Zwei Tage vor dem Delisting bricht die Aktie von Almonty Industries regelrecht ein. Der Wolfram-Produzent verlässt am Freitag freiwillig die Toronto Stock Exchange. Fonds mit Kanada-Mandat müssen ihre Bestände jetzt abstoßen — ob sie wollen oder nicht.
Am Mittwoch fiel die Aktie um 9,23 Prozent auf 15,63 kanadische Dollar. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 22,32 Prozent. Der Auslöser ist kein operatives Problem, sondern ein technischer Effekt: Institutionelle Anleger, deren Statuten nur kanadisch gelistete Werte erlauben, verkaufen zwangsweise vor dem Stichtag.
Produktion läuft, Kurs bricht trotzdem ein
Fundamental steht Almonty eigentlich gut da. Am 1. Juli bestätigte das Unternehmen den Start der Aufbereitungsanlage an der Sangdong-Mine in Südkorea. Die Anlage verarbeitet bereits einen Anfangsbestand von rund 139.700 Tonnen Erz. Almonty wandelt sich damit vom reinen Projektentwickler zum tatsächlichen Produzenten.
Ausgerechnet dieser operative Meilenstein geht im Delisting-Lärm unter. Der Kursverfall hat mit dem operativen Geschäft nichts zu tun — er ist reine Marktmechanik.
Der Umzug nach Montana
Almonty verlegt seinen Firmensitz von Toronto ins US-amerikanische Dillon, Montana. Der Schritt soll die Nähe zu US-Verteidigungs- und Industriepartnern stärken. Wolfram gilt in den USA als kritischer Rohstoff für Sicherheitstechnik und moderne Industrieanwendungen.
Künftig konzentriert sich Almonty auf die Nasdaq unter dem Kürzel ALM. Damit spart der Konzern Verwaltungs- und Compliance-Kosten für mehrere Börsennotierungen. Ein ähnlicher Prozess läuft in Australien: Dort erhielt Almonty die Genehmigung, die ASX-Notierung zum 1. September 2026 zu beenden. Am heutigen Mittwoch gingen bereits Schreiben an australische CDI-Inhaber, die über die Übertragung ihrer Anteile ins nordamerikanische Register informieren.
Charttechnik zeigt überverkauften Zustand
Der Ausverkauf hat die technischen Indikatoren in extremes Terrain getrieben. Der RSI steht bei 30,7 Punkten — nahe der Schwelle von 30, ab der Trader üblicherweise von einem überverkauften Markt sprechen. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 23,38 kanadischen Dollar klafft eine Lücke von 33,15 Prozent.
Die kurzfristige Schwäche verzerrt jedoch das große Bild. Auf Sicht von zwölf Monaten steht trotz des aktuellen Einbruchs ein Kursplus von 232,55 Prozent zu Buche. Getragen wird diese Entwicklung von einem 21-jährigen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders, der rund 90 Prozent der geplanten Phase-1-Produktion in Sangdong abdeckt.
Der eigentliche Test kommt am Freitag. Sobald die Zwangsverkäufe der TSX-gebundenen Fonds abgeschlossen sind, dürfte sich zeigen, ob der Kurs an der Nasdaq wieder stärker der operativen Entwicklung folgt — dem Produktionsstart in Sangdong und dem langfristigen Liefervertrag, statt der reinen Listing-Mechanik.
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