistings und die institutionellen Zukäufe. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob das Unternehmen wächst. Sie lautet, ob der Markt diesem Wachstum schneller vertraut, als er es wieder infrage stellt.
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