Der Auftragseingang bei 2G Energy hat im ersten Halbjahr 2026 einen historischen Höchstwert erreicht. Der Vorstand bestätigte am Donnerstag ein Gesamtvolumen von 479,4 Mio. Euro, nach 110,7 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum – mehr als eine Vervierfachung. Allein im zweiten Quartal summierten sich die Bestellungen auf 422,4 Mio. Euro, gegenüber 54,1 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Damit hat sich der Auftragseingang binnen eines Jahres nahezu versiebenfacht.
Rechenzentren treiben das US-Geschäft
Getragen wurde der Sprung vor allem von US-Großaufträgen für Blockheizkraftwerke in Rechenzentren, die für den Betrieb von Künstlicher Intelligenz benötigt werden. Auf dieses Segment entfielen laut Unternehmensangaben allein 350,3 Mio. Euro des Quartalsauftragseingangs. Parallel dazu entwickelte sich auch das traditionelle Heimatgeschäft robust: Im deutschen Biogassektor legte der Auftragseingang um 74 Prozent auf 37,9 Mio. Euro zu. Das Unternehmen konvertierte damit bestehende Kundenreservierungen in Festaufträge, wie der Vorstand betonte. Nach Angaben, die Medienberichten zufolge kursieren, liegen bereits weitere Reservierungen in einer Größenordnung von rund 350 Mio. Euro vor – ein Volumen, das mit den im zweiten Quartal konvertierten Summen vergleichbar wäre und auf anhaltendes Wachstumspotenzial hindeutet.
Höhere Umsatzprognose und neue Montagehalle
Angesichts der Auftragsdynamik konkretisierte das Management die Jahresprognose 2026: Der Umsatz soll das obere Ende der Spanne von 490 Mio. Euro erreichen, bei einer EBIT-Marge zwischen 9,5 und 10,5 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2027 stellte der Vorstand einen Umsatz zwischen 570 und 620 Mio. Euro in Aussicht. Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, plant 2G Energy den Bau einer zusätzlichen Montagehalle am Hauptsitz in Heek. Der Baubeginn ist für Anfang 2028 vorgesehen, die neue Kapazität soll ein zusätzliches jährliches Umsatzpotenzial von rund 300 Mio. Euro abdecken.
Diese Zahlen machen deutlich, wie stark sich das Geschäftsmodell des Herstellers von Blockheizkraftwerken innerhalb weniger Quartale verändert hat: weg vom reinen Biogas-Zulieferer, hin zu einem Anbieter für die Energieversorgung datenintensiver Industrien.
Kurs gibt trotz starker Nachrichtenlage nach
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt jedoch von ihrer schwächeren Seite. Am Freitag schloss das Papier bei 58,35 Euro, ein Rückgang von 1,44 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Handelstage hat der Kurs sogar 18,22 Prozent verloren – ein deutlicher Rücksetzer, der zeigt, dass ein Teil der Rekordmeldungen bereits im Vorfeld eingepreist war. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 66,00 Prozent zu Buche, ein Hinweis darauf, dass die grundsätzliche Wachstumsstory am Markt weiterhin honoriert wird.
Für die kurzfristige Verunsicherung dürfte auch die jüngere Historie des Unternehmens eine Rolle spielen. Bereits im Mai hatte 2G Energy die Veröffentlichung der vorläufigen Konzernzahlen für 2025 von Mai auf Juni verschoben – begründet mit zeitaufwendigen ERP-Abschlussroutinen in der neu gegründeten Produktionsgesellschaft 2G Heek GmbH. Auch der Bericht zum ersten Quartal 2026 Ende Juni fiel gemischt aus: Das Unternehmen verzeichnete einen vorübergehenden Umsatzrückgang wegen Projektverzögerungen, hielt aber an der Jahresprognose fest.
Blick auf die kommenden Termine
Anleger richten den Blick nun auf zwei anstehende Termine: Am 19. August findet die ordentliche Hauptversammlung im Tobit Atrium in Ahaus statt, am 29. September folgen die vorläufigen Kennzahlen für das erste Halbjahr 2026. Beide Termine dürften zeigen, ob sich der Rekordauftragseingang bereits in konkreten Umsatz- und Ergebniszahlen niederschlägt – und ob die geplante Kapazitätserweiterung in Heek den Weg zu den ambitionierten Zielen für 2027 ebnen kann.
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