Zoominfo will beweisen, dass seine KI-Technologie der Konkurrenz überlegen ist. Die Aktie erzählt derweil eine andere Geschichte. Während das Unternehmen einen selbst entwickelten Härtetest für KI-Vertriebstools veröffentlicht, ist der Kurs binnen eines Jahres um 72 Prozent auf 2,94 Dollar gefallen – bei einer Marktkapitalisierung von noch 867 Millionen Dollar.
Eigener Maßstab, eigener Sieger
Der neue Test namens GTM Bench soll messen, wie gut Sprachmodelle und KI-Agenten typische Vertriebsaufgaben erledigen – etwa Zielkundenlisten erstellen oder Entscheidungsträger identifizieren. Bewertet wird nach zwei Kriterien: wie viel der Arbeit erledigt wird und wie verlässlich die gelieferten Daten sind. In der ersten Testrunde erzielte ZoomInfos eigenes System GTM.AI einen Indexwert von 77 – deutlich vor dem stärksten Konkurrenten Apollo mit 47 Punkten.
Die restlichen Systeme fielen noch weiter zurück. Exa kam auf 36 Punkte, die einfache Websuche nur auf 31. ZoomInfo erledigte laut eigenen Angaben 98 Prozent der gestellten Aufgaben und lieferte 478 von 1.000 Datensätzen mit nachprüfbarer Quelle, während die Konkurrenz nur einstellige bis niedrige zweistellige Werte erreichte. Das Unternehmen selbst weist darauf hin, dass der Test vom eigenen Haus stammt und die Datenprüfung gegen die eigenen Datenbestände erfolgt, nicht durch eine unabhängige Instanz.
Skepsis bei den Analysten hält an
Der werbliche Auftritt trifft auf ein gespaltenes Analystenbild. Jefferies stufte die Aktie zuletzt von Kaufen auf Halten zurück und begründete dies mit schwacher Kundennachfrage sowie dem Risiko, dass generative KI klassische Kaufentscheidungen im Vertrieb verändert. BofA Securities nahm die Coverage mit einem Underperform-Rating wieder auf und sieht im KI-Wandel eine Bedrohung für das bisherige Geschäftsmodell. Moody’s bestätigte zwar das Rating Ba3, senkte aber den Ausblick von stabil auf negativ – wegen Sorgen um das Umsatzwachstum.
Parallel zum Benchmark brachte ZoomInfo mit der GTM.AI CLI ein quelloffenes Kommandozeilen-Werkzeug auf den Markt, das Entwicklern direkten Zugriff auf die firmeneigene Datenbank verschafft. Beide Produkte reihen sich in bestehende Integrationen mit Salesforce Agentforce, HubSpot Breeze, Microsoft Copilot, Claude und ChatGPT ein.
Eine zweite Version des Benchmarks soll künftig mehrstufige Agenten-Workflows, internationale Datenabdeckung und eine eigene Bewertungsachse für unternehmenseigene Daten enthalten. Ob die technologische Offensive die Wachstumszweifel der Analysten zerstreut, bleibt vorerst offen – das Rating-Bild zwischen Halten und Underperform spiegelt genau diese ungeklärte Frage.
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