Der Schweizer Technologiekonzern ABB treibt die strategische Neuausrichtung auf Gleichstrom-Architekturen (DC) massiv voran. Neben einer neuen Premium-Partnerschaft mit Ferrari Hypersail präsentierte das Unternehmen gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) eine Analyse zur künftigen Energieversorgung digitaler Infrastrukturen.
Im Zentrum steht dabei die Überzeugung, dass 800-Volt-Gleichstrom-Systeme zum entscheidenden Faktor für den rasant wachsenden Strombedarf von KI-Rechenzentren werden.
Technologischer Härtetest auf hoher See
In einer Kooperation mit Ferrari Hypersail fungiert ABB ab sofort als offizieller Partner für die Elektrifizierung einer innovativen 100-Fuß-Yacht. Das Schiff ist als Einrumpf-Tragflügelboot konzipiert und wird ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben, um wochenlange Autarkie unter extremen Bedingungen zu gewährleisten. ABB integriert hierfür eine autarke Mikrogrid-Architektur, die auf 48 Volt und 800 Volt Gleichstrom basiert.
Giampiero Frisio, Leiter des ABB-Geschäftsbereichs Elektrifizierung, sieht in dem Projekt eine Demonstration für die Resilienz moderner Stromsysteme. Die hierbei eingesetzte Technik, für die das Unternehmen über 700 Patente hält, soll direkte Erkenntnisse für die künftige Gestaltung von industriellen Inselnetzen und der Schifffahrt liefern.
Insbesondere der Verzicht auf komplexe Umwandlungsprozesse zwischen Gleich- und Wechselstrom verspricht Effizienzvorteile, die ABB bereits bei früheren Schiffsinstallationen mit Kraftstoffeinsparungen von bis zu 27 Prozent belegte.
Wachstumsmarkt für künstliche Intelligenz
Parallel zur maritimen Anwendung identifiziert der Konzern im Verbund mit BCG den Bereich der künstlichen Intelligenz als zentralen Wachstumstreiber. Bis zum Jahr 2030 wird eine Verdoppelung des weltweiten Stromverbrauchs durch Rechenzentren prognostiziert. CEO Morten Wierod betonte in diesem Zusammenhang, dass die 800-Volt-DC-Distribution zur bevorzugten Architektur für die nächste Generation der KI-Infrastruktur avancieren dürfte.
Bereits heute ist ABB in diesem Sektor stark positioniert: Jedes vierte Rechenzentrum nutzt bereits DC-Lösungen des Unternehmens. Der Konzern arbeitet zudem bereits mit dem Chiphersteller NVIDIA an der Weiterentwicklung dieser Verteilungssysteme. Hemmnisse wie fragmentierte Standards und ein Mangel an DC-Fachkräften sollen durch die verstärkte Zusammenarbeit mit Industriepartnern abgebaut werden.
Expansion im indischen Wassermarkt
Über die Hochvolt-Systeme hinaus erweitert ABB seine digitale Präsenz im Infrastrukturbereich. In Indien startete das Unternehmen heute die Plattform AquaMaster+, eine digitale Lösung zur Optimierung von Wassernetzen. Das System kombiniert Hardware und Cloud-Software, um den Betrieb effizienter zu gestalten.
In 15 indischen Städten, darunter die Metropolen Delhi und Bengaluru, sind bereits rund 2.000 digitale Durchflussmesser im Einsatz. Die neue Plattform ermöglicht es den Versorgern, Daten in Echtzeit auszuwerten und die Instandhaltung vorausschauend zu planen. Damit festigt der Konzern seine Rolle als Dienstleister für urbane Transformationsprozesse in Schwellenländern.
Ausblick auf das dritte Quartal
Die finanzielle Basis für die Expansionsschritte legte ABB im vergangenen Quartal. Für den zweiten Dreimonatszeitraum des laufenden Jahres meldete das Unternehmen einen Gewinn je Aktie von 0,54 Schweizer Franken. Der Umsatz kletterte in diesem Zeitraum auf 7,51 Milliarden Franken. Die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal ist für den 20. Oktober geplant.
An der Börse zeigt sich das Papier am heutigen Dienstag freundlich und kann die Verluste vom Montag teilweise wettmachen. Die Aktie notiert aktuell bei 81,08 Euro, was einem Tagesplus von 0,9 Prozent entspricht. Damit kann sich der Titel wieder leicht von seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage absetzen, zu dem der Abstand derzeit 2,0 Prozent beträgt.
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