Ölpreis: Alles beim Alten!

Für den Ölpreis gab es jüngst kaum neue Impulse und so halten sich positive und negative Faktoren in etwa die Waage.

Es sind weiterhin die gleichen Themen, welche die Entwicklung des Ölpreises nachhaltig beeinflussen. Einige davon sorgen dafür, dass das Niveau hoch bleibt, während andere spürbaren Druck von oben herbeiführen. Grob zusammengefasst blicken die Marktakteure vor allem auf diese Faktoren:

  • Inflation
  • Leitzinsen
  • Ölreserven
  • Fördermengen

All das hält sich derzeit mehr oder weniger die Waage, was zuletzt zu einer Seitwärtsbewegung führte, wenn auch mit weiterhin hohen Schwankungen. In den letzten zwei Wochen bewegten die Preise sich in einer Range von 105 bis 118 US-Dollar je Barrel auf und ab, wobei immer mehr auch Unterschiede zwischen den hierzulande wichtigsten Sorten Brent und WTI zutage treten.

Was Brent und WTI aktuell unterscheidet

Sehr deutlich zeigte sich dies am Freitag, als die Preise für Brent um knappe drei Prozent nachgaben, während WTI sich im gleichen Zeitraum um 2,4 Prozent verteuerte. Gestützt wurden die Preise für die US-Sorte vor allem aufgrund von Berichten um sinkende Lagerstände. Der Branchenverband American Petroleum Institute ließ verlaufen, dass die Lagerbestände innerhalb von nur einer Woche um 3,8 Millionen Barrel zurückgegangen seien. Das führt unweigerlich dazu, dass die Preise für Rohöl aus den USA ansteigen. Zusätzlich angetrieben wird das Ganze noch durch Spekulationen darüber, dass das Land einen Exportstopp in Erwägung ziehen könnte, um die hohen Preise für Benzin in den Griff zu bekommen.

Von derlei Faktoren wird die Nordseesorte Brent weniger beeinflusst. Hier machen sich daher die aktuell wieder einmal aufflammenden Rezessionssorgen bemerkbar, welche unter Experten Befürchtungen aufkommen lassen, dass die Nachfrage deutlich einbrechen könnte. Zum Wochenende wurde Brent mit 111,48 Dollar je Barrel letztlich aber noch zu etwas höheren Preisen als WTI gehandelt, wo zum selben Zeitpunkt 108,50 Dollar je Barrel auf dem Spotmarkt fällig wurden.

Der Ölpreis kühlt sich ab

Ungeachtet dessen lässt sich beobachten, dass die Ölpreise im Juni sichtlich nachgegeben haben. Im Falle von WTI waren Abschläge in Höhe von 7,2 Prozent zu beobachten, während Brent sich um 5,2 Prozent verbilligte. Das unterstreicht noch einmal, dass viele den Höhepunkt als überwunden ansehen und nun mit einer Korrektur rechnen. Noch befinden die Ölpreise sich fraglos auf sehr hohem Niveau, was sich aber mit etwas Glück oder Pech (je nach Ansichtsweise) im Laufe der nächsten Wochen ändern könnte.

Wichtig werden dabei auch mögliche neue Maßnahmen der westlichen Partner gegenüber Russland sein. Von der Idee eines Preisdeckels für russisches Öl hält nicht jeder Beobachter viel und um die Auswirkungen auf die Ölpreise wird fröhlich diskutiert. Fest steht aber, dass ein solcher Schritt Auswirkungen auf die Ölpreise hätte. Die werden umso größer ausfallen, je mehr Partner die G7-Staaten für ein derartiges Vorhaben auf ihre Seite ziehen können.

Rohstoffe im Sinkflug

Abseits der Ölpreise entwickelten sich zuletzt auch viele andere Rohstoffe rückläufig, was ebenfalls auf die bereits angesprochenen Rezessionsängste zurückzuführen ist.

Rohstoff Preis (1.7.22) Entwicklung Juni 2022
Gold 1.811,18 USD je Feinunze -3,1 %
Öl (Brent) 111,48 USD je Barrel -5,1 %
Heizöl 104,61 USD je 100 Liter -6,4 %
Öl (WTI) 108,50 USD je Barrel -7,2 %
Silber 19,90 USD je Feinunze -10,8 %
Weizen 336,00 USD je Tonne -12,5 %
Aluminium 2.397,69 USD je Tonne -12,6 %
Kupfer 7.975,10 USD je Tonne -15,1 %
Erdgas 5,62 USD je MMBtu -32,5 %

Besonderes Augenmerk richten viele Experten auf den Kupferpreis, welcher als Gradmesser für das aktuelle Sentiment an den Rohstoffmärkten gilt. Wie aus der Entwicklung der letzten vier Wochen deutlich herauszulesen ist, zeigt sich hier eine mehr als deutliche Abkühlung und die Abschläge beim Ölpreis fallen da im Vergleich noch eher übersichtlich aus. Dennoch sind die sinkenden Rohstoffpreise ein Faktor, welcher den Ölpreis weiter nach unten treiben könnte. Auf der anderen Seite ergibt sich aber auch die Chance für weitere Preisaufschläge. Letztlich wird das vor allem von den Launen und Sorgen der Investoren abhängen.

Was treibt die Fed?

Es ist eine etwas verzwickte Situation, in der sich die Anleger gerade befinden. Auf der einen Seite fürchten sie aufgrund der hohen Inflation schnelle und heftige Zinsschritte seitens der US-Notenbank Fed, was den Weg in die Rezession bereiten könnte. Die prophylaktischen Preisnachlässe könnten die Inflation aber wieder deutlich beruhigen und damit Argumente für allzu große Zinsschritte eliminieren. Das wiederum würde Sorgen um eine mögliche Rezession wieder etwas beruhigen und in der Folge potenziell die Rohstoffpreise wieder in die Höhe schicken.

Es lässt sich wohl nur abwarten, was genau hier als nächstes passieren wird. Trotz des Abschwungs im vergangenen Monat ist aber weder bei Rohstoffen insgesamt noch beim Ölpreis im Speziellen ein anhaltender Abwärtstrend schon in Stein gemeißelt.

Es bleibt spannend beim Ölpreis

Es wird sehr wahrscheinlich nicht lange dauern, bis es beim Ölpreis wieder neue Impulse zu sehen geben wird. Aktuell hängt das Thema ein wenig in der Luft. Weder trauen die Bullen sich zu, wieder neue Höchstmarken ins Visier zu nehmen, noch können die Bären den Mut zusammenbekommen, um das Preisniveau wieder deutlich in die Tiefe zu befördern.

Spätestens die bald anstehenden US-Inflationsdaten dürften wieder neue Signale aussenden und die Stimmung an den Märkten nachhaltig beeinflussen. Was es dann zu sehen geben wird, darüber lässt sich aktuell aber bestenfalls mutmaßen. Die meisten Experten rechnen mit einer weiterhin hohen Inflation, welche ein entschiedenes Vorgehen der Fed nötig machen dürfte. Vielleicht gibt es aber wenigstens keine neuen Rekordwerte zu sehen.

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