Erstmals seit rund zwei Jahren ist XRP unter die psychologisch wichtige Marke von einem US-Dollar gefallen. Am Dienstag markierte der Token ein Tief bei 0,9929 Dollar, aktuell notiert XRP bei 1,01 Dollar – ein Abstand von nur 1,8 Prozent zu diesem 52-Wochen-Tief. Damit liegt der Kurs rund 70 Prozent unter seinem Rekordhoch von 3,35 Dollar, das er im Vorjahr erreicht hatte.
RLUSD verdrängt XRP als Brückenwährung
Der eigentliche Grund für die Schwäche liegt tiefer als reine Marktvolatilität: Ripple hat seine eigene Dollar-Stablecoin RLUSD eingeführt und wickelt damit zunehmend institutionelle Geschäfte ab, die früher über XRP liefen.
Im laufenden Jahr hat Ripple nach Berichten zehn große institutionelle Deals über RLUSD statt über XRP abgewickelt – Partner sollen dabei BlackRock, Deutsche Bank und Mastercard gewesen sein.
RLUSD kommt mittlerweile auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,57 Milliarden Dollar und stellt laut Berichten etwa 89 Prozent des gesamten Stablecoin-Volumens auf der XRP Ledger. XRP selbst wird in vielen dieser Transaktionen nur noch für die minimale Netzwerkgebühr benötigt.
Diese Verschiebung nährt unter Anlegern die Sorge, dass XRPs ursprüngliche Funktion als Brückenwährung im Ripple-Ökosystem an Bedeutung verliert. Analysten der Plattform DailyCoin bezeichnen die Stablecoin-Konkurrenz explizit als das größere strukturelle Problem für XRP-Halter – größer als kurzfristige Kursschwankungen.
Regulatorische Hängepartie belastet zusätzlich
Parallel zur Stablecoin-Konkurrenz sorgt politische Unsicherheit für Druck. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte für Freitag eine Abstimmung über ein maßgeschneidertes Angebotsregime für Krypto-Token-Verkäufe angesetzt, sagte das Treffen aber wegen eines nach eigenen Angaben unvorhergesehenen Terminkonflikts ab. Ein neuer Termin steht nicht fest.
Die Verzögerung fällt mit einer fünfwöchigen Senatspause zusammen, die auch die Abstimmung über den CLARITY Act blockiert – jenes Gesetz, das mehr Rechtssicherheit für Digital Assets schaffen soll. Die nächste Gelegenheit für eine Abstimmung im Senat ist laut den vorliegenden Terminplänen erst Mitte September.
Am 20. August tagt zudem die Terminmarktaufsicht CFTC in Washington, wobei Ripple-Chef Brad Garlinghouse laut Berichten in einem begleitenden Ausschuss vertreten sein soll. Ob von diesem Treffen konkrete Impulse für XRP ausgehen, ist offen.
Charttechnisch angespannte Lage
Technisch bleibt das Bild fragil: Der Kurs notiert 6,4 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1,08 Dollar und mit 22 Prozent Abstand deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,30 Dollar. Der RSI liegt bei 37,6 und signalisiert damit eine Annäherung an überverkauftes Terrain, ohne die Schwelle bereits zu unterschreiten.
Gleichzeitig zeigen On-Chain-Daten eine gespaltene Marktlage: Während der Kurs schwächelt, ist die Zahl neuer XRP-Millionäre auf der Ledger in den vergangenen drei Monaten um 32 gestiegen, auch die täglichen aktiven Adressen legten deutlich zu.
Institutionelle XRP-Fonds außerhalb von Ripples Kontrolle verzeichnen kumulierte Nettozuflüsse von 1,51 Milliarden Dollar. Diese Diskrepanz zwischen sinkendem Preis und wachsender Netzwerkaktivität lässt Analysten uneins zurück, ob die aktuelle Schwäche eher eine Kaufgelegenheit oder der Auftakt zu einer tieferen Korrektur ist.
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