Provoziert die Fed jetzt einen (Krypto-)Crash?

Die galoppierende Inflation setzt Politiker und Notenbanken unter Druck. Deren Handeln könnte die Kapitalmärkte kurzfristig durcheinanderwirbeln.

Letzte Woche beschrieb ich an dieser Stelle eine gefährliche Gemengelage für die Aktien- sowie Krypto-Märkte. Bereits zuvor hatte ich meiner Befürchtung, dass eine Korrektur an den Aktienmärkten auch auf die Krypto-Märkte übergreifen könnte, Ausdruck verliehen. Dieses „Worst Case“-Szenario scheint sich nun leider mehr und mehr abzuzeichnen.

Konkret ist es so, dass die Inflationsrate in den USA exorbitant hoch ist. Zuletzt lag sie für den Monat Oktober bei 6,2%. Für den heutigen Freitag werden nun die aktuellen Inflationsdaten für den Monat November erwartet. Hier streiten sich die Auguren derzeit, ob diese noch knapp unter 7% oder doch bei 7% und mehr liegen wird. Solche Inflationsraten haben wir in den USA schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Da US-Präsident Joe Biden am gestrigen Donnerstagabend jedoch explizit nochmal angesprochen hat, dass die Inflationsrate derzeit sehr hoch sei, aber sich schon bald zu normalisieren beginne, rechne ich eher mit mehr als 7%. Aber letztlich ist das nicht kriegsentscheidend. Viel entscheidender nämlich ist, dass inzwischen selbst die Fed diese Inflation als Problem erkannt hat.

So sagte Fed-Chef Jay Powell kürzlich, dass es an der Zeit sei das Wort „transitory“, zu Deutsch: vorübergehend, aus der Beschreibung der Inflation zu streichen. Zugleich kündigte er ein wahrscheinlich forciertes Tapering, also ein schnelleres Zurückfahren der Anleihekäufe durch die Fed, an. Bereits in der Vergangenheit hatte er gesagt, dass erst nach einer vollständigen Beendigung der Anleihekäufe Zinserhöhungen möglich würden.

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Bisher wollte die Fed die Anleihekäufe von 120 Milliarden US-Dollar pro Monat um 15 Milliarden US-Dollar pro Monat kürzen. Somit hätte es acht Monate (8x 15 Milliarden = 120 Milliarden) gedauert, um die Anleihekaufprogramme komplett zu stoppen. Ende Juni wäre die Fed also fertig gewesen. Nun möchte man die Anleihekäufe jedoch wohl um 30 Milliarden US-Dollar pro Monat reduzieren. Nach jeweils 15 Milliarden US-Dollar im November und Dezember wäre man somit Ende März schon fertig.

Bisher war man davon ausgegangen, dass 2022 maximal zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,25% im zweiten Halbjahr erfolgen könnten. Stattdessen könnten es jetzt mindestens drei werden, vielleicht mehr. Kein Wunder, dass sich die Anleger an sämtlichen Märkten vor diesem forcierten Liquiditätsentzug fürchten. Zuerst hat darauf der Aktienmarkt reagiert, wobei die Kryptos schon vorher eine Korrektur erlebt hatten.

Anleger sehen kein Inflationsproblem, aber Deflation könnte eins werden!

Auf Basis der zuletzt gemeldeten (Inflations-)Daten kann man das Vorgehen der Fed durchaus nachvollziehen. Zumal die Verbalakrobatik von Fed-Chef Jay Powell und einigen seiner Kollegen durchaus auch schon ein Faktor in Sachen Inflationsbekämpfung sein könnten. Denn zwar dürften die Amerikaner im Weihnachtsshoppingwahn noch viel Geld ausgegeben haben. Eine durch die Verbalakrobatik der Fed induzierte Korrektur macht diese jedoch sofort ärmer.

Denn anders als hier bei uns in „good old Germany“ halten in den USA rund 90% aller Menschen – direkt oder indirekt – Aktien. Wenn diese also korrigieren, sind und fühlen diese sich sofort ärmer und schränken ihren Konsum ein. Zugleich dürften sich aber im Laufe des kommenden Jahres auch die durch die Covid-19-Pandemie immer noch beschädigten internationalen Lieferketten wieder vollständig erholen.

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Dies hätte zur Folge, dass einerseits die Nachfrage etwas zurückgeht, wohingegen andererseits das Angebot durch wiederhergestellte Lieferketten ausgeweitet wird. Mehr Angebot bei weniger Nachfrage dürfte jedoch tendenziell Preisdruck und damit eben Deflation verursachen. Wenn die Fed genau in diese Gemengelage hinein nun ihre Anleihekäufe beendet und die Leitzinsen erhöht, haben wir den Salat.

Zumal die Anleger, anders als die Fed, das Inflationsgespenst gar nicht sehen. Es läuft also alles auf eine ähnliche Situation wie Ende 2018 hinaus. Auch damals straffte die Fed ihre Geldpolitik, was nach Auffassung der Anleger nicht nötig war. In der Folge korrigierte der Aktienmarkt rund 20%. Erst an Heiligabend 2018 ruderte Jay Powell seinerzeit zurück und von da an ging es auch wieder aufwärts. Bis zum „Corona Crash“ im März 2020.

Prinzipiell könnte der Fed jedoch durchaus daran gelegen sein, neben der Inflation auch die Spekulationsblase an den Aktienmärkten etwas zu bekämpfen. Allerdings baut das US-amerikanische Altersvorsorgesystem sehr stark auf den Aktienmärkten auf, so dass die Fed niemals eine Korrektur von mehr als -20% bis maximal -25% zulassen kann und wird. Das haben wir ja auch 2018 erlebt.

Im Top lag der Nasdaq-100 bei knapp 16.800 Punkten. Eine Korrektur zwischen -20% und -25% würde den Leitindex also auf 12.600 bis 13.450 Punkte, nehmen wir einfach die 13.000-Punkte-Marke an, zurückführen. Dies sollte jedoch zugleich den Bitcoin (BTC) um -30% und mehr korrigieren lassen. Damit wären wir um 33.500 US-Dollar und hätten uns vom Top mehr als halbiert. Wahrscheinlicher wäre sogar ein Test und womöglich sogar eine Unterschreitung der „Musk Crash“-Tiefs vom Mai.

Dies würde dann natürlich auch Ethereum (ETH) (beziehungsweise den Ether) stark treffen. Über die kleineren Altcoins aus der zweiten, dritten und vierten Reihe brauchen wir gar nicht groß reden.

China hilft, aber die Fed sitzt im „Driver’s Seat“

Zwar haben die Chinesen zuletzt im Gegenzug ihre Geldpolitik etwas gelockert, was sicherlich hilfreich war und ist. Aber ob die Chinesen den Liquiditätsentzug der Fed kompensieren oder gar überkompensieren können, wage ich zu bezweifeln. Doch selbst wenn das so wäre, so werden die chinesischen Kommunisten wohl kaum einen neuen Carry Trade Renminbi-Yuan-US-Dollar zulassen.

Selbst wenn sie dies täten, so dürfte dieses billige chinesische Geld sicherlich nicht in größeren Stil in US-Hightech-Aktien fließen. Kryptowährungen mögen die chinesischen Kommunisten jedoch noch weniger. Daher kann China weder die Nasdaq noch die Krypto-Märkte retten – und möchte das wohl auch leider gar nicht. Das übergeordnete Szenario bleibt also bearish.

Und zwar genau so lange, bis die Fed unter Jay Powell wieder – wie schon Ende des Jahres 2018 – ihren Fehler einsieht und korrigiert. An dem Tag, wo das passiert, werden US-Hightechs, selbst „gefallene Engel“ wie Zoom Video, wieder interessant. Und natürlich auch so manch eine Kryptowährung. Bis es so weit ist, geht man jedoch besser auf Nummer sicher – und casht etwas aus. Wir haben unsere Investitionsquote zuletzt sogar von knapp 80% auf nur noch 40% halbiert. Darüber sollten Sie jetzt auch nachdenken!

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