Zoetis hat seine Jahresprognose für 2026 drastisch zurückgenommen – und die Anleger reagierten prompt mit massiven Verkäufen. Der Tiermedizin-Konzern begründet den Schritt mit anhaltender Schwäche im US-Geschäft mit Haustieren, sinkenden Besuchen in Tierarztpraxen und schärferem Wettbewerbsdruck. Die Aktie rutschte in der Folge auf ein neues Mehrjahrestief.
Prognose deutlich gekappt
Am Donnerstag legte Zoetis Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie übertraf der Konzern mit 1,87 Dollar knapp die Konsensschätzung von 1,86 Dollar. Beim Umsatz von 2,468 Milliarden Dollar verfehlte Zoetis dagegen die erwarteten 2,502 Milliarden Dollar. Weitaus schwerer wog jedoch die Guidance-Kürzung: Statt eines bereinigten Ergebnisses je Aktie von 6,85 bis 7,00 Dollar rechnet das Management nun nur noch mit 6,15 bis 6,25 Dollar. Der Umsatzausblick sinkt von 9,68 bis 9,96 Milliarden Dollar auf 9,12 bis 9,32 Milliarden Dollar. Statt eines organischen Wachstums signalisiert Zoetis damit einen operativen Umsatzrückgang von ein bis drei Prozent sowie einen Rückgang des bereinigten Nettogewinns um fünf bis neun Prozent.
Der Blick auf die Segmente zeigt, wo der Druck herkommt: Der US-Umsatz mit Haustierprodukten brach um elf Prozent auf 1,044 Milliarden Dollar ein, nach 1,173 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Das US-Nutztiergeschäft wuchs dagegen um 23 Prozent auf 222 Millionen Dollar, und international legte der Umsatz um sechs Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar zu. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 691 Millionen Dollar beziehungsweise 1,65 Dollar je Aktie, ein Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Nettogewinn von 781 Millionen Dollar oder 1,87 Dollar je Aktie legte zwar um fünf Prozent zu, organisch betrachtet ging er jedoch um zwei Prozent zurück.
Bereits am Donnerstag reagierte auch William Blair und stufte Zoetis von Outperform auf Market Perform zurück. Als Begründung nannte das Analysehaus schwächer als erwartete Rückgänge im Dermatologie-Geschäft sowie anhaltende Marktanteilsverluste des Präparats Simparica Trio.
Analysten kappen Kursziele reihenweise
Die Prognosesenkung löste eine Welle von Zielkürzungen aus. JPMorgan reduzierte das Kursziel am Samstag auf 115 von zuvor 130 Dollar, hält aber an einer Overweight-Einstufung fest. Gestern folgten Morgan Stanley mit einer Senkung auf 85 von 99 Dollar bei weiterhin positiver Overweight-Empfehlung sowie UBS, die ihr Ziel auf 80 von 85 Dollar zurücknahm und bei einer neutralen Einschätzung bleibt. Die Bandbreite der aktuellen Kursziele reicht damit von 80 bis 115 Dollar – ein deutliches Signal dafür, wie unterschiedlich die Häuser das Ausmaß der Geschäftsabschwächung einschätzen.
Management setzt auf Vier-Punkte-Plan
Zoetis reagiert mit einem mehrteiligen Maßnahmenpaket. Das Unternehmen hat eine neue Vertriebsführung für den US-Markt berufen und gezielte Promotion- und Rabattprogramme ausgeweitet. Zusätzlich beschleunigt Zoetis die Markteinführung der Präparate Lenivia und Portela in Kanada und Europa. Am Donnerstag schloss der Konzern zudem die Übernahme von VitalRADS ab, einer cloudbasierten Plattform für veterinärmedizinische Teleradiologie mit KI-gestützter Befunderstellung, die das Diagnostik-Portfolio erweitert. Ergänzend hält Zoetis an der bereits im März angekündigten Übernahme des Genomik-Geschäfts von Neogen für 160 Millionen Dollar fest, deren Abschluss für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet wird.
Parallel dazu vollzieht Zoetis einen Wechsel an der Finanzspitze: Jay Saccaro übernimmt ab dem 17. August die Position als Executive Vice President, Chief Financial Officer und Chief Operating Officer. Der bisherige Amtsinhaber Wetteny Joseph wechselt bis Anfang 2027 als Special Advisor des CEO für Finanzfragen. Trotz der operativen Schwäche hält Zoetis an der Kapitalrückführung fest: Seit Jahresbeginn flossen 1,6 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre, während der Konzern rund 350 Millionen Dollar in Forschung und Entwicklung sowie etwa 225 Millionen Dollar in Sachinvestitionen steckte. Die für den 1. September fällige Quartalsdividende von 0,53 Dollar je Aktie bleibt unverändert.
Kurs nahe Mehrjahrestief
An der Börse kam die Kombination aus Prognosekürzung und Analystenskepsis schlecht an. Am Freitag brach die Zoetis-Aktie um 6,29 Prozent auf 62,84 Euro ein. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursverlust von 41,47 Prozent zu Buche. Die Aktie bewegt sich damit nur noch knapp über ihrem jüngsten Mehrjahrestief und spiegelt wider, wie stark die Wachstumsstory des Konzerns durch die Schwäche im US-Haustiermarkt belastet wird.
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