Nikkei 225: Die Sorgen bleiben!

Beim Nikkei 225 zeigen sich derzeit wieder dezente Anzeichen der Schwäche. Das dürfte zu weiten Teilen bangen Blicken in Richtung USA zu verdanken sein.

Bisher hat Japan noch keine ausufernden Probleme mit einer hohen Inflation und einer daraus resultierenden Zinswende. Stattdessen verkündete die dortige Notenbank erst kürzlich, an ihrer lockeren Geldpolitik festzuhalten. Die kurzfristigen Zinsen bewegen sich weiterhin im negativen Bereich. Ganz anders gestaltet sich die Situation in den USA. Dort bewegt die Teuerungsrate sich trotz mehrerer bereits erfolgter Zinsschritte noch immer auf einem schmerzhaft hohen Niveau. Mittlerweile zeigen sich auch die ersten Auswirkungen davon.

So gab der Einzelhandelsgigant Wal-Mart kürzlich eine Gewinnwarnung heraus, was auch auf die hohe Inflation und den damit verbundenen Abschwung beim Konsum zurückzuführen ist. Das „Handelsblatt“ hält dies für einen wesentlich Faktor dafür, dass der Nikkei 225 im Handel am Montag Verluste hinnehmen musste. Die hielten sich zwar noch in Grenzen, allerdings könnte es sehr bald noch dicker kommen. Mit Spannung blicken die Anleger auch in Japan in dieser Woche auf folgende Themen:

  • Zinssitzung der Fed
  • Anstehende Unternehmenszahlen
  • Gasversorgung in Europa

Beim Nikkei 225 bleibt alles offen

Bei keinem dieser Punkte gibt es derzeit auch nur ansatzweise Gewissheit, was die Anleger erwartet. Im Falle der nächsten Sitzung der Fed wird zwar fest mit einer Erhöhung der Leitzinsen um 0,75 Prozent gerechnet und selbst ein Schritt um ein ganzes Prozent dürfte niemanden allzu sehr schockieren. Doch sehr viel interessanter für die Börsianer werden die weiteren Aussichten sein und wie die Fed hier tickt, lässt sich nur abwarten.

Einerseits hat die amerikanische Zentralbank mit den Inflationsdaten aus dem Juni ein sehr gutes Argument, um die Zinsen noch deutlich mehr in die Höhe zu heben. Andererseits droht mit jeder weiteren Erhöhung der Rutsch in die Rezession mit einem ganzen Rattenschwanz an Konsequenzen. Allerdings war aus Richtung der Fed bereits zu hören, dass dies im Zweifel in Kauf genommen wird, um die Inflation endlich wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Tage der Entscheidung im Nikkei 225

Die jüngste Gewinnwarnung von Wal-Mart lässt auch nichts Gutes bei anstehenden Unternehmenszahlen vermuten. In dieser Woche kommen solche von so ziemlich allen Tech-Giganten und längst nicht bei jedem sind die Aussichten für positive Überraschungen gut. Die Google-Mutter Alphabet etwa könnte mit ähnlichen Problemen im Werbegeschäft wie Snap zu kämpfen haben, während Amazon die Schwäche im Einzelhandel zu spüren bekommen dürfte.

Es gibt also mehr als genug Potenzial für Enttäuschungen, was am Nikkei 225 nicht spurlos vorbeigehen wird. Ohnehin kommt die niedrige Inflation in Japan nicht zuletzt durch weitreichende staatliche Eingriffe zustande und zumindest manche Beobachter rechnen damit, dass dadurch die steigenden Preise lediglich hinausgezögert, nicht aber komplett umgangen werden können. Außerdem bestehen enge Verflechtungen zwischen großen japanischen Unternehmen und westlichen Konzernen. Allein schon deshalb können die Entwicklungen in Übersee kaum ignoriert werden.

Die Stimmung im Nikkei 225 lässt nach

Da die neuerlichen Sorgen im Nikkei 225 so ziemlich alle Branchen betreffen, ergab sich beim Blick auf die Einzeltitel aus dem Index zuletzt kein klares Bild. Unter Druck gerieten vor allem einige Titel, die zuletzt spürbaren Rückenwind erfuhren. Kawasaki Kisen Kaisha etwa positionierte sich in den letzten Wochen des Öfteren an der Spitze des Nikkei, bekam am Dienstagmorgen nun aber die rote Laterne überreicht. Angesichts der wieder akuter werdenden konjunkturellen Sorgen scheinen hier einige Anleger noch schnell Gewinne mitnehmen zu wollen.

Am oberen Ende waren es vor allem Zulieferer, Chemiekonzerne und Maschinenbauer, die sichtliche Zugewinne verzeichnen konnten. Grob gesagt also alles, was nicht direkt mit dem Absatz beim Endkunden im Zusammenhang steht. Hier sind die Sorgen letztlich am größten, dass es zu einem Einbruch der Nachfrage kommen könnte und trotz der eher harmlosen Inflation in Nippon zeigte sich eine solche Entwicklung auch bereits in Zahlen.

Aktie Kurs (26.7.22, 10 Uhr) Differenz zum Vortag
IHI Co. 25,80 +4,88 %
Nitto Denko 66,50 +3,91 %
GS Yuasa 17,50 +3,67 %
Fujikura 5,70 +3,64 %
Fast Retailing 570,00 +3,64 %
Chugai Pharmaceutical 25,81 -2,60 %
Bridgestone 36,00 -2,73 %
Tepco 3,50 -2,77 %
Daiichi Sankyo 24,82 -3,05 %
Kawasaki Kisen Kaisha 67,42 -3,27 %

Es geht weiter abwärts für den Nikkei 225

Nachdem bereits der Montag wenig erfreulich für den japanischen Leitindex verlief, setzte sich der Abwärtstrend auch am Dienstag weiter fort. Am Nachmittag stand zwar nur ein Verlust von 0,16 Prozent auf dem Ticker. Dennoch ist es bedenklich, dass es kontinuierlich in die aus Anlegersicht falsche Richtung geht. Ein größeres Comeback rutscht damit weiter in die Ferne.

Seit Jahresbeginn bleiben damit Abschläge in Höhe von 5,62 Prozent zu verzeichnen. Auch wenn der Nikkei sich im laufenden Monat zumindest etwas verbessern konnte, so kann von einem Turnaround noch längst keine Rede sein. Wichtig ist nun für den Moment, dass der Index nicht wieder unter die Linie bei 27.000 Punkten rutscht. Denn spätestens dann könnten sich alle Ambitionen der Bullen für Bewegungen in Richtung Norden schnell in Luft auflösen.

Das ist alles nichts Neues für den Nikkei 225

Unter dem Strich befindet der Nikkei 225 sich in keiner dramatisch neuen Situation. Schon des Öfteren wurden die Kurse durch Sorgen um die Konjunktur geplagt und die Blicke wendeten sich dabei häufig in Richtung USA. Bleibt also zu hoffen, dass es zu einigen Gewohnheitseffekten gekommen ist und die Aktionäre sich durch die erneute kleine Schwächephase nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen lassen. Das wird aber auch von den weiteren Ereignissen in dieser Woche abhängen.

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