XRP notiert aktuell bei 0,9966 US-Dollar und damit rund 0,3 Prozent im Minus – ein psychologisch bedeutsamer Rutsch unter die runde Marke von 1 Dollar, den es seit November 2024 nicht mehr gegeben hatte.
Der Kurs bewegt sich damit nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief von 0,9887 Dollar, das erst kürzlich markiert wurde. Auf Monatssicht steht ein Minus von 9,1 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat XRP fast die Hälfte seines Werts verloren.
Der Kursrückgang fällt in eine Woche, die aus Sicht von Ripple eigentlich positive Nachrichten liefern sollte. Am Dienstag gab das Unternehmen die Partnerschaft mit der südkoreanischen Jeonbuk Bank bekannt – dem ersten Regionalinstitut Südkoreas, das Ripple Payments für grenzüberschreitende Überweisungen einsetzt.
Statt mehrtägiger SWIFT-Abwicklungen sollen Transaktionen künftig in Sekunden bis Minuten erfolgen, rund um die Uhr. Fiona Murray, verantwortlich für den asiatisch-pazifischen Raum bei Ripple, und Park Choon-won von der JB Jeonbuk Bank bezeichneten die Kooperation als strategisch bedeutsam. Es ist bereits die dritte koreanische Partnerschaft, die Ripple in diesem Jahr verkündet – nach Abkommen mit Kyobo Life und Kbank.
Warum die gute Nachricht den Kurs nicht stützt
Dass die Ankündigung den Kursverfall nicht bremsen konnte, liegt auch an offenen Fragen zur tatsächlichen Nutzung: Ob bei der Jeonbuk-Abwicklung überhaupt XRP oder stattdessen der Stablecoin RLUSD zum Einsatz kommt, blieb zunächst unbestätigt. Genau diese Unsicherheit dämpft die Wirkung solcher Partnerschaften auf den Token selbst, seit Ripple parallel seine eigene Dollar-Stablecoin-Infrastruktur ausbaut.
Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit der Krypto-Branche auf ein Treffen im Weißen Haus am heutigen Mittwoch. Neben Ripple nehmen unter anderem Coinbase, Gemini, Nasdaq, NYSE, CME und die DTCC teil, auf Regierungsseite SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Vertreter Michael Selig. Im Zentrum steht die regulatorische Zukunft der Branche – insbesondere der sogenannte CLARITY Act, dessen Verabschiedung als unsicher gilt.
Ripples Chefjustiziar Stuart Alderoty bezeichnete eine für den 15. September angesetzte Senatsabstimmung als „Gradmesser“ für die Marktstruktur-Gesetzgebung; laut Galaxy Digital liegt die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung noch in diesem Jahr bei lediglich 10 Prozent.
Whale-Aktivität als Gegensignal
Ein auffälliger Kontrapunkt zur schwachen Kursentwicklung: Großanleger-Transaktionen über eine Million Dollar sprangen binnen 24 Stunden um 280 Prozent auf 38 Vorgänge. Berichten zufolge akkumulierten institutionelle Adressen in der vergangenen Woche rund 450 Millionen XRP, während gleichzeitig Nettoabflüsse von Coinbase-Wallets registriert wurden.
Diese Diskrepanz zwischen zunehmender Großanleger-Aktivität und fallendem Preis deutet darauf hin, dass ein Teil der Marktteilnehmer die aktuelle Schwäche als Kaufgelegenheit begreift, während kurzfristig orientiertes Kapital abzieht.
Belastend wirkt zudem das allgemeine Marktumfeld: Steigende Anleiherenditen, ein wieder anziehender Ölpreis nach dem Ende einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowie die Erwartung der am heutigen Mittwoch anstehenden Fed-Protokolle drücken auf die Risikobereitschaft. Bitcoin pendelte zuletzt um die 64.000-Dollar-Marke, was zusätzlichen Gegenwind für den gesamten Kryptomarkt erzeugt.
Für XRP-Anleger bleibt die Situation zweigeteilt: operative Fortschritte im Zahlungsverkehrsgeschäft stehen einem fragilen makroökonomischen und regulatorischen Umfeld gegenüber, das kurzfristig den Ausschlag gibt.
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