Bessere Zahlen, schwächere Kurse — bei Zoom passt die Reaktion nicht zur Nachrichtenlage. Das Unternehmen hat im zweiten Fiskalquartal die Erwartungen übertroffen und sogar die Jahresprognose angehoben. Trotzdem gab die Aktie im nachbörslichen Handel um bis zu 3,8 Prozent nach.
Der Umsatz stieg um 4,9 Prozent auf 1,28 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,55 Dollar. Beide Werte übertrafen die Analystenschätzungen von 1,27 Milliarden Dollar Umsatz und 1,48 Dollar Gewinn je Aktie deutlich. Für Zoom, das lange als Wachstumsstory der Pandemie-Jahre galt, ist ein Plus in dieser Größenordnung inzwischen der Normalfall geworden.
Ausblick trübt die Stimmung
Der Haken liegt in der Prognose für das laufende Quartal. Zoom rechnet für das dritte Fiskalquartal mit einem bereinigten Gewinn zwischen 1,46 und 1,48 Dollar je Aktie — unter dem Analystenkonsens von 1,50 Dollar. Beim Umsatz peilt das Unternehmen 1,275 bis 1,28 Milliarden Dollar an, was in etwa den Markterwartungen entspricht, aber keinen zusätzlichen Schub signalisiert.
Für das komplette Geschäftsjahr hob Zoom die Ziele trotzdem an: Der bereinigte Gewinn je Aktie soll nun zwischen 6,08 und 6,12 Dollar liegen, zuvor waren es 5,96 bis 6,00 Dollar. Beim Umsatz rechnet das Management mit 5,085 bis 5,095 Milliarden Dollar. Diese Anhebung reichte den Anlegern offenbar nicht, um die Sorge um die kurzfristige Wachstumsdynamik zu zerstreuen.
Konkurrenzdruck bleibt das Kernthema
Der Wettbewerb um Videokonferenz- und Kollaborationssoftware hat sich verschärft. Microsoft Teams und Google Meet drängen mit ihren Ökosystem-Vorteilen in Zooms Kerngeschäft, während das Unternehmen selbst verstärkt auf KI-Funktionen setzt, um sich abzuheben. Dazu zählen der AI Companion als digitaler Assistent sowie neue Tools für Unternehmenskunden unter der Marke Zoom AI Services.
Diese Investitionen kosten Geld und Zeit, bevor sie sich in messbarem Umsatzwachstum niederschlagen. Genau das dürfte der Grund sein, warum die Prognose für das laufende Quartal so zurückhaltend ausfällt — die Marktreaktion legt nahe, dass Anleger genau diesen Punkt kritisch sehen.
Kurzfristig bleibt die Frage im Raum, ob die angehobene Jahresprognose die schwache Quartalsprognose auffangen kann. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die neuen KI-Funktionen tatsächlich neue Kunden bringen oder ob der Konkurrenzdruck von Microsoft und Google weiter an der Wachstumsrate zehrt.
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