Ölpreis: Kein Ende in Sicht?

Mit den Ölpreisen ging es zuletzt wieder steil in Richtung Norden. Aktuelle deutet wenig darauf hin, dass sich an diesem Trend etwas ändern wird.

Die laufende Woche war an den Märkten von einigen Erholungen und Preissteigerungen geprägt. Während viele sich über steigende Kurse bei Aktien gefreut haben dürften, sind die abermals gestiegenen Ölpreise nur für die Wenigsten eine gute Nachricht. Um mehr als vier Prozent verteuerte sich der Rohstoff allein in den letzten fünf Tagen. Die Nordseesorte Brent kletterte bis auf 118,80 USD je Barrel, bei WTI standen bei Handelsschluss am Freitag 115,07 USD auf der Anzeigetafel.

Nach einer Phase der Entspannung klettern die Ölpreise damit wieder stetig in Richtung Rekordhoch, was die Verbraucher an der Tankstelle bereit zu spüren bekommen haben. Spritpreise von 2,20 Euro oder sogar noch mehr sind keine Seltenheit mehr. Zum Leidwesen der Autofahrer könnte es mit den Preisen sogar noch weiter aufwärts gehen, wodurch der am Mittwoch in Kraft tretende Energiebonus der Bundesregierung letztlich fast schon verpuffen könnte.

Das treibölt den Ölpreis an

Als Gründe für die wieder anziehenden Ölpreise werden von Experten in erster Linie folgende Faktoren genannt:

  • Geringe Lagerstände in den USA
  • Fallende Kurse beim US-Dollar
  • Anhaltende Unsicherheiten aufgrund des Ukraine-Kriegs
  • Preissteigernde Effekte durch Erholung am Aktienmarkt

In den USA ist zwar Rohöl an sich Medienberichten zufolge noch in enormen Mengen verfügbar. Die Raffinerien kommen aber anscheinend mit der Verarbeitung nicht hinterher. Die Auslastung bewegt sich derzeit nahe der Marke von 100 Prozent und dennoch scheint die Nachfrage nicht vollumfänglich bedient werden zu können. Die Füllstände der Lager nähern sich dadurch historischen Tiefstständen, was letztlich den Preisdruck immer weiter erhöht.

Zumindest bisher scheinen sich die Amerikaner an den gestiegenen Spritpreisen auch nicht zu stören und das Verreisen mit dem Auto ist so beliebt wie eh und je. Solange sich daran nichts ändert, dürfte die Lage angespannt bleiben, was dem Ölpreis weitere Argumente für Preiserhöhungen liefert.

Der Ölpreis profitiert von den Krisen

Ein echter Dauerbrenner beim Thema Ölpreis ist selbstredend auch der Ukraine-Krieg, der mit einem endlosen Rattenschwanz an Konsequenzen daherkommt. Aktuell ist ein großes Thema ein geplantes Ölembargo seitens der EU gegenüber Russland, das bisher vor allem noch am Widerstand von Ungarn scheitert. Bundeswirtschaftsminister Habeck zeigte sich zuletzt aber zuversichtlich, bestehende Differenzen innerhalb kurzer Zeit ausräumen zu können.

Experten rechnen zwar nicht damit, dass ein Embargo der EU für einen plötzlichen Preisschock führen wird, da Russland sein Öl wahrscheinlich auch anderweitig losbekommen wird. Noch dazu wird das Embargo wohl nur mit einiger Vorlaufzeit in die Tat umgesetzt. Dennoch dürfte ein solcher Schritt auch nicht eben dazu beitragen, die Preise wieder fallen zu lassen.

Der Aufwärtstrend beim Ölpreis wurde letztlich im laufenden Jahr zu keinem Zeitpunkt wirklich unterbrochen. Zwar gingen die Preise zeitweise recht deutlich in die Tiefe. Das reichte jedoch nie aus, um eine wie auch immer geartete Trendwende erkennen zu können.

Davon hängt beim Ölpreis alles ab

Letztlich wird der Ölpreis weiter steigen, solange die Nachfrage auf ihrem derzeitigen Niveau verharrt und Fördermengen nicht angehoben werden. Die OPEC-Staaten ließen zuletzt keinerlei Ambitionen erkennen, die Fördermengen anzuheben. An Kritik an diesem Vorgehen mangelt es nicht, welches diverse Krisen derzeit noch intensiviert und als einer der Hauptgründe für eine schwindelerregend hohe Inflation angesehen wird. Bisher hat das aber nicht weitergeholfen. Angesichts der jüngsten Entwicklung ist absehbar, dass die OPEC-Staaten eventuelle Ausfälle bei russischem Öl nicht auffangen werden.

Sollte die Preisspirale sich weiter in die Höhe drehen, wird irgendwann zweifellos ein Punkt erreicht, an dem die Nachfrage nachlassen wird. Einige Verbraucher werden sich Benzin irgendwann nicht mehr leisten können oder wollen und spätestens dann wird der Ölpreis auch ohne politisch oder wirtschaftlich bedeutende Entwicklungen wieder nachlassen. Wann genau dieser Peak erreicht sein könnte steht derzeit allerdings in den Sternen.

Die größten Ölförderer im Überblick

Land Rohölproduktion 2020 (Mio. Tonnen)
USA 722
Russland 512
Saudi-Arabien 508
Kanada 255
Irak 206
China 201
Vereinigte Arabische Emirate 165

Noch immer ist die globale Ölversorgung in der Hand einiger weniger Staaten, die sich zu nicht unwesentlichen Teilen auch noch in Kartellen organisieren und den Ölpreis dadurch fast schon nach Belieben verändern können. Da viele davon mit den hohen Preisen aktuell kein Problem haben, ist mit einer Entspannung allzu bald nicht zu rechnen. Ob und wie die hiesige Politik dem irgendwie entgegenwirken kann, lässt sich wohl nur abwarten.

Für den Moment sollten Anleger aber nicht unbedingt damit rechnen, dass die Preise für Rohöl nennenswert nachgeben werden. Vielleicht kann eine weitere Korrektur an den Aktienmärkten zumindest für etwas Entspannung sorgen. Mit einer solchen rechnen nicht wenige Analysten, da wir uns nach deren Ansicht noch immer in einem Bärenmarkt befinden. Selbst wenn es dadurch zu kurzfristig sinkenden Ölpreisen kommen mag, wird eine solche Entwicklung allein den Aufwärtstrend beim schwarzen Gold letztlich nicht stoppen können.

Aus Anlegersicht ist es da letztlich wohl das Gesündeste, sich mit der aktuellen Situation zu arrangieren. Nicht wenige Börsianer haben das längst getan und fleißig in die Profiteure der hohen Ölpreise investiert. Zu jenen gehören vor allem die großen Ölunternehmen wie Shell, BP oder Saudi Aramco. Deren Kurse wurden zuletzt von einem Rekord zum nächsten getrieben. Aufwärtspotenzial besteht mit Blick auf die Entwicklung beim Ölpreis weiterhin, risikofrei sind derartige Investments aber freilich nicht.

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