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Ölpreis: Kommt bald der Crash? Was Sie jetzt wissen müssen!

Der Ölpreis zeigt auf einmal Schwäche. Ist das nur ein kleiner Schluckauf oder doch der Vorbote für einen großen Crash? Sicher ist nur die Unsicherheit.

Zwar war Rohöl am Freitag im Vergleich zum Jahresanfang immer noch deutlich teurer, wie Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen können (Stand 01.07.2023, 13:00 Uhr).

SortePreis (3. Januar 2023)Preis (1. Juli 2023)Veränderung
WTI76,23 US-Dollar108,41 US-Dollar+42 %
Brent78,84 US-Dollar119,92 US-Dollar+52 %

Ölpreis: Dreht jetzt die Stimmung am Markt?

Doch der fossile Brennstoff hat in den letzten Tagen eine auffällige Schwäche gezeigt. Und die kommt wahrlich nicht von ungefähr. Zunächst: In den letzten Monaten hatten die Ängste rund um eine mögliche Ölverknappung infolge des Ukraine-Kriegs den Ölpreis steigen lassen.

Inzwischen aber scheint sich die Stimmung zumindest etwas ins Gegenteil verkehrt zu haben. Denn: Auf einmal gehen bei den Marktakteuren die Sorgen um, dass es zu einer Überversorgung kommen könnte. Das wiederum setzt den Ölpreis jetzt unter Druck.

Ölpreis: Angst vor Rezession lässt ungute Erinnerungen aufkommen

Sie werden es schon ahnen: Es geht natürlich um die mögliche Rezession. Sollten wichtige Volkswirtschaften oder die gesamte Weltwirtschaft schrumpfen, würde die Nachfrage nach Öl zurückgehen. Wie schnell das gehen kann, hat sich beispielsweise im Zuge der Wirtschaftskrise Ende der Nullerjahre oder Anfang der 20er infolge der Corona-Pandemie gezeigt.

Der Ölpreis krachte wegen der Corona-Angst im Frühling 2020 innerhalb weniger Tage um die Hälfte ein (WTI und Brent). Schließlich war damals völlig unklar, wie heftig das Virus Wirtschaft und Industrie belasten wird. In den ersten Tagen der Pandemie jedenfalls mussten viele Industriekonzerne ihre Produktionsbänder anhalten. Entsprechend fielen der Energiebedarf und die Nachfrage nach Öl praktisch über Nacht in sich zusammen.

Immerhin: Der Corona-Schock am Öl-Markt war ähnlich wie am Aktienmarkt nicht von langer Dauer. Nur wenige Wochen nach dem Crash setzte eine massive Aufwärtsbewegung ein, da die Akteure erkannt hatten, dass das Virus zwar gefährlich, für die Wirtschaft als Ganzes aber verkraftbar ist.

Ölpreis: Zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage?

Ob ein solches Szenario nun auch droht, lässt sich freilich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Fakt ist: Die hohe Inflation senkt die Kaufkraft der Verbraucher und könnte gepaart mit der strafferen Geldpolitik dazu führen, dass sich die Wirtschaft signifikant abkühlt.

Hinzu kommt, dass die Angebotsseite immer stärker wird. So will zum Beispiel das mächtige Kartell Opec+ seine Öl-Förderkapazitäten erhöhen. So sollen allein im Juli und August jeweils 648.000 Barrel pro Tag mehr gefördert werden. Die Opec+, zu der unter anderem Saudi-Arabien, Kuwait, der Irak, der Iran, Algerien, Russland und Kasachstan gehören, hat damit die eigentlich erst für September geplante Erhöhung vorgezogen.

Aber nicht nur die Opec-Staaten beflügeln derzeit die Angebotsseite. Auch in den USA ist die Rohölproduktion in der letzten Woche deutlich gestiegen – auf ein Niveau, das zuletzt im April 2020 erreicht worden war. Eben in diesem Monat war es wie oben erwähnt zum Öl-Crash gekommen.

Ölpreis könnte weiter nachgeben

Trifft die höhere Ölmenge nun auf eine geringere Nachfrage, wirkt sich das belastend auf den Ölpreis aus. Noch ist unklar, ob es wirklich zu einer Rezession kommen wird. Allein die Angst davor reicht aber schon aus, um den Ölpreis massiv zu beeinflussen.

Der Preis könnte also in den nächsten Tagen und Wochen Teile seiner zuvor erzielten Zuwächse wieder abgeben. Die Betonung liegt hier aber ausdrücklich auf „könnte“. Allein die Zeit kann darüber Aufschluss geben.

Öl-Aktien: Ist die Gewinnsträhne bald schon wieder vorbei?

Betroffen von einem rückläufigen Ölpreis wären natürlich in erster Linie die großen Förderer. Die Branche hatte im ersten Quartal 2023 wegen der steigenden Preise eine regelrechte Gewinnflut erlebt. Aber schauen Sie selbst:

UnternehmenZeitraumGewinn
Saudi Aramco (SAU)Q1 202339,5 Milliarden US-Dollar
Shell (GB)Q1 20237,1 Milliarden US-Dollar
Chevron (USA)Q1 20236,5 Milliarden US-Dollar
Exxon Mobil (USA)Q1 20235,5 Milliarden US-Dollar
Occidental Petroleum (USA)Q1 20234,9 Milliarden US-Dollar

Alle genannten Öl-Player hatten auch für das zweite Quartal und darüber hinaus starke Gewinnzahlen angekündigt. Mit Blick auf das zweite Jahresviertel dürfte Big Oil wohl Recht behalten. Wie es in Q3 und Q4 aussehen wird, steht angesichts der Rezessionsangst allerdings auf einem anderen Blatt.

Die Aktien, die entgegen der allgemeinen Marktentwicklung allesamt seit Jahresbeginn deutlich zulegen konnten, könnten im schlimmsten Falle also schon bald nach unten rauschen. Und der vermeintlich sichere Hafen Öl, auf den viele Anleger im Zuge der Inflationskrise aufgesprungen sind, könnte sich als Bumerang erweisen.

Öl bleibt ein Motor der Weltwirtschaft

Dabei ist Öl an sich ein Rohstoff, den man niemals unterschätzen sollte. Trotz Kritik von Klimaschützern ist der fossile Brennstoff immer noch ein Motor der Weltwirtschaft. In den letzten 50 Jahren hat sich der Ölverbrauch der Menschheit fast verdreifacht. Allein 2019 wurden rund um den Globus 97 Millionen Barrel verbraucht – und das pro Tag.

Klar: Technologien wie die Elektromobilität sollen den Ölbedarf perspektivisch senken. Doch bis sich diese wirklich durchsetzen können, wird es noch viele Jahre dauern. Das Ölzeitalter ist also noch längst nicht zu Ende. Entsprechend bleiben die Aktien der großen Förderer prinzipiell ein gutes Investment.

Ölpreis: Sicher ist nur die Unsicherheit

Doch der Brennstoff ist wie kaum ein anderer Rohstoff abgängig von der konjunkturellen Entwicklung – ein klassischer Zykliker eben. Wollen Sie in Öl-Aktien investieren, sollten Sie diesen Risikofaktor stets auf dem Schirm haben und deshalb immer die volkswirtschaftliche Entwicklung beachten.

Gerade in diesen Zeiten lässt sich der Ölpreis und dessen Entwicklung also unterm Strich mit diesem Aphorismus treffend umschreiben: Sicher ist nur die Unsicherheit.

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