ABB Aktie: Setzt auf Gleichstrom-Zukunft

Symbolbild, KI-generiert

ABB und BCG erwarten mehr Gleichstrom in Energiesystemen. KI-Rechenzentren, Speicher und E-Mobilität treiben den Wandel voran.

Auf einen Blick:
  • 800-Volt-Systeme für KI-Infrastruktur
  • Gleichstrom ergänzt bestehende Wechselstromnetze
  • ABB nennt über 700 Gleichstrompatente
  • Standards und Fachkräfte bleiben Hürden

Wechselstrom galt jahrzehntelang als unangefochtener Standard in der Stromverteilung. ABB stellt diese Gewissheit nun infrage — zumindest teilweise. Zusammen mit der Boston Consulting Group hat der Schweizer Technologiekonzern heute einen Bericht veröffentlicht, der Gleichstromtechnologien eine deutlich größere Rolle in künftigen Energiesystemen zuschreibt.

Der Auslöser liegt im rasanten Wachstum von KI-Rechenzentren. Solche Anlagen, aber auch Photovoltaik, Batteriespeicher und Elektrofahrzeuge arbeiten von Natur aus mit Gleichstrom. Je mehr dieser Technologien an Bedeutung gewinnen, desto mehr lohnt sich der Verzicht auf unnötige Umwandlungsschritte zwischen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch — das spart Energie und erhöht die nutzbare Kapazität bestehender Netzanschlüsse.

KI-Rechenzentren als Treiber

Der Bericht sieht in der 800-Volt-Gleichstromverteilung die künftig maßgebliche Architektur für KI-Infrastruktur. Herkömmliche Stromnetze stoßen bei den steigenden Leistungsdichten moderner Rechenzentren zunehmend an ihre Grenzen. Gleichstrom soll Betreibern helfen, mehr Rechenkapazität aus bestehenden Netzanschlüssen herauszuholen, ohne zusätzliche Infrastruktur aufbauen zu müssen.

CEO Morten Wierod betont, dass es nicht um ein Entweder-Oder zwischen Wechsel- und Gleichstrom geht. Beide Systeme sollen künftig zusammenwirken — Wechselstrom bleibt das Rückgrat der großen Übertragungsnetze, während Gleichstrom innerhalb von Gebäuden und Industrieanlagen an Gewicht gewinnt. Neben Rechenzentren nennt der Bericht auch automatisierungsintensive Fabriken und Gewerbegebäude als Nutznießer.

Alte Vorbehalte, neue Technik

Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Gleichstromsystemen stufen ABB und BCG als überholt ein. Als größere Hürden gelten stattdessen fragmentierte Standards und ein Mangel an spezialisierten Fachkräften — Probleme, die sich laut Unternehmen gezielt angehen lassen.

ABB verweist auf eigene Erfahrung in diesem Feld: Bereits vor über 25 Jahren stieg der Konzern in Gleichstromlösungen ein. Ein gleichstrombasiertes Bordnetz auf Schiffen senkte den Kraftstoffverbrauch um bis zu 27 Prozent, 2022 kam der nach eigenen Angaben erste Halbleiter-Leistungsschalter der Branche hinzu.

Mit mehr als 700 Patenten im Gleichstrombereich positioniert sich ABB als einer der Vorreiter bei der Erschließung neuer Anwendungen — von Elektromobilität über Mikronetze bis zur CO2-armen Aluminiumproduktion und grünem Wasserstoff.

Der vollständige Bericht ist über die Unternehmenswebsite abrufbar. Wie schnell sich die beschriebene Marktverschiebung tatsächlich in Aufträgen niederschlägt, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen des Elektrifizierungs- und Automatisierungsgeschäfts zeigen.

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